1. MZ.de
  2. >
  3. Deutschland & Welt
  4. >
  5. Wirtschaft
  6. >
  7. Fusion: Fusion: Aus Herlitz wird Pelikan

Fusion Fusion: Aus Herlitz wird Pelikan

Von Sebastian Wolff 18.12.2014, 17:57
Buntstifte, wohin das Auge blickt: Kernkompetenz von Pelikan und Herlitz.
Buntstifte, wohin das Auge blickt: Kernkompetenz von Pelikan und Herlitz. Getty Images Lizenz

Berlin/Hannover - Es ist das symbolische Ende eines über 100 Jahre alten Berliner Traditionsunternehmens: Wenn die Aktionäre auf der außerordentlichen Hauptversammlung an diesem Freitag zustimmen, dann ist Herlitz quasi Geschichte. Denn der im gesamten deutschsprachigen Raum bekannte Papier-, Büro- und Schreibwarenproduzent bekommt einen neuen Namen – den des ebenso bekannten ehemaligen Konkurrenten Pelikan aus Hannover, mit dem die Berliner seit Juli dieses Jahres verschmolzen sind. Aus der Herlitz AG wird die Pelikan AG.

Die Symbolik ist das eine, die Fakten sind das andere. Tatsächlich wird Herlitz auch nach der Umbenennung in Pelikan nicht nur weiterleben, Herlitz soll sogar gestärkt daraus hervorgehen. Zwar verlieren die Berliner ihren traditionellen Firmennamen, doch die Produktmarke Herlitz bleibt bestehen. Zudem gehen wesentliche und profitable Beteiligungen von der bisherigen Pelikan im Rahmen der Transaktion an Herlitz über. Auch will Pelikan einen Teil seiner Aktivitäten von Hannover zur Herlitz-Niederlassung Falkensee vor den Toren Berlins, verlagern.

Für den Berliner Anlegerschützer Michael Kunert von der Schutzgemeinschaft der Kapitalanleger (SdK) ist das eine hoffnungsvolle Entwicklung: „Dadurch entsteht eine neue große, gestärkte Berliner Börsengesellschaft unter dem Namen Pelikan“, sagt Kunert.

Niedergang seit den 90ern

Steht Herlitz also unter dem Namen Pelikan vor einer neuen, goldenen Zukunft? Nach fast zwei Jahrzehnten des Niedergangs hätten das viele nicht mehr für möglich gehalten. Einst war Herlitz einer der größten Konzerne weltweit in seiner Branche. Die 1904 von Carl Herlitz in Schöneberg gegründete Papier- und Schreibwaren-Großhandlung brachte es trotz zwei Weltkriegen und Berlin-Blockade in ihren besten Zeiten Mitte der 90er-Jahre auf fast eine Milliarde Euro Jahresumsatz und 5000 Mitarbeiter.

Herlitz betrieb auch die Expansion in Ausland und unterhielt mehrere Vertriebsgesellschaften in Europa und den USA. Im Versandzentrum in Spandau entstand das größte Hochregallager der Welt mit über 70.000 Palettenplätzen. Der Erfolg machte sich auch am Kapitalmarkt bemerkbar: Das Unternehmen brachte es bis in den MDax, also in die zweite Börsenliga, gleich hinter dem Dax.

In den 80er-Jahren eröffnete Herlitz eine eigene Ladenkette in mehreren Städten: die McPaper-Geschäfte. Ein riskantes Unterfangen. Viele Schreibwarenhändler nahmen es Herlitz nämlich übel, dass ihr Lieferant nun auch als Konkurrent in Erscheinung trat. Nicht zuletzt schadete sich Herlitz damit auch selbst. Denn die McPaper-Läden nahmen den kleinen Händlernnatürlich auch Umsatz mit Herlitz-Produkten weg.

In der zweiten Hälfte der 90er-Jahre begann der Niedergang. Grund waren falsche unternehmerische Entscheidungen und persönliche Konflikte im Management. So wurde 1994 ein neues Produktions- und Versandzentrum in Falkensee vor den Toren Berlins in Betrieb genommen, das sich schon bald als völlig überdimensioniert erwies. Auch versuchte sich das Unternehmen aus nicht nachvollziehbaren Gründen im Immobiliengeschäft – und scheiterte damit grandios. Schließlich misslang der Versuch, durch eine aggressive Expansionspolitik im Ausland das Ruder wieder herumzureißen. Herlitz steigerte nur seine Verluste.

Riskante Kapitalerhöhung

2001 wurde die Mehrheit an Herlitz an ein Bankenkonsortium verkauft. Doch auch das half nichts: Ein Jahr später folgte die Insolvenz. Unrentable Auslandsgesellschaften und Fabriken wurden geschlossen, die Zahl der Beschäftigten sank auf unter 3000. Kurzzeitig brachte das Erfolg, doch einige Jahre später setzte sich der Abwärtstrend fort. Ein Unternehmensteil nach dem anderen wurde verkauft. 2009 folgte der Einstieg von Pelikan International mit Sitz in Malaysia. Heute beschäftigt Herlitz noch gut 1 100 Mitarbeiter, davon rund 340 in Falkensee und 64 in Berlin.

Durch die Symbiose mit Pelikan soll nun der Vertrieb unter den Marken Pelikan, Herlitz, Susy Card und Geha gestärkt werden. „Mit Umsetzung der geplanten Transaktion werden auch die Regionen Berlin und Brandenburg gestärkt“, frohlockt Pressesprecherin Mira Willert. Finanziert werden soll die neue Offensive durch eine millionenschwere Kapitalerhöhung. Die allerdings steht auf wackligen Füßen. Denn die neuen Aktien werden zum gesetzlichen Mindestbezugspreis von einem Euro angeboten. An der Börse kostet das Papier aber derzeit weniger als 80 Cent.

Scheitert die Transaktion, wäre nicht nur der neue Aufschwung von Herlitz/Pelikan in Gefahr, befürchtet Anlegerschützer Kunert. Es könnte auch passieren, dass der Haupteigentümer aus Malaysia die Kleinaktionäre enteignet und die Firma von der Börse nimmt. Die verheißungsvolle Geschichte der Berliner Pelikan-Aktie wäre damit beendet, ehe sie richtig begonnen hat.