InvestitionsprogrammVDA-Chefin: Subventionen ein Problem, Europa hängt hinterher

Von dpa Aktualisiert: 09.12.2022, 21:33
Hildegard Müller, Präsidentin des Verbandes der Automobilindustrie e.V, (VDA).
Hildegard Müller, Präsidentin des Verbandes der Automobilindustrie e.V, (VDA). Carsten Koall/dpa/Archivbild

Berlin/Hannover - Die deutsche Autobranche sieht das riesige Investitionsprogramm der US-Regierung kritisch, verweist jedoch auch auf hausgemachte Probleme in Europa. Dass amerikanische Firmen etwa in der E-Mobilität von Subventionen oder Steuergutschriften für mehr inländische Wertschöpfung profitieren sollen, störe sie durchaus, sagte die Chefin des Verbands der Automobilindustrie (VDA), Hildegard Müller, am Donnerstag auf einer Veranstaltung des „Handelsblatts“. Eine Politik, die die heimischen Bedingungen stärker in den Blick nimmt, sei grundsätzlich aber ebenso in Deutschland und der EU dringend nötig. „Wie mache ich meinen Standort fit? Diese Frage ist etwas, was ich mir für Europa sehr viel mehr wünschen würde.“

Große nationale Förderprogramme unter Ausschluss internationaler Partner wie der Inflation Reduction Act entsprächen zwar „nicht unserem Verständnis von freiem Handel“, so Müller. „Das führt zu Protektionismus und am Ende zu steigenden Preisen für Verbraucher.“ Doch gerade deshalb müsse sich Europa jetzt mehr einem verschärften Standortwettbewerb stellen - „auch mit den asiatischen Ländern“.

Die Verbandschefin nannte die hohen Strompreise als Beispiel. Schon vor dem Ukraine-Krieg sei Energie in manchen europäischen Ländern sehr teuer gewesen. Ein weiterer Punkt, der sie „besonders unruhig“ mache: das Thema Innovationen und Forschung. Beim „kreativen Wettbewerb“ lägen die USA klar vorn. „In Europa und Deutschland reagieren wir eher mit mehr Regulierung und Einschränkungen. Das ist ein Grund, warum wir auch hinten liegen bei Standortentscheidungen.“ Ähnlich hatte sich jüngst VW-Markenchef Thomas Schäfer geäußert.

Planungs- und Genehmigungsverfahren seien nach wie vor zu langsam und komplex. Das deutsche Lieferkettengesetz mit schärferen Umwelt- und Menschenrechtsstandards sei ein wichtiger Schritt, doch in seinen Details für kleine Firmen schwierig zu handhaben. Was gut gemeint sei, führe zu „Überperfektionierung und Überbürokratisierung“.

Müller forderte erneut, neben batterieelektrischen Antrieben auch die Brennstoffzelle und synthetische Kraftstoffe in der Verkehrswende zu berücksichtigen - „unterlegt mit einer Rohstoffstrategie“.