Auf der Spur der Steine

Elisabeth Rüber-Schütte ist Sachsen-Anhalts neue Landeskonservatorin

Von Kai Agthe
Elisabeth Rüber-Schütte ist die neue Landeskonservatorin in Sachsen-Anhalt. (Foto: Andreas Stedtler)

Halle (Saale)

- Gerade noch in der Dorfkirche in Flemmingen bei Naumburg, steht man im nächsten Augenblick auf dem Stiftsberg von Quedlinburg und kurz darauf im Gartenreich Dessau-Wörlitz. Dazu braucht man aber nicht Mephistos Zaubermantel, mit dessen Hilfe er Faust in Goethes gleichnamiger Dichtung die Welt zeigt, sondern nur ein Gespräch mit Elisabeth Rüber-Schütte, die mit den genannten Orten durch ihre langjährige Tätigkeit als Denkmalpflegerin eng verbunden ist.

Die promovierte Kunsthistorikerin wurde vor wenigen Tagen durch Sachsen-Anhalts Staats- und Kulturminister Rainer Robra (CDU) als neue Landeskonservatorin vorgestellt. Bereits seit 2007 Stellvertreterin von Ulrike Wendland, übernahm Rüber-Schütte Mitte vergangenen Jahres das Amt von ihrer Vorgängerin geschäftsführend, da Wendland als Chefin des Deutschen Komitees für Denkmalschutz nach Berlin wechselte.

Minister lobt Rüber-Schütte als „ideale Besetzung“

„Frau Rüber-Schütte ist eine ideale Besetzung für dieses Amt. Aufgrund ihrer langjährigen fachlichen Tätigkeit verfügt sie über umfangreiche Berufserfahrungen und über exzellente Kenntnisse der überaus vielfältigen Denkmal-Landschaft Sachsen-Anhalts“, würdigte Kulturminister Robra die neue Landeskonservatorin, als Mitte April ihre Beförderung bekanntgegeben wurde.

„Ich bin in meinem Berufsleben nicht oft gelobt worden“, sagt die nunmehr höchste Denkmalpflegerin im Land bescheiden, wenn das ministerielle Lob zitiert wird. Blickt man auf ihre drei Jahrzehnte währende, geradlinige Laufbahn, entgegnet Rüber-Schütte ebenso zurückhaltend: „Es hat sich alles so gefügt.“

Nach dem Studium in Bonn, München und Wien sowie anschließender Promotion in Kunstgeschichte im Jahr 1991 arbeitete Elisabeth Rüber-Schütte zunächst im Rheinland, ehe sie 1994 an das Landesamt für Denkmalpflege Sachsen-Anhalt nach Halle wechselte. Als Gebietsreferentin war sie anfangs für die früheren Landkreise Börde- und Ohrekreis sowie Schönebeck zuständig, ab 2002 den schützenswerten Steinen in den Altkreisen Halberstadt, Quedlinburg und Wernigerode auf der Spur.

Denkmalpflegerin Rüber-Schütte startet noch einmal durch

Hat sie eine der Landschaften mehr gemocht als die andere? „Nein, ich habe alle Regionen geliebt, in denen ich tätig war. Jede von ihnen hat ihren ganz eigenen Reiz“, sagt Rüber-Schütte, die auch für die denkmalpflegerische Betreuung der Grenzanlagen an der einstigen innerdeutschen Grenze im Allgemeinen und für die heute als Museum der deutschen Teilung dienende frühere Grenzübergangsstelle Marienborn im Besonderen zuständig war. Vor zehn Jahren übernahm sie dann die Leitung der Abteilung Bau- und Kunstdenkmalpflege im halleschen Landesamt. „Und jetzt, in meinem letzten Berufsabschnitt, möchte ich noch einmal durchstarten“, so Rüber-Schütte.

Die Tätigkeit als Landeskonservatorin will es, dass die Arbeit an Projekten in den Hintergrund tritt und administrativ-organisatorische Aufgaben in den Vordergrund rücken. War sie früher zwei bis drei Tage pro Woche im Land unterwegs, kann man sie nun vor allem am Schreibtisch finden. Rüber-Schütte ist jetzt unter anderem Ansprechpartnerin der Staatskanzlei in Magdeburg für alle Fragen zu den fünf Welterbestätten in Sachsen-Anhalt.

Projekt zur Industriekultur ist in Planung

Zu den Aufgaben einer Landeskonservatorin gehören vorrangig die Erfassung von Kulturdenkmalen und deren Sicherung durch die praktische Denkmalpflege, die Veröffentlichung von neuesten Erkenntnissen zum Denkmalbestand im Land und der Erfahrungsaustausch in der denkmalpflegerischen Methodik mit anderen Landesämtern.

Ein Großprojekt, das sie auf den Weg bringen wird, gilt den Industriestätten in den Braunkohlengebieten im südlichen Sachsen-Anhalt. Im Zusammenhang mit dem geplanten Kohleausstieg soll innerhalb von zwei Jahren jene Industriekultur, die der Braunkohlenförderung sowie?-verarbeitung diente, vom Landesamt erfasst werden. Eine echte Herausforderung, da dieser Atlas schätzungsweise etwa 1.000 Objekte enthalten wird.

Von all dem erzählt Rüber-Schütter im Landesamtsgebäude in Halles Großer Märkerstraße 21, dem Schleiermacherhaus, das nach seinem berühmtesten Bewohner, dem zwischen 1804 und 1807 an der halleschen Universität lehrenden Theologen und Philosophen Friedrich Daniel Ernst Schleiermacher (1768-1834), benannt wurde. Zufall oder nicht, aber das Büro von Elisabeth Rüber-Schütte war einst das Studierzimmer des Gelehrten, was die Landeskonservatorin mit einem Lächeln zu dem Ausruf veranlasst: „Möge Schleiermachers Geist auf mich herabstrahlen!“ (mz)