Luxus aus Sangerhausen

Fahrrad-Hersteller Sachsenring erhält Großauftrag für E-Bikes aus der Schweiz

Sangerhausen - Der Fahrrad-Hersteller Sachsenring Bike kommt wieder auf Touren: Das Unternehmen aus Sangerhausen gab am Freitag bekannt, einen Großauftrag aus der Schweiz erhalten zu haben. Der E-Bike-Hersteller My-Stromer lässt künftig die Modelle ST3 und ST5 in Sangerhausen fertigen, die in Europa und den USA verkauft werden sollen. Dabei handelt es sich um Premium-Produkte: ST5 wird für 9500 Euro ...

Von Steffen Höhne und Frank Schedwill
My-Stromer baut sportliche E-Bikes, die eine Geschwindigkeit von bis zu 45 Kilometern pro Stunde erreichen.

Der Fahrrad-Hersteller Sachsenring Bike kommt wieder auf Touren: Das Unternehmen aus Sangerhausen gab am Freitag bekannt, einen Großauftrag aus der Schweiz erhalten zu haben. Der E-Bike-Hersteller My-Stromer lässt künftig die Modelle ST3 und ST5 in Sangerhausen fertigen, die in Europa und den USA verkauft werden sollen. Dabei handelt es sich um Premium-Produkte: ST5 wird für 9500 Euro verkauft.

„Wir sind sehr stolz, dass My-Stromer unsere Qualität, Zuverlässigkeit und unser Leistungspaket zu schätzen weiß“, erklärte Sachsenring-Chef Stefan Zubcic in einer Mitteilung. Die Partnerschaft wurde zunächst für drei Jahre vereinbart. Im ersten Jahr liegt das Auftragsvolumen laut Werkleiter Matthias Herold bei 20 Millionen Euro.

Sachsenwerk in Sangerhausen punktet mit Expertise im Luxussegment

Was spricht für die Sangerhäuser? Sie bieten mit Grace und Steppenwolf selbst zwei Fahrrad-Marken im Premium-Segment an. Das heißt, es gibt umfangreiche Erfahrungen in der Fertigung solcher Produkte. „Die Schweizer haben bei uns Tests gemacht und waren offensichtlich zufrieden“, so Herold.

Zuvor hatte Zubcic bereits einen Vertrag mit dem italienischen Designstudio Pininfarina abgeschlossen, das nicht nur zahlreiche Autos der Marken Ferrari, Jaguar und Maserati entworfen hat, sondern auch Fahrräder. Sachsenring verfüge über eine eigene Entwicklungsabteilung und könne Kunden damit auch schnelle Lösungen anbieten, wenn es in der Produktion Schwierigkeiten gebe, sagte Zubcic zuletzt der MZ.

Nach der Insolvenz des Fahrrad-Herstellers Mifa Anfang 2017 startete das Unternehmen im August vergangenen Jahres unter dem Namen Sachsenring Bike Manufaktur mit damals 135 Mitarbeitern neu. Das war ein gehöriges Wagnis, da keine Aufträge mehr vorlagen. Doch es hat sich offenbar gelohnt.

Sachsenring in Sangerhausen sucht Mitarbeiter

Sollten nach ersten Planungen in diesem Jahr 150.000 bis 180.000 Fahrräder gebaut werden, sprach Zubcic zuletzt von 200.000. Durch den Schweizer Auftrag dürften die Produktionszahlen weiter steigen. „Wir haben in den vergangenen Monaten daher 35 neue Kollegen eingestellt“, sagt Werkleiter Herold. Und auch weiter werde weiter Personal gesucht.

Rückenwind erhält der Fahrrad-Hersteller von zwei Marktentwicklungen: Zum einen ist die Nachfrage nach E-Bikes ungebrochen hoch. Der europäische Markt wächst in diesem Jahr mit schätzungsweise 15 bis 20 Prozent. Vor allem die sportlichen und teuren E-Mountainbikes finden reißend Absatz.

Alle europäischen Produzenten profitieren zudem von Anti-Dumping-Zöllen, die die Europäische Union im Juli gegen chinesische Hersteller verhängt hat. Diese müssen nun Strafzölle zwischen 21 und 77 Prozent zahlen. Laut EU sollen die chinesischen Firmen E-Bikes unter den Herstellungskosten verkauft haben, um Marktanteile zu gewinnen.

Bei Sachsenring sollen nun namhafte Hersteller aus dem Reich der Mitte angefragt haben, ob die Sangerhäuser Räder für sie bauen können. Die Fahrradwerke fertigten in der Vergangenheit vor allem preisgünstige Räder für Discounter wie Aldi und Real, verdienten damit aber nur wenig Geld. Das war ein Grund für die finanzielle Schieflage der Mifa.

Fahrräder Made in Germany sind  gefragt

Laut Herold wird das Segment weiter bedient: „Doch es muss beiden Seiten Spaß machen.“ Das heißt, die Produktion auch einfacher Räder muss sich rentieren. Gewinn, nicht Umsatz steht im Vordergrund. Den Fokus setzt Unternehmenschef Zubcic auf E-Bikes. Das Werk, das einst mehr als 600 000 Fahrräder im Jahr produzierte, hat noch ausreichend freie Kapazitäten. Nach Worten von Herold sind Räder „made in Germany“ gefragt. „Darauf bauen wir.“

(mz)