L&C Stendal

L&C Stendal: Hersteller von Bauhaus-Möbeln in Bedrängnis

Stendal - Das Bauhaus hat in der Altmark eine kleine Außenstelle: Das Traditionsunternehmen L&C Stendal produziert hochpreisige Möbel im Bauhausstil. Zu den Kunden gehören unter anderem das Luxuskaufhaus KaDeWe in Berlin und das Deutsche Historische Museum. Doch ausgerechnet kurz vor dem 100-jährigen Jubiläum des Bauhauses im Jahr 2019 ist die Stendaler Firma in wirtschaftliche Schwierigkeiten ...

Von Steffen Höhne

Das Bauhaus hat in der Altmark eine kleine Außenstelle: Das Traditionsunternehmen L&C Stendal produziert hochpreisige Möbel im Bauhausstil. Zu den Kunden gehören unter anderem das Luxuskaufhaus KaDeWe in Berlin und das Deutsche Historische Museum. Doch ausgerechnet kurz vor dem 100-jährigen Jubiläum des Bauhauses im Jahr 2019 ist die Stendaler Firma in wirtschaftliche Schwierigkeiten geraten.

„Wir müssen eine Umstrukturierung vornehmen“, sagt ein Sprecher des Unternehmens der MZ. Dazu wurde am Montag eine Sanierung in Eigenverwaltung beim Amtsgericht Stendal angemeldet. Die spezielle Art der Insolvenz soll es Unternehmen ermöglichen, aus eigener Kraft wirtschaftlich zu gesunden. Als Sachwalter bestimmte das Gericht den halleschen Juristen Lucas Flöther, der 2017 als Insolvenzverwalter der Fluggesellschaft Air Berlin bundesweit bekannt wurde. Die L&C-Geschäftsführung wird im Verfahren von der Berliner Wirtschaftskanzlei Buchalik Brömmekamp beraten.

L&C Stendal mit Erfolg in der Nische

Zu den Gründen für die Schieflage hält sich die Firma bedeckt. Eine Umstrukturierung der Produktion habe nicht den gewünschten Erfolg gehabt, heißt es. Zudem gebe es einen harten Preiswettbewerb mit anderen deutschen und osteuropäischen Herstellern.

Die Stahlrohrmöbel aus Stendal, die durch Schlichtheit und Funktionalität auffallen, sind nicht billig. Einfache Stühle kosten zwischen 100 und 300 Euro. Möbelkenner sind dennoch bereit das zu zahlen, weil sie nicht nur einen Stuhl, sondern auch eine Marke mit gutem Ruf und langer Firmenhistorie erwerben.

1871 gründen Louis Arnold und sein Sohn Carl die Eisenmöbelfabrik L.&C. Arnold, die 1889 ein Werk in Stendal errichtet. Bis 1926 entwickeln sich die Arnold Werke zum führenden Stahlrohrmöbelhersteller Europas. Aufgrund der Nähe zum Bauhaus Dessau entstanden zwischen 1925 und 1935 auch viele Möbel im Bauhausstil. 1936 wurde auch das Mobiliar für das später abgestürzte Luftschiff „Hindenburg“ geliefert. In der DDR produzierte der VEB Stima am Standort Möbel. Die damals 850 Mitarbeiter stellten unter anderem den Kantinen-Stuhl „3101“ her.

Der Verkaufsschlager wurde millionenfach gefertigt. Produziert wurde auch für Westdeutschland. Nach der Wende brach die Nachfrage nach Stahlrohrmöbel n allerdings zusammen. Mit Aufträgen für Krankenhäuser hielt sich das Unternehmen über Wasser.

Flöther begleitet Umbau bei L&C Stendal

Die Firma, die heute 29 Mitarbeiter beschäftigt, besann sich auf ihre Tradition und besetzte mit hochwertigen Stahlrohrmöbeln eine Nische. Nach früheren Angaben machen Bauhausmöbel heute etwa 15 Prozent der Produktion aus. Das Unternehmen arbeitet nun an einer Umstrukturierung und setzt auf die Hilfe Flöthers. Seine Kanzlei hat in den vergangenen Jahren mehrfach die Sanierung mittelständischer Unternehmen erfolgreich begleitet. Auf MZ-Anfrage sagte er: „Es gab am Dienstag ein Betriebsversammlung, die Mitarbeiter wollen an Bord bleiben.“

„Wir haben einen guten Auftragseingang“, sagte ein Firmensprecher. Im Fokus des Zukunftskonzeptes stehen der Ausbau der Marketingaktivitäten und mehr Vertrieb im Ausland. Das Bauhaus-Jubiläum soll dem Unternehmen zudem einen weiteren Schub geben, damit es 2019 wieder auf festen Beinen steht. (mz)