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Lukas Krieger und Christoph Brzezinski: Berliner CDU kämpft mit Jugendsünden und Nazisprüchen

Berlin - Ein Hakenkreuz-Abzeichen, rechte Parolen und immer wieder schallendes Gelächter: Ein Video aus dem Jahr 2005 holt gerade drei Berliner CDU-Politiker ein. Sie äußern Reue, Bedauern und Scham.

Von Frank Herold 27.04.2016, 12:03
Danny Freimark
Danny Freimark imago stock&people

Ein Hakenkreuz-Abzeichen, rechte Parolen und immer wieder schallendes Gelächter: Ein Video aus dem Jahr 2005 holt gerade drei Berliner CDU-Politiker ein. Auf den Amateuraufnahmen von einer Reise der Schüler-Union nach Riga, die von der „Bild“-Zeitung veröffentlicht wurden, ist eine Gruppe junger Männer zu sehen, die in lustiger Runde zusammensitzt. Darunter sind auch Lukas Krieger (28), der für die Abgeordnetenhauswahl 2016 kandidiert, der Abgeordnete Danny Freymark (33), und der Landesvorsitzende der Jungen Union Christoph Brzezinski (29).

„Was da zu sehen ist, ist absolut beschämend und völlig inakzeptabel“, sagte Freymark dieser Zeitung an diesem Mittwoch. Die Runde der Jungpolitiker in Riga sei  „völlig aus dem Ruder gelaufen, damals sind schwere Fehler passiert“. Es sei für ihn schwierig, so der CDU-Politiker, jetzt erneut mit den Vorgängen konfrontiert zu werden, die er zutiefst bereue.

Gerade beginnt sein Wahlkampf für ein weiteres Mandat im Berliner Abgeordnetenhaus. Freymark tritt als Direktkandidat für die CDU in Hohenschönhausen an, im problematischen Nordosten Berlins, und er ist gleichzeitig mit Listenplatz 1 im Bezirk Lichtenberg abgesichert. In seinem Wahlkampf grenzt er sich ausdrücklich von der rechtspopulistischen AfD ab. Er habe seine Lehren gezogen, versichert Freymark. Er engagiert sich – wie auch Krieger -  mittlerweile im Förderkreis des Holocaust-Mahnmals.

„Schwerster Fehler meines Lebens“

Auch die beiden anderen Politiker bedauern ihr Verhalten von einst. Vom „schwersten Fehler meines Lebens“, spricht Wahlkreiskandidat Krieger. „Ich könnte mich jeden Tag ohrfeigen“, sagt Brzezinski, der Chef der Jungen-Union.

Das Video selbst ist so obskur wie irritierend: Zu Beginn der Aufnahmen aus dem Jahr 2005 schlägt ein Mann aus dem Off noch vor, die Kamera besser auszuschalten. Aber Freymark widerspricht: „Nein… Ich denke, das ist mitten aus dem Leben der Berliner Schüler-Union.“ Dann plötzlich wird ein Hakenkreuz-Abzeichen vor die Linse gehalten und ein amüsiertes Raunen geht durch den Raum. „Das Abzeichen von Christoph Brzezinski… für besondere Verdienste“, ist abseits der Kamera zu hören. „Die Ehrennadel der Schüler-Union. Der HJ.“ Schallendes Gelächter.

Lukas Krieger sitzt im gestreiften Hemd am Rand entspannt in einem Sessel. Auch er wird dazu aufgefordert, etwas zu sagen. Also schaut er in die Kamera und beginnt über die Geschichte Deutschlands, Ausländer und das Entstehen von Parallelgesellschaften zu schwadronieren. Immer wieder wird dazwischen gerufen, etwa: „Bei uns wird keiner abgeschoben, wir katalogisieren die.“

Krieger kann sich das Lachen nur schwer verkneifen und erzählt weiter: „Ich denke, dass wir uns darum kümmern müssen, dass wir in Deutschland auch wieder als Deutsche erkennbar sind, dass Deutschland deutsch bleibt und wir gegen den jüdischen Bolschewismus durchaus vorgehen.“

Aufnahmen tauchten 2008 auf

Drei Jahre später, im Jahr 2008, bekommt nach „Bild“-Informationen der ehemalige Justizsenator Michael Braun (CDU) die Aufnahmen zugespielt und liest dem damals 18-jährigen Krieger aus seinem Kreisverband die Leviten. Die drei Jung-Politiker ziehen sich daraufhin zunächst aus der Partei zurück und erhalten Ämterverbote. Freymark verlässt die CDU für ein halbes Jahr. Erst einige Jahre später versuchen sie das politische Comeback.

Wer seitdem an das Video herangekommen ist, ist unklar. Die Berliner Medien kannten es jedenfalls jahrelang nur aus Gerüchten. Nun hat es der Springer-Verlag zugespielt bekommen: mitten im Berliner Wahlkampf. Wahrscheinlich kein Zufall.