1. MZ.de
  2. >
  3. Deutschland & Welt
  4. >
  5. Politik
  6. >
  7. Russische Invasion: Krieg gegen die Ukraine: So ist die Lage

Russische InvasionKrieg gegen die Ukraine: So ist die Lage

Seit Wochen toben um die Stadt Bachmut im Donbass blutige Kämpfe. Die Lage für die Ukraine ist schwierig. Experten sehen Vorboten für einen baldigen neuen Vorstoß der russischen Truppen. Der Überblick.

Von dpa Aktualisiert: 08.02.2023, 05:13
Ein Mann betrachtet in Kiew die Überreste einer nach ukrainischen Angaben russischen Rakete.
Ein Mann betrachtet in Kiew die Überreste einer nach ukrainischen Angaben russischen Rakete. Daniel Cole/AP/dpa

Moskau/Kiew - Russland erhöht im umkämpften Osten der Ukraine den militärischen Druck. Nach Einschätzung von Experten könnte Moskau in den nächsten Tagen eine neue Offensive starten. Der russische Verteidigungsminister Sergej Schoigu meldete Erfolge aus der Region Bachmut. Die Ukraine gibt zu, dort in einer schwierigen Lage zu sein. Sie beteuert aber ihren Widerstand und fordert abermals mehr Waffen aus dem Westen. Für die Deutschen ist einer Umfrage zufolge der Ukraine-Krieg Sorge Nummer eins, neben der Inflation.

Russland hatte das Nachbarland am 24. Februar vergangenen Jahres angegriffen - und die Ukraine rechnet nach einem Bericht des US-Instituts für Kriegsstudien zum Jahrestag mit einer großangelegten russischen Offensive. Die in Washington ansässige Denkfabrik berief sich auch auf Verteidigungsminister Olexij Resnikow. Die russische Militärführung habe es eilig, bevor westliche Militärhilfe für die Ukraine eintreffe und bevor im Kampfgebiet die Böden tauen, hieß es.

Schoigu: „Kampfhandlungen entwickeln sich erfolgreich“

Nach Einschätzung britischer Geheimdienstler kommen die Russen bisher nicht wirklich voran. Doch in Moskau gab sich Verteidigungsminister Schoigu zufrieden mit der Lage an der Front im Osten der Ukraine. „Derzeit entwickeln sich die Kampfhandlungen in den Regionen Wuhledar und Artjomowsk (russische Bezeichnung für Bachmut) erfolgreich.“ Bachmut im Gebiet Donezk war früher eine Stadt mit 70.000 Einwohnern. Heute sind es nur noch wenige Tausend.

Die ukrainische Seite berichtet seit Tagen über die schwere Lage dort. Präsident Wolodymyr Selenskyj bekräftigte den Widerstand. „Wir stellen uns ihnen entgegen“, sagte er in einer Videoansprache. Die Besatzer versuchten, die Stadt zu umzingeln und ukrainische Verteidigungslinien zu durchbrechen. In Kiew verlängerte das Parlament das Kriegsrecht um 90 Tage. Damit gilt weiter die allgemeine Mobilmachung und eine Ausreisesperre für Männer bis 60 Jahren.

Ukraine will mehr westliche Waffen

Schoigu erneuerte die Kritik an der westlichen Militärhilfe für die Ukraine. Die Lieferung von Offensivwaffen werde die Kämpfe nur in die Länge ziehen. „Faktisch ziehen solche Schritte die Nato-Staaten in den Konflikt hinein und können zu einer unvorhersehbaren Eskalation führen.“ Mehrere Länder - auch Deutschland - haben der Ukraine die Lieferung von Kampfpanzern zugesagt.

Der ukrainische Vize-Außenminister Andrij Melnyk erneuerte im ZDF die Forderung, neben 14 Leopard-2-Panzern auch Kampfjets zu liefern. Selenskyj könnte nach Informationen aus Brüssel diese Woche persönlich zum EU-Gipfel reisen. Dies wäre - nach den USA - erst sein zweiter Besuch im Ausland seit Kriegsbeginn. Auch bei der Münchner Sicherheitskonferenz nächste Woche will Kiew um Flugzeuge und Raketen bitten, wie Außenminister Dmytro Kuleba mitteilte.

Die Bundesregierung lehnt die Lieferung von Kampfflugzeugen bislang ab. Auch in der Unionsfraktion gibt es Skepsis. CSU-Landesgruppenchef Alexander Dobrindt warnte vor Rufen nach einer „Kriegswirtschaft“. Der Begriff klinge zu sehr nach „wirtschaftlicher Mobilmachung“.

Angst vor Russland in Deutschland

Russland ist einer Allensbach-Umfrage zufolge inzwischen für acht von zehn Menschen in Deutschland der Staat, von dem die größte Gefahr ausgeht. Mehr als 80 Prozent nannten den Krieg in der Ukraine und die Preissteigerung als größte Sorgen. Etwa eine Million Menschen flohen seit Kriegsbeginn aus der Ukraine nach Deutschland. Insgesamt flohen nach neuen Zahlen des UN-Nothilfekoordinators Martin Griffiths fast acht Millionen ins Ausland. Weitere 5,3 Millionen seien Vertriebene innerhalb der Ukraine.

Etwa 17,6 Millionen Menschen oder knapp 40 Prozent der Bevölkerung bräuchten humanitäre Hilfe. Mehr als 7000 Zivilisten wurden nach offiziellen UN-Zahlen getötet. Die tatsächliche Zahl liege aber mit Sicherheit höher, erklärte Griffiths weiter. In Deutschland kamen seit Kriegsbeginn mehr als 364 Millionen Euro an Spenden für die Ukraine zusammen, wie das Aktionsbündnis Katastrophenhilfe aus vier großen Hilfsorganisationen berichtete.