Keine Zigaretten mehr aus Dresden

f6 kommt nun aus Polen: Ost-Zigaretten gibts nun nur noch aus dem Ausland

Dresden - Eine Tradition geht zu Ende: Der US-Tabakkonzern Philip Morris verlegt die Produktion von f6-Zigaretten von Dresden nach Polen und Tschechien. „Bereits seit Anfang Juni werden die Zigaretten dort in zwei Werken hergestellt“, sagte ein Firmensprecher, zuerst berichtete die Bild-Zeitung ...

Von Christiane Raatz und Steffen Höhne 30.07.2019, 14:24

Eine Tradition geht zu Ende: Der US-Tabakkonzern Philip Morris verlegt die Produktion von f6-Zigaretten von Dresden nach Polen und Tschechien. „Bereits seit Anfang Juni werden die Zigaretten dort in zwei Werken hergestellt“, sagte ein Firmensprecher, zuerst berichtete die Bild-Zeitung darüber.

Grund für die Verlegung ist nach Angaben des Sprechers eine neue EU-Richtlinie, wonach künftig alle Verpackungen einen fälschungssicheren Trackingcode enthalten müssen. In Dresden gebe es allerdings keine Maschinen, die den Code aufdrucken könnten, hieß es. Der Konzern ist offenbar nicht mehr bereit, eine solche Maschine für Dresden anzuschaffen.

Zigaretten aus der DDR: Viele Marken eingestellt

Nach Angaben des Tabak-Konzerns hat die Herstellung der f6 am Standort nur noch fünf Prozent der Produktion ausgemacht. Die sieben betroffenen Mitarbeiter sollen auf andere Bereiche aufgeteilt werden. Der Standort wurde in den vergangenen Jahren zu einer Produktionsstätte für Tabak zum Stopfen und Selberdrehen umgebaut. In diesem Bereich zählt das Werk mit rund 300 Mitarbeitern zu den wichtigsten Produktionsstätten für Philip Morris in Europa. Zahlreiche ausländische Märkte werden von Dresden aus beliefert.

Seit Jahren gibt es in der deutschen Tabakbranche einen Schrumpfungs- und Konzentrationsprozess, denn der Konsum sinkt. Laut Suchtbericht der Bundesregierung 2018 ist der Anteil rauchender Jugendlicher in den vergangenen zehn bis 15 Jahren um zwei Drittel zurückgegangen. Bei Erwachsenen sank der Raucher-Anteil seit 2003 von 39 Prozent auf 27 Prozent bei Männern, von 29 Prozent auf 21 Prozent bei Frauen.

Das wirkt sich auf den Absatz aus. Im Vorjahr wurden in Deutschland etwa 74 Milliarden versteuerte Zigaretten verkauft. Im Jahr 2000 waren es fast doppelt so viele. Die Zahl der illegal gehandelten Zigaretten dürfte jedoch auch in die Milliarden gehen. Ein Vorteil für den Standort Dresden: Die Menge des versteuerten Feinschnitts zum Selberdrehen stieg in Deutschland zuletzt leicht.

Die Marke f6 war bereits zu DDR-Zeiten bekannt, 1990 übernahm Philip Morris die 1900 gegründete Zigarettenfabrik Dresden. Andere DDR-Marken wie Duett, Semper oder Juwel sind bereits vom Markt verschwunden. Die Marke Cabinet wurde nach der Wende vom Tabakkonzern Reemtsma übernommen. Die Produktion fand bis Ende der 90er Jahre in Nordhausen (Thüringen) statt, dann wurde der Standort geschlossen und die Produktion im Stammwerk Langenhagen (Niedersachsen) fortgesetzt. Die Marke Club wird heute von Japan Tobacco International Germany im Produktionswerk Trier (Rheinland-Pfalz) hergestellt.

ZIgarettenproduktion in Deutschland: Baustopp für neues Werk

Um den Rückläufigen Konsum zu begegnen, setzt die Tabakindustrie auf verschiedene Arten von E-Zigaretten. Deren Konsum soll weniger gesundheitsschädlich sein. Im Juni 2017 hatte Philip Morris angekündigt, 320 Millionen US-Dollar in eine neue Fabrik in Dresden investieren zu wollen. Ursprünglich sollten in diesem Jahr rund 500 Beschäftigte Tabaksticks für das elektrische Tabak-Erhitzersystem IQOS produzieren. Im vergangenen Sommer wurden die Bauarbeiten allerdings gestoppt.

„Sie pausieren derzeit“, so ein Sprecher. Die Pläne für das neue Werk bestehen zwar weiterhin, die Zukunft ist allerdings offen. „Das hängt davon ab, wie sich der Markt weiterentwickelt.“ Dieser wächst offenbar weniger stark als von Philip Morris erhofft. (mz)