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Wikinger mit Weltweisheit Die Comicfigur Hägar wird 50

Ein rundlicher Rotbart, der erst in anderen Ländern plündert und dann in seine Stammkneipe einkehrt. Hägar der Schreckliche ist der Liebling von Millionen Comiclesern. Warum ist er so erfolgreich?

Von Christof Bock, dpa Aktualisiert: 10.02.2023, 16:36
Der Wikinger Hägar feiert runden Geburtstag.
Der Wikinger Hägar feiert runden Geburtstag. -/King Features Syndicate Inc./Distr. Bulls/Egmont Comic Collection/dpa

Berlin - Ein guter Witz funktioniert auch in zwei Bildern bestens. „Was gibt's zum Abendessen?“, fragt Hägar der Schreckliche seine matronenhafte Gattin Helga auf dem ersten Bild. Zeitgleich faucht sie zurück: „Geh raus in meinen Gemüsegarten und schau, ob Du was findest, worauf Du Lust hast!“

Auf Bild zwei dann tippt er Helga zaghaft von hinten an - er hat ihr ein totes Kaninchen aus dem Gemüsegarten mitgebracht. Klar, alles etwas rau und etwas flach, wie so viele Hägar-Witze. Aber Millionen Menschen in aller Welt lachen. Viele lesen die meist sehr kurzen Geschichten in ihrer Tageszeitung.

Die Comicfigur Hägar der Schreckliche feiert nun 50. Geburtstag. Am 4. Februar 1973 tauchte der gemütliche Rotbart erstmals auf den Humorseiten amerikanischer Tageszeitungen auf.

Begeisterung für alles Skandinavische

Erfunden hat ihn der US-Cartoonist Dik Browne (1917-1989). Als „wohl erfolgreichstes Comic-Debüt der Geschichte“ erschien Hägar laut dem Verlag Ehapa Egmont bis heute in rund 60 Ländern und mehr als einem Dutzend Sprachen. Das erste deutschsprachige Album mit den Strips erschien 1975. Vermutlich traf die karge Welt des Nordmannes den Zeitgeist der Ölkrise. In Westdeutschland herrschte sowieso Euphorie für alles Skandinavische. Der erste Ikea hatte gerade 1974 eröffnet.

Auch wenn der Zeichenstil dieser Comics etwas holzschnittartig wirkt, so sollte man Brownes Künste nicht unterschätzen. Er hatte vorher als Gerichtszeichner und in der Werbung gearbeitet. Sein bekanntestes Design ist das Markenlogo der Chiquita-Banane. Browne zeichnete eine Figur, die halb Frau, halb Banane war. Heute ist es eine Dame mit Bananenhut, dennoch in den USA ein Gegenstand von Rassismus-Debatten.

Dik Browne starb 1989. Danach zeichnete sein Sohn Chris weiter. Aus gesundheitlichen Gründen gab auch er im Jahr 2018 Stift und Hörnerhelm an ein neues Team ab, das die Geschichten fortführt.

Dreh-und Angelpunkt ist der Kneipentresen

Hägar blieb sich treu. Anders als die kindlichen Helden von Comics wie „Peanuts“ oder „Calvin und Hobbes“ hat der Wikinger sein Leben nicht mehr völlig vor sich. Er versprüht auch keine echte Neugier oder große Lebensfreude. Oft hebt er melancholisch den Bierhumpen. Dafür ist er gelassen und gewitzt. Seine kurzen Dialoge mit Ehefrau Helga, mit seinem unterbelichteten Kumpel Sven Glückspilz oder seiner Tochter Honi - deren blitzende Rüstung einem Bustier ähnelt - zeugen von Lebenserfahrung und einer Mich-kann-nichts-mehr-schocken-Haltung.

Der Norweger verbringt sein Leben nicht nur damit, ständig in England und Frankreich einzufallen. Vor allem philosophiert er darüber, was die meisten Menschen bewegt, die ihn jeden Morgen in der Zeitung lesen: Bin ich glücklich? Bin ich im richtigen Beruf? Wie steht es um meine Ehe? Wann entscheiden sich meine Kinder endlich mal für etwas? Dreh- und Angelpunkt seiner Weltanschauung ist oft der Kneipentresen.

So viel unterscheidet die mittelalterliche Sippe mit Hörner-Helmen also gar nicht von unserem Umfeld. Nun, vielleicht doch. Zum Beispiel bei den Wehwehchen: Da kommt Hägar in einem Comic-Strip erfolglos von der Praxis seines Arztes zurück. „Die Schwester sagte, er wäre im Urlaub.“ Helga dazu: „Na, großartig. Was gedenkst Du zu tun, bis er wieder zurück ist?“. Hägar: „Sie schlug vor, auf dem Bauch zu schlafen.“ Tief in Hägars Rücken stecken drei Pfeile.

Zu Hägars rundem Geburtstag präsentiert die Egmont Comic Collection mit „50 Jahre Hägar“ auf mehr als 280 Seiten ein Best-Of.

„50 Jahre Hägar“, 288 Seiten, gebunden, ISBN: 978-3-7704- 0450-6, 35,00 Euro