„Besserwisser“

Fliesenleger gegen Audi-Ingenieure und Siemens-Ingenieure aus Bayern

Riedenburg - Michael Schmiedl aus dem bayrischen Städtchen Riedenburg nahe Ingolstadt ist momentan der wohl berühmteste Fliesenleger in Deutschland. Zu verdanken hat das der Handwerker einem besonderen Entschluss: Er arbeitet nicht für Ingenieure, Doktoranden und Professoren der Firmen Audi und Siemens. Er begründet dies mit „Besserwisserei“ und fehlender ...

14.01.2019, 15:16
Ein bayrischer Fliesenleger arbeitet nicht mehr für Ingenieure von Siemens und Audi. Die seien Besserwisser ohne Ahnung vom Handwerk und würden auch noch schlecht zahlen.
Ein bayrischer Fliesenleger arbeitet nicht mehr für Ingenieure von Siemens und Audi. Die seien Besserwisser ohne Ahnung vom Handwerk und würden auch noch schlecht zahlen. dpa-tmn

Michael Schmiedl aus dem bayrischen Städtchen Riedenburg nahe Ingolstadt ist momentan der wohl berühmteste Fliesenleger in Deutschland. Zu verdanken hat das der Handwerker einem besonderen Entschluss: Er arbeitet nicht für Ingenieure, Doktoranden und Professoren der Firmen Audi und Siemens. Er begründet dies mit „Besserwisserei“ und fehlender Zahlungsmoral.

Die Ingenieure seien realitätsfremd, erklärt Schmiedl gegenüber Spiegel Online. Sie würden Arbeiten verlangen, die technisch nicht zugelassen seien. Und entspreche dann nicht alles exakt ihren Vorstellungen, würden sie entsprechend weniger zahlen. Manche würden sogar Gutachten erstellen lassen, um den Preis zu drücken oder mit dem Anwalt drohen. Es handele sich dabei um reine Theoretiker, die von der praktischen Arbeit im Handwerk keine Ahnung hätten. Bei 98 Prozent aller Aufträge dieser Berufsgruppe gebe es Probleme.

Keine Arbeit für Ingenieure - Ausschluss schon seit 2016

Die Ausschlussliste, die es schon seit 2016 gibt, sei für ihn bisher ein Erfolgsmodell. „Seit diese ausnahmslos angewandt wird, ist die Anzahl von Zahlungsausfällen drastisch gesunken“, berichtet Schmiedl. Weiter hätte er inzwischen Tausende Rückmeldungen bekommen, auch von Audi-Mitarbeitern, die seinen Entschluss loben. Einen Teil davon hat Schmiedl selbst online gestellt.

Ihm gehe es nicht um Bloßstellung, schreibt Schmiedl. Dass er den Ausschluss öffentlich macht, soll beide Seiten schützen. „Ich möchte die Betroffene Personengruppe vor Enttäuschung und Bauverzögerung schützen indem ich gleich von vornherein klarstelle wie der Hase läuft.“

Verständnis für Handwerker - Fliesenleger lobt Polizisten

Während Ingenieure von Schmiedl kein Bad mehr gekachelt bekommen, hat der Handwerker für Polizisten nur lobende Worte übrig. „Diese Menschen sehen tagtäglich alle Facetten des Lebens hautnah und wissen was echte Probleme sind. Einen Polizisten interessiert es nicht ob sein neues Bad zwei Tage später fertig wird, oder ob das fertige Bad zwei Zentimeter kleiner ist als geplant, oder die bestellte Badewanne nur 198 Liter Wasser fasst - und nicht 200 - wie vom Hersteller angegeben. Denn was sind schon zwei Tage Verzögerung? Was sind schon zwei Zentimeter? Oder was sind schon zwei Liter Fassungsvermögen einer Badewanne? Andere Leute haben gar kein Bad“, sagt er.

(mz)