Freddie Mercury

Freddie Mercury: Der Sänger der Band Queen wäre heute 70 Jahre alt geworden

Halle (Saale) - „Ich will kein Rockstar sein“, hatte Farrokh Bulsara einmal gesagt, „ich will eine Legende werden!“ Das Bild, das Freddie Mercury der Nachwelt hinterlässt, ist genau das, das er von sich geben will.

Von Steffen Könau
Der Leadsänger der britischen Rockgruppe «Queen», Freddie Mercury, bei einem Auftritt im September 1984.
Der Leadsänger der britischen Rockgruppe «Queen», Freddie Mercury, bei einem Auftritt im September 1984. dpa

Yves Saint Laurent hat ihn einmal gezeichnet. Damals war Freddie Mercury in seiner öffentlichen Rolle als Popstar noch das Aushängeschild des maskulinen Rock: Die Brust schwer behaart, in Lederhosen, Turnschuhen und mit einer Kippe in der Hand. Mercury zähmt Stadien mit seiner Stimme, er ist der Gottkönig des Gigantenrock, eine Übergestalt mit Überstimme, der Prototyp des Popstars.

Der Modeschöpfer aber zeichnet die andere Seite des Rock’n’Roll-Riesen, der Anfang der 80er auf dem Gipfel des Ruhms thront. Mercury nackt, behängt mit Fetischen, den Kopf schüchtern zur Seite geneigt. 34 Jahre alt ist der Sänger und Kopf der Band Queen, die sich mit dem Album „The Game“ gerade endgültig vom orchestralen Rock der 70er Jahre verabschiedet hat. Platz 1 überall. Mercury hat die größte Stimme seiner Generation. Er ist Millionär. Und seine besten Jahre liegen vor ihm.

Tragödie hinter den Kulissen

Aber die Zeit ist kurz, die dem Mann noch bleibt, der als Farrokh Bulsara auf Sansibar geboren wurde, in Indien zur Schule ging und als Flüchtlingskind nach Großbritannien kam. Nur vier Jahre wird er noch auf der Bühne stehen, danach holt ihn die Seite seiner Persönlichkeit ein, die er öffentlich stets sorgsam verborgen hat. „Exzess ist Teil meiner Natur. Langeweile ist eine Krankheit“, sagt er über sich.

Doch was niemand wissen soll: Freddie Mercury ist schwul, ein Partner, mit dem er Anfang der 80er in München eine leidenschaftliche Beziehung gepflegt hatte, war mit dem damals noch fast unbekannten HIV-Virus infiziert. Mercury steckt sich an. Als Queen 1986 das erste und einzige Mal hinter dem eisernen Vorhang spielen und in Budapest ein ausverkauftes Nepstadion begeistern, weiß der Komponist von Rockklassikern wie „Bohemian Rhapsodie“, „We will rock you“ und „We are the Champions“ bereits, dass dies seine letzte Tournee sein wird. Nach außen dringt nichts.

Freddie Mercury, ein Meister der Inszenierung, lässt Queen pausieren, veröffentlicht selbst aber Soloalben wie das orchestrale „Barcelona“. Als Queen Ende der 80er wieder zusammenkommen, ist der Titel des neuen Albums „The Miracle“ (Das Wunder) der einzige versteckte Hinweis auf die Tragödie hinter den Kulissen.

„The Show must go on“

Mercury ist durch seine Aids-Erkrankung so schwach, dass er Mühe hat, seine Vokalpassagen einzusingen. Bleich, abgemagert und hinkend quält er sich durch Videoaufnahmen zu „I’m Going Slightly Mad“ und „These Are The Days Of Our Lives“. Mercury ist nur noch ein Schatten des Mannes, der über die Bühne stolzierte, als gehörte ihm die Welt, das Mikro wie ein Zepter schwingend, ein Herrscher über Herzen, der aus Musik Magie zaubern konnte.

Doch „the Show must go on“ bleibt Mercurys Devise. Niemand soll erfahren, wie es um ihn steht, nichts soll das Bild des Rockgottes trüben. Erst Stunden vor seinem Tod im November 1991 lässt Mercury erklären, dass er an Aids erkrankt ist.

„Ich will kein Rockstar sein“, hatte er einmal gesagt, „ich will eine Legende werden!“ Das Bild, das Mercury der Nachwelt hinterlässt, ist genau das, das er von sich geben will. „Made in Heaven“, das letzte Queen-Album, das die verbliebenen Mitglieder Brian May, Roger Taylor und John Deacon noch mit von Mercury eingesungenen Songs füllen können, wird mit 20 Millionen verkauften Exemplaren das erfolgreichste, das die 1970 gegründete Gruppe je herausgebracht hat.

Danach musste es natürlich weitergehen - und es geht weiter. May und Taylor, die nach dem Ausstieg von Deacon zu zweit weitermachen, haben gerade in den letzten Jahren begonnen, das Queen-Erbe offensiv zu pflegen.

Königin mit Bart

Sieben Live-Alben und sieben Greatest-Hits-Kopplungen sind seit dem Tod von Mercury erschienen, dazu vier Zusammenstellungen von Solo-Stücken des Sängers wie das jetzt zu seinem 70. Geburtstag veröffentliche Box-Set „Messenger of the Gods“. 2005 und 2008 ging die Band zudem auf Welttournee, am Mikrofon der ehemalige Free-Sänger Paul Rodgers. Seit 2012 sind Taylor und May mit dem 34-jährigen Amerikaner Adam Lambert als Sänger sogar wieder auf Festivals und in großen Arenen unterwegs.

Die Musik ist dabei die alte, von „Fat bottomed Girls“ über „Killer Queen“ bis „Somebody to love“ fantastische Songs, die längst zu Evergreens geworden sind. Doch wie zuvor Dave Grohl von den Foo Fighters, Zucchero, Anastacia, Robbie Williams und John Farnham, die alle versuchten, Mercury zu ersetzen, macht die Größe der Songs die Leerstelle nur umso deutlicher, die dort klafft, wo der Mann mit der Krone früher einherschritt, den Kopf zurückgeworfen, die Brust in die Scheinwerfer gereckt. Diese Queen mit dem Bart ist nicht tot. Und sie kann auch nicht sterben. (mz)

Informationen im Internet:
www.queenonline.com
www.queenconcerts.com