Doppelmord in den USA

Doppelmord in den USA: Deutscher Diplomatensohn sitzt im Gefängnis

Halle (Saale)/Richmond - Der brutale Doppelmord an Nancy und Derek Haysom sorgte 1985 für extreme mediale Aufmerksamkeit. Die Haysoms waren angesehene Mitglieder der amerikanischen Gesellschaft im US-Bundesstaat Virginia – und der Schuldspruch gegen ihre Tochter Elizabeth und ihren deutschen Freund Jens Söring machte viele ...

Die Bildkombination vom 25. Juni 1990 zeigt Elizabeth Haysom (l.) und and Jens Söring, nach ihrer Verhaftung.
Die Bildkombination vom 25. Juni 1990 zeigt Elizabeth Haysom (l.) und and Jens Söring, nach ihrer Verhaftung. AP

Der brutale Doppelmord an Nancy und Derek Haysom sorgte 1985 für extreme mediale Aufmerksamkeit. Die Haysoms waren angesehene Mitglieder der amerikanischen Gesellschaft im US-Bundesstaat Virginia – und der Schuldspruch gegen ihre Tochter Elizabeth und ihren deutschen Freund Jens Söring machte viele sprachlos.

An der University of Virginia getroffen

Beide hatten sich im August 1984 bei einem Orientierungsabend für die Hochbegabtenstipendiaten an der University of Virginia getroffen, er war sofort hingerissen von ihr. Sie war schön, verwegen, das Produkt englischer Internatsschulen, er, der Sohn eines deutschen Diplomaten, war jung und naiv.

Flucht nach Europa und Asien

Als die Ermittler in ihren Untersuchungen Elizabeth Haysom und Jens Söring immer näher kamen, flohen sie aus Amerika. Die Flucht war ein Abenteuer: Europa, Asien. Am 30. April 1986 wurden sie in England wegen Scheckbetrugs gefasst. Elizabeth Haysom gestand bei ihrem Prozess in den USA die Anstiftung zum Mord an ihren Eltern und wurde zu 90 Jahren verurteilt.

Jens Söring kämpfte jahrelang gegen die Auslieferung in die USA, auch vor dem Europäischen Gerichtshof für Menschenrechte. Erst als die Amerikaner auf die Beantragung der Todesstrafe verzichteten, wurde er in die USA ausgeliefert. Am 4. September 1990 wurde Jens Söring wegen Mordes zu zweimal lebenslänglich verurteilt. Seitdem sitzen beide in US-Gefängnissen, nicht weit voneinander entfernt.

Marcus Vetter und Karin Steinberger stellen Fragen

Marcus Vetter und Karin Steinberger blicken in ihrem Dokumentarfilm „Das Versprechen“ kritisch auf den Fall.  Der Film stellt Fragen, die bislang von niemandem gestellt wurden. Wem gehören die nicht identifizierten Fingerabdrücke am Tatort? Warum durfte der sexuelle Missbrauch der Tochter durch die Mutter vor Gericht keine Rolle spielen? Wie kann es sein, dass ein befangener Richter über den Fall urteilte? Wo ist das FBI-Protokoll, das geschrieben wurde, aber unauffindbar ist? Der Film zeigt, dass alles auch ganz anders gewesen sein könnte. Läuft der wahre Täter dieses brutalen Mordes möglicherweise noch frei herum?

Mehr als drei Jahre lang recherchierten die Filmemacher, fanden erstaunliche neue Beweise, die nie vor Gericht erwähnt oder als unzulässig erklärt wurden. DNA-Tests haben mittlerweile ergeben, dass keine der am Tatort gefundenen Blutspuren Jens Söring zuzurechnen ist, elf Mal wurde sein Antrag auf Entlassung auf Bewährung mittlerweile abgelehnt, seine Haftüberstellung nach Deutschland wurde von einem demokratischen Gouverneur an seinem letzten Tag im Amt bestätigt, aber von seinem republikanischen Nachfolger an seinem ersten Arbeitstag gestoppt.

Privatdetektiv sucht neue Beweise

Die Filmemacher zeigen nie zuvor gesehenes Video-Material der Haysom-Prozesse, reden mit ehemaligen Ermittlern und begleiten einen Privatdetektiv, der nach mehr als zwei Jahrzehnten neue Beweise sucht, um den Fall wieder aufzurollen. (mz)

Der Dokumentarfilm startet am 27. Oktober in den deutschen Kinos.