Ein Hafen für junge Kunst

Was die Galerie Paul Scherzer gern zeigen würde aber nicht darf

In einem lichten Raum würde der Ausstellungsmacher dem halleschen Publikum gern Werke von Ulrike Zabel präsentieren - wenn er dürfte.

Ausstellungsraum der Galerie Paul Scherzer
Ausstellungsraum der Galerie Paul Scherzer (Fotos: Ulrike Zabel/Galerie Paul) Scherzer

Halle (Saale) - Reichtum kann sehr schön sein. Halle zum Beispiel ist reich an Kunst, zumal auch an bildender Kunst. Es gibt etliche Galerien, die sich der zahlreichen, vor allem der bereits etablierten Künstlerinnen und Künstler anzunehmen versuchen. Jährlich aber werden es mehr, die ihren Platz auf diesen Markt suchen. Die Kunsthochschule Burg Giebichenstein sorgt beständig für Nachwuchs in der lokalen Szene, wovon auch die Stadt profitiert - ob sie es wahrnimmt oder nicht.

Viele der Absolventinnen und Absolventen bleiben, wo sie sind, Halle ist kein schlechter Ort zum Leben und Arbeiten. Sind die eigenen Ansprüche bescheiden genug, lässt sich ein Auskommen finden. Auf Luxus sind die meisten der Neuen ohnehin nicht versessen, sondern eher an prekäre Verhältnisse gewöhnt. Selbstverständlich wollen sie die Ergebnisse ihrer Arbeit und die eigenen Positionen zeigen - und ihren Lebensunterhalt nicht nur mit Nebenjobs sichern.

Entsprechende Angebote, neue Kunst mit einem Publikum zusammenzubringen, gibt es allerdings nicht eben zuhauf in Halle. Die Galerie von Paul Scherzer, selbst früher Burg-Student, will genau hier ansetzen und ehemaligen Kommilitonen ein Forum schaffen.

Der große, lichte Raum in einem ehemaligen Gewerbebau, gelegen im Dreieck zwischen Hauptbahnhof, Thüringer Bahnhof und der Klinik Bergmannstrost, ist in jeder Hinsicht gut geeignet dafür: Ein deutlich anderer Ort als herkömmliche Galerien ihn wählen, durchaus aufregend im Übergang zwischen alter Industriekultur und Investoren, die das Areal sicher schon unter die Lupe genommen haben werden.

Einstweilen ist hier ein Platz für Experimente. Allerdings beschert der wellenartige Dauer-Lockdown dem Unternehmen denkbar schlechte Startbedingungen. So ist die jüngste Ausstellung am vergangenen Freitag zwar gerade noch eröffnet worden, aber seitdem ist der Laden wegen der neuen Corona-Maßnahmen dicht.

Daabei verlangen die Arbeiten von Ulrike Zabel unmittelbaren Augenschein. Ihre nicht gegenständlichen, nur scheinbar weltfernen Farbzeichnungen geben tatsächlich ein realistisches Bild der unübersichtlichen Drinnen- und Draußenwelt und des Versuchs einer Ein-Ordnung wieder. Man kann sich versenken in diese filigrane Schönheit - wenn man es hoffentlich bald wieder kann. (mz/Andreas Montag)