Ein Jahr nach den Übergriffen

Ein Jahr nach den Übergriffen: Köln feiert unter Polizeischutz Silvester

Köln - Köln hat eine Silvesterparty unter Polizeischutz erlebt. Am Hauptbahnhof wurden erneut größere Gruppen nordafrikanischer Männer gesichtet und intensiv überprüft. Die Polizei berichtete von mehr Einsätzen in NRW, aber deutlich weniger Gewalt.

01.01.2017, 15:34
Großes Polizeiaufgebot in Köln
Großes Polizeiaufgebot in Köln EPA

Der Jahreswechsel scheint in Köln und den anderen NRW-Städten dank eines Großaufgebots der Polizei deutlich friedlicher verlaufen zu sein. Nach den massiven sexuellen Übergriffen vor einem Jahr waren allein in der Kölner Innenstadt rund 1500 Polizisten eingesetzt.

Allerdings traten erneut größere Gruppen von Nordafrikanern in Erscheinung. Am Kölner Hauptbahnhof setzten Polizisten mehrere hundert verdächtige Männer zwecks Idenitätsüberprüfung fest, vornehmlich nordafrikanischer Herkunft. Weitere 300 Personen wurden auf der anderen Rheinseite am Bahnhof Köln-Deutz aus einem Zug geholt und überprüft. Kurzfristig wurden zwei zusätzliche Hundertschaften Verstärkung angefordert.

Böllerwurf auf Polizisten

In Essen begleitete die Polizei eine Gruppe von etwa 450 nordafrikanischen Zuwanderern. Außer einem Böllerwurf auf einen Polizisten blieb es dabei aber friedlich.

Auch in Dortmund, Düsseldorf und Münster sichtete und beobachtete die Polizei Gruppen nordafrikanischer Männer. Dabei sei in mehreren hundert Fällen die Identität der Männer festgestellt worden, teilte die Landespolizei in Duisburg mit. In der Silvesternacht vor einem Jahr hatte es in Köln und anderen Städten massenhaft sexuelle Übergriffe auf Frauen gegeben. Die Verdächtigen und Verurteilten waren überwiegend Nordafrikaner.

Die Kölner Domplatte war nun mit Absperrgittern gesichert, es gab Einlasskontrollen, Straßensperren und Feuerwerk war verboten. Nach dem Anschlag auf dem Berliner Weihnachtsmarkt wurden unter anderem Betonklötze aufgestellt, um zu verhindern, dass Lastwagen in Menschenmengen fahren konnten.

Zwei Sexualstraftaten

Der Kölner Polizei wurden bis zum frühen Neujahrsmorgen lediglich zwei Sexualstraftaten bekannt. Ein Verdächtiger sei festgenommen worden, in dem anderen Fall seien die drei Täter noch flüchtig. Eine Bilanz wollte die Kölner Polizei am Nachmittag ziehen. Landesweit wurden zunächst 25 Sexualstraftaten gemeldet, davon fünf in der Landeshauptstadt Düsseldorf.

In Düsseldorf galt für die Altstadt ebenfalls ein Feuerwerkverbot. Dennoch mitgebrachte Böller und Raketen wurden in Wassertanks entsorgt.

Ministerpräsidentin Kraft ruft zu Geschlossenheit auf

Kölns Kardinal Rainer Maria Woelki äußerte sich zuversichtlich, dass von Köln in der Silvesternacht diesmal eine friedliche Botschaft ausgehen werde. Zuvor hatte er in seiner Jahresabschluss-Predigt im Dom die vergangene Silvesternacht als „Katastrophe“ bezeichnet.

Nordrhein-Westfalens Ministerpräsidentin Hannelore Kraft rief dazu auf, nach dem Terroranschlag von Berlin ein Signal der Geschlossenheit zu senden. Die Botschaft müsse lauten: „Terror und Hetze werden uns nicht besiegen“, sagte die SPD-Politikerin laut Redemanuskript in ihrer Neujahrsansprache.

Die Polizei absolvierte in der Silvesternacht in Nordrhein-Westfalen fast zehn Prozent mehr Einsätze als im Vorjahr. 3800 Mal kamen die Beamten zum Einsatz, im gleichen Zeitraum des Vorjahres wurden 3432 Einsätze gezählt worden. Diese vorläufige Bilanz gab die Landespolizei am Sonntagmorgen in Duisburg bekannt.

Landesweit 444 Verletzte

Die Polizei zählte landesweit 444 Verletzte, darunter 33 Polizisten. Knapp 300 Menschen seien in Gewahrsam genommen worden, 54 wurden festgenommen.

Die Zahl der Körperverletzungen habe sich im Vergleich zum Silvester vor einem Jahr nahezu halbiert. Sie sank von 723 auf 372. Noch weitaus deutlicher gingen Eigentumsdelikte wie Taschendiebstähle und Raubüberfälle zurück: Nach 335 entsprechenden Taten beim vergangenen Jahreswechsel waren es diesmal nur noch 64.

Leicht angestiegen sind dagegen die Sachbeschädigungen mit 395 Taten nach 376 vor einem Jahr. Die Polizei hatte nach den Vorkommnissen der vergangenen Silvesternacht mit massenhaften Übergriffen auf Frauen deutlich mehr Beamte im Einsatz.

Stromausfall in Oberhausen

Für die Oberhausener Polizei sorgte ein 20-minütiger Stromausfall in weiten Bereichen der Ruhrgebietsstadt für zusätzliche Arbeit. Die Dunkelheit des Stromausfalls hätten Unbekannte genutzt, um zahlreiche Autos zu beschädigen.

In Köln wurde ein Mann durch „Freudenschüsse“ aus einer Kleinkaliberpistole ins Bein getroffen und verletzt. Der 26-jährige mutmaßliche Pistolenschütze wurde festgenommen.

In Mülheim/Ruhr riss ein Böller einem Mann drei Finger ab, wie die Feuerwehr berichtete. In Krefeld habe ein 20-Jähriger einen Streifenwagen mit Leuchtspurmunition beschossen und beschädigt. Er flüchtete zu Fuß, wurde von den Beamten aber eingeholt und festgenommen.

Mehrere Brände

Außerdem kam es in der Silvesternacht zu einer Reihe größerer Brände. In Mönchengladbach ging eine Schreinerei in Flammen auf, in Essen brannte ein Lager mit 2500 Reifen. Beim Brand eines dreigeschossigen Hauses in der Eifel wurden in Schleiden fünf Menschen verletzt. In Minden brannte eine Autowerkstatt. Anwohner sollten die Fenster geschlossen halten.

Bei einer Silvesterfeier im sauerländischen Warstein verletzte sich ein 32-Jähriger mit einem tollkühnen Sprung aus dem Fenster schwer. Er fiel zehn Meter tief und schlug auf einem Holzstapel auf.  (dpa)