Sachsen

Sachsen: Riesa suspendiert Stadtkämmerer nach Finanzwetten

Riesa/dpa. - Das Debakel um hochriskante Finanzwetten der sächsischen Kleinstadt Riesa hat den Stadtkämmerer Markus Mütsch jetzt den Job gekostet. Oberbürgermeisterin Gerti Töpfer (CDU) entzog ihm in dieser Woche die Führung der Dienstgeschäfte, vorläufig zwar, aber mit sofortiger Wirkung. Mütsch ist verantwortlich für eine Reihe von Zinswetten, die nach übereinstimmenden Berichten der „Leipziger Volkszeitung“ und der „Dresdner Morgenpost“ derzeit mit 33,3 Millionen Euro im Minus ...

08.06.2012, 12:42

Das Debakel um hochriskante Finanzwetten der sächsischen Kleinstadt Riesa hat den Stadtkämmerer Markus Mütsch jetzt den Job gekostet. Oberbürgermeisterin Gerti Töpfer (CDU) entzog ihm in dieser Woche die Führung der Dienstgeschäfte, vorläufig zwar, aber mit sofortiger Wirkung. Mütsch ist verantwortlich für eine Reihe von Zinswetten, die nach übereinstimmenden Berichten der „Leipziger Volkszeitung“ und der „Dresdner Morgenpost“ derzeit mit 33,3 Millionen Euro im Minus stehen.

Riesa will aus diesen Geschäften vorzeitig aussteigen und verhandelt mit der Landesbank Baden-Württemberg (LBBW) über einen Vergleich. „Aus Sicht der Stadt wird es als günstiger erachtet, wenn Herr Mütsch bei diesen Verhandlungen nicht dabei ist“, sagte Stadtsprecher Uwe Päsler am Freitag. Menschlich bedauere die Oberbürgermeisterin die Suspendierung ihres Kämmerers sehr. Er habe viele Jahre eine gute Arbeit geleistet.

Riesa ist vor Jahren - wie viele anderen Kommunen in der Bundesrepublik auch - in sogenannte Swap-Geschäfte eingestiegen. Von den neun Zinssicherungsgeschäften sind laut Päsler drei kritisch. Die weltweite Finanzkrise mit historisch niedrigen Zinsen falle der Stadt Riesa „jetzt auf die Füße“, sagte Päsler.

Seit Herbst vergangenen Jahres laufen laut Päsler die Verhandlungen mit der LBBW. „Wir versuchen, da mit einem möglichst geringen Schaden rauszukommen.“ Allerdings seien die Gespräche schwierig. Müsste Riesa die 33,3 Millionen Euro - bislang ein theoretischer Buchwert - tatsächlich zahlen, wäre das „sicherlich ein riesengroßes Problem“, sagte Päsler.