Traum vom Eigenheim

Traum vom Eigenheim: Die Immobilienpreise in Deutschland klettern auch 2016 noch weiter

Berlin - Bis zum Jahresende sollen die Immobilienpreise noch einmal um drei bis vier Prozent steigen.

Von Thorsten Knuf 03.05.2016, 15:32
Der Wunsch der Deutschen nach einem Eigenheim ist weiterhin groß, sei es Haus oder Eigentumswohnung.
Der Wunsch der Deutschen nach einem Eigenheim ist weiterhin groß, sei es Haus oder Eigentumswohnung. dpa-tmn

In vielen Regionen Deutschlands kennen die Immobilienpreise seit Jahren nur noch eine Richtung: Es geht nach oben. Dieser Trend dürfte sich nach Einschätzung von Fachleuten auch 2016 weiter fortsetzen:

Die Nachfrage ist hoch, doch die Preise auch

Die Landesbausparkassen (LBS) gehen davon aus, dass sich Wohnimmobilien hierzulande bis zum Jahresende im Schnitt noch einmal um drei bis vier Prozent verteuern werden. Die Nachfrage nach Häusern und Wohnungen ist weiter hoch, vielerorts wird im großen Stil gebaut. Preisdämpfend wirkt sich das aber noch nicht aus.

„Die gute Nachricht ist, die Bautätigkeit reagiert und verspricht perspektivisch Entlastung. Allerdings müssen sich die Bundesbürger vorerst auf weiter steigende Preise einstellen“, sagte LBS-Verbandsdirektor Axel Guthmann in Berlin.

Die Landesbausparkassen veröffentlichten am Dienstag ihre neue Analyse „Markt für Wohnimmobilien 2016“, die umfangreiches Datenmaterial zur Entwicklung der Preise für Wohnungen, Häuser und Bauland enthält. Grundlage für die Marktprognose ist eine Umfrage unter 600 Immobilienexperten von LBS und Sparkassen in allen Teilen des Landes.

Der Großraum München ist preislicher Spitzenreiter

Spitzenreiter bei den Immobilienpreisen bleibt demnach der Großraum München: Wer in der Stadt eine gebrauchte Etagenwohnung erwerben möchte, muss häufig 5.500 Euro pro Quadratmeter Wohnfläche bezahlen, mitunter auch deutlich mehr. In Hamburg sind 3.600 Euro ein gängiger Preis, in Frankfurt am Main 3.200 Euro, in Köln und Berlin jeweils 2.600 Euro.

Die niedrigsten Preise unter den Großstädten mit mehr als 500.000 Einwohnern werden in Leipzig verlangt: Dort liegt der Quadratmeterpreis bei gebrauchten Eigentumswohnungen meistens bei 1.200 Euro.

Für die anhaltend hohe Nachfrage nach Wohnimmobilien gibt es mehrere Gründe. Deutschland wächst, dank einer starken Zuwanderung nimmt die Bevölkerung nicht mehr ab, sondern zu. Vor allem junge Leute ziehen vom Land in die Städte. Der Arbeitsmarkt hierzulande ist in einer guten Verfassung, die Reallöhne steigen. Viele Arbeitnehmer trauen sich jetzt, das Wagnis einer Eigenheim-Finanzierung einzugehen.

Niedrige Zinsen nehmen Einfluss auf die Bauwirtschaft

Von entscheidender Bedeutung sind außerdem die niedrigen Zinsen: Um die Wirtschaft in den Krisenländern der Eurozone anzukurbeln, verleiht die Europäische Zentralbank an die Geschäftsbanken Geld zum Nulltarif.

Schon für 1,5 Prozent Zinsen zu haben

Die Institute geben das Geld billig an die Verbraucher weiter: Baugeld-Kredite mit einer Laufzeit von zehn Jahren sind in Deutschland derzeit oft schon für einen Zinssatz von weniger als 1,5 Prozent zu haben. Auf der anderen Seite bekommen Sparer derzeit kaum noch Guthabenzinsen, wenn sie Geld anlegen.

Unter Fachleuten ist umstritten, ob sich an den Immobilienmärkten in Deutschland bereits Preisblasen bilden, die irgendwann laut platzen und Geschäftsbanken in Schieflage bringen könnten. Die Deutsche Bundesbank ist der Auffassung, dass der Anstieg der Preise für Wohnimmobilien teilweise schon übertrieben ist: In den Städten betrügen die Abweichungen nach oben schätzungsweise 10 bis 20 Prozent, schrieben die Notenbanker unlängst in einem Monatsbericht.

„Eigentumswohnungen in den Großstädten weisen dabei nach wie vor die stärksten Überbewertungen auf“, hieß es.  Etwa ein Fünftel des seit 2009 verzeichneten Preisanstiegs bei Wohnimmobilien in Städten könne auf das gesunkene Zinsniveau zurückgeführt werden.