Eil

Christian Haase bringt siebtes Album

Christian Haase,Album

Träum doch mal von Blumen,Album,Christian Haase

Von Steffen Könau 07.03.2016, 08:36

Das Gewerbe hat genaugenommen ja einen fürchterlich schlechten Ruf. Liedermacher! Das sind doch diese Typen mit den gedankenschweren Mundwinkeln; grübelnde Trauerklöße, die am liebsten in Moll baden und vom Weltuntergang singen.

Christian Haase war zwar schon immer ein wenig anders. Wo andere traurig waren, zwinkerte er. Wo andere weinten, reichte er das Taschentuch. Doch auch seine Gespräche mit Gitarre und Klavier, die er seit mehr als 20 Jahren öffentlich führt, rührten auf dem letzten Album zu Tränen. Inmitten von Ostukraine-, Pegida-, Griechenland- und Flüchtlings-Krise mochte der Leipziger, der mit 14 seine erste Band gegründet hatte, keine Liebeslieder spielen.

Kein Jahr und eine Tour später ist er schon wieder da, diesmal mit einer CD im Gepäck, die wie der sonnige Gegenentwurf zur selbstquälerischen Liedermachertradition wirkt. Haase hüpft, Haase tanzt, Haase fängt mit dem Liebeslied zum Schluss an und steigert sich von dort aus zu seinem bisher rundesten, buntesten Werk.

Dabei ist der Titel „Träum doch mal von Blumen“ nicht ganz neu, sondern ganz schön alt. Haase schrieb ihn als Teenager für seine erste Freundin. „Auf der Suche nach Orientierung und in der speziellen Situation, in der sich alle Kids befanden, die in den 90ern im Osten Deutschlands aufwuchsen, nämlich dass sich auch deren Eltern noch auf der Suche nach Orientierung befanden, neigte meine Freundin dazu, alles schwarz zu malen.“

Also sang er der Freundin damals diesen Muntermacher-Song, der dem neuen Album nun den Titel gibt. Passend zu Liedern, die Haase mal mit sich selbst im Duett und mal im Duett mit Schlagerlegende Chris Doerk anstimmt.

Ein Lied, das Haases siebtem Album den Grundton gibt. Das hier, wiederum erschienen bei Haases eigenem Plattenlabel Haase Tonträger Musikverlag, ist ein lupenreines Hippie-Album mit Dylan-Orgel und Country-Beat, mit derbem Kleinstadtblues und verhalltem Gitarrensolo.

Er glaube fest daran, „dass wir uns in einer Zeit befinden, in der man sich wieder für eine Seite entscheiden muss“, sagt Haase. „Will ich auf der Seite derer stehen, die hassen, oder derer, die lieben?“ Die Antwort des 35-Jährigen ist klar. Und wer solche Fragen stelle, könne dann auch solche Musik machen, glaubt er.

Eher akustisch ist diese Haase-Musik als volles Rockbrett, eher sanft als widerspenstig, eher voller Geschichten als voller Parolen. Haase erzählt von den feinen Latté-Damen, von Luxus-Yachten und der Vertreibung aus Schlesien, und wie nebenbei rutschen ihm hier Sätze für die Ewigkeit heraus. „Medaillen glänzen auch in Bronze“, heißt es dann, oder „Hipster-Bart/das nennt man heut/ganz uniform/individual art“.

Zum Schluss, der elf Lieder nach dem Liebeslied zum Anfang kommt, zitiert Haase dann den so früh verstorbenen anderen großen ostdeutschen Liedermacher Gundermann: „Ich lass mir nichts mehr verbieten/ich mache meinen Frieden“ . (mz)