Bluttat in Altenfeld

Familiendrama in Altenfeld: Jugendamt wusste von häuslicher Gewalt

Altenfeld - In Altenfeld (Thüringen) hat ein Familienvater seine drei Söhne niedergestochen. Zwei Kinder starben. Der dritte Junge wurde schwer verletzt.

Ermittler gehen in das Haus in Altenfeld, in dem sich das Familiendrama ereignete. dpa-Zentralbild

Nach dem tödlichen Familiendrama in Altenfeld (Ilm-Kreis) liegt das erste Obduktionsergebnis vor. Demnach ist der vier Jahre alte Junge verblutet, wie Staatsanwältin Anette Schmitt-ter Hell am Freitag sagte. Ursache seien mehrere Stichverletzungen. Ärzte hatten am Donnerstag vergeblich versucht, ihn und seinen ein Jahre alten Bruder wiederzubeleben.

Noch am Freitag wollte die Staatsanwaltschaft Erfurt Haftbefehl wegen zweifachen Mordes gegen den Vater der Kinder beantragen. Er soll seine drei Söhne niedergestochen haben - vermutlich weil sich seine Frau von ihm trennen und die Kinder mitnehmen wollte. Der dritte Junge (3) hat schwerst verletzt überlebt.

Behörde: Vor Familiendrama in Altenfeld keine Anzeichen für Gewalt gegen Kinder

Unterdessen ist das Jugendamt des Ilm-Kreises für die Entscheidung, die drei Kinder in der Obhut ihres Vaters zu lassen, in die Kritik geraten. Hintergrund ist, dass der 27-Jährige, der am Donnerstag die Jungs im Alter von einem, drei und vier Jahren niedergestochen haben soll, zwei Tage zuvor seine Ehefrau krankenhausreif geschlagen hatte.

Damals habe die Polizei das Jugendamt informiert, bestätigte das Landratsamt am Freitag in Arnstadt. Es habe aber keine Anzeichen auf Gewalt des Vaters gegen seine Kinder gegeben. Die Situation habe sich beruhigt und auch auf den Wunsch der Mutter hin durften die Kinder daheim beim Vater bleiben. Die Mutter selbst wurde ins Krankenhaus gebracht.

Familie aus Altenfeld war dem Jugendamt bekannt

Die Familie war den Angaben zufolge dem Jugendamt schon seit Dezember 2016 bekannt. Damals sei es um Hilfe bei der Suche nach einer Kinderbetreuung gegangen, weil der Vater, der sich zuvor intensiv um die Kinder gekümmert habe, wieder arbeiten gehen wollte. „Bei dieser Kontaktaufnahme ging es zu keinem Zeitpunkt um häusliche Gewalt oder Kindeswohlgefährdung“, heißt es in der Mitteilung der Behörde. Auch übernahm das Amt die Weiterfinanzierung einer Familienhebamme.

„Die häusliche Situation war nach unseren Erkenntnissen geordnet, es bestanden keinerlei Auffälligkeiten.“ Erst Ende Mai habe das Jugendamt über die Hebamme von Konflikten zwischen den Eheleuten erfahren und das Gespräch gesucht. Danach habe es aber keinen Anlass für weitere Maßnahmen gegeben. (mz/dpa)