Ehemaliges „KdF-Seebad“ auf Rügen

Prora bei Binz auf Rügen: Investor meldet Insolvenz an - Was wird aus ehemaligen „KdF-Seebad“?

Prora - Der Inhaber von Block 1 des riesigen Proraer Gebäudekomplexes bei Binz auf der Insel Rügen hat Insolvenz angemeldet. Der Antrag auf Eröffnung des Insolvenzverfahrens der Wohnen in Prora Vermögensverwaltungs GmbH & Co. KG wurde durch das Amtsgericht Berlin-Charlottenburg bekanntgegeben. Zunächst hatte die „Ostsee-Zeitung“ am Dienstag darüber ...

Der Inhaber von Block 1 des riesigen Proraer Gebäudekomplexes bei Binz auf der Insel Rügen hat Insolvenz angemeldet. Der Antrag auf Eröffnung des Insolvenzverfahrens der Wohnen in Prora Vermögensverwaltungs GmbH & Co. KG wurde durch das Amtsgericht Berlin-Charlottenburg bekanntgegeben. Zunächst hatte die „Ostsee-Zeitung“ am Dienstag darüber berichtet.

Geschäftsführerin Iris Hegerich war am Dienstag für die Deutsche Presse-Agentur zunächst nicht zu erreichen. Ihre Firma wollte den etwa 450 Meter langen Gebäudeteil sanieren und 280 Eigentumswohnungen bauen.

Nach dem Bericht der Zeitung sollen die Arbeiten bereits zu 90 Prozent abgeschlossen und fast alle der Wohnungen verkauft worden sein. Dennoch sei das Bankdarlehen für die Firma nicht verlängert worden. Wie es mit dem Projekt nun weiter gehen soll, blieb ebenfalls zunächst unklar.

In Prora bauten die Nationalsozialisten einen gigantischen, 4,5 Kilometer langen Häuserblock als „KdF-Seebad“. Vier der fünf Blöcke sind in den vergangenen Jahren an Investoren verkauft worden. Für den letzten Block soll im Oktober die Entscheidung fallen, wer von zwei Bietern den Zuschlag erhält.

Seebad Prora: 4,5 Kilometer lange NS-Hinterlassenschaft auf Rügen

Im 4,5 Kilometer langen Baukoloss in Prora auf Rügen sollten nach dem Willen der Nationalsozialisten 20.000 Menschen gleichzeitig Urlaub machen. Er wurde zwischen 1935 und 1939 von der NS-Freizeitorganisation «Kraft durch Freude» (KdF) geplant und teilweise gebaut.

Neben dem Reichsparteitagsgelände in Nürnberg und dem Berliner Olympiastadion ist das «Seebad der 20.000» eine der größten architektonischen NS-Hinterlassenschaften. Die Planung mit Festhalle und Schwimmbädern lag in den Händen des Kölner Architekten Clemens Klotz.

Acht Bettenhäuser mit insgesamt 10.000 Gästezimmern wurden im Rohbau errichtet. Mit Beginn des Zweiten Weltkriegs wurden die Bauarbeiten jedoch eingestellt, als KdF-Bad wurde Prora nie verwendet. Während des Krieges wurde die Anlage als Ausbildungsstätte für Luftwaffenhelferinnen genutzt, danach dienten Teile als Lazarett.

Zu DDR-Zeiten war die Anlage Militärobjekt der NVA. Seit 1996 ist in Prora eine Mischnutzung aus Wohnungen, Touristenunterkünften und Museen vorgesehen. Ein kleines Dokumentationszentrum informiert über die NS-Vergangenheit des Baus. (dpa)