BildungFast 60 Schulleiter fehlen in Sachsen-Anhalt

An Sachsen-Anhalts Schulen fallen viele Stunden aus, weil Lehrer fehlen. In den Büros der Direktorinnen und Direktoren aber bleiben auch Stühle leer. Es gibt Forderungen, die Leitungsposten attraktiver zu machen.

Von dpa Aktualisiert: 29.11.2022, 22:19
Eine Schülerin meldet sich im Unterricht.
Eine Schülerin meldet sich im Unterricht. Marijan Murat/dpa/Symbolbild

Magdeburg - In Sachsen-Anhalt gibt es deutlich zu wenig Schulleiter. In diesem Schuljahr fehlen an den insgesamt 779 Schulen 58 Direktorinnen und Direktoren, wie das Bildungsministerium in Magdeburg auf Anfrage der Nachrichtenagentur dpa mitteilte. Allein an den 441 Grundschulen fehlten 40 Schulleiter. Besonders Stellen im ländlichen Raum wie im Landkreis Harz und im Burgenlandkreis seien schwer zu besetzen. Laut Ministerium ist aber keine Schule im Land ohne Leitung. Es gebe Übergangslösungen, indem beauftragte Lehrkräfte, ein Stellvertreter oder die Schulleitung einer anderen Schule die wichtigen Aufgaben zeitweise übernähmen.

Die Chefin der Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW) in Sachsen-Anhalt, Eva Gerth, sieht das problematisch. Eine Schulleiterfunktion sei mehr als nur ein Verwaltungsjob. „Es geht ja nicht nur um organisatorische Aufgaben, die gelöst werden müssen, sondern es geht natürlich auch um pädagogische Aufgaben, die man gemeinsam bespricht.“ Gemeinsam mit den Lehrern, Eltern und Schülern, gehe es beispielsweise um Fragen der Versetzung und der Unterrichtsorganisation.

Wenn ein Schulleiter die Leitung einer weiteren Schule übernehme, dann fehle oft die Zeit und damit die Möglichkeit des „Reindenkens“ in ein anderes Umfeld, so Gerth. Schließlich sei nicht jede Schule gleich.

Die fehlende Zeit sei einer der Hauptgründe, warum sich Lehrer davor scheuten, die Funktion als Schulleiter zu übernehmen, sagte die GEW-Vorsitzende. Gerade an einer Grundschule fungiere der Schulleiter oft auch als Klassenlehrer und habe nur wenige Stunden Freistellung für die Leitung der Schule zur Verfügung. Zudem wüchsen die Aufgaben als Schulleiter und hätten besonders seit der Corona-Pandemie zugenommen. Um beispielsweise Lernrückstände der Schüler aufzuholen, müssten Schulleiter auch Nachhilfeunterricht organisieren. Außerdem erhielten Schulleiter erst nach einem halben Jahr Wartefrist nach Dienstantritt gemäß Beamtenrecht die Beförderung. Manche müssten bis zu zwei Jahre oder noch länger warten, wie Eva Gerth sagte. Dies hänge davon ab, wann das Land Beförderungsmittel abrufen könne.

Um die schwer besetzbaren Stellen zu füllen, versucht das Land Sachsen-Anhalt mit einigen Anreizen zu locken. So gebe es für Lehrkräfte bei Übernahme der Schulleiterstelle die Möglichkeit einer nachträglichen Verbeamtung und die Zahlung einer Zulage, hieß es aus dem Ministerium. Es gebe auch gezielte Personalgespräche, um Leitungspersönlichkeiten zu gewinnen. Zudem gebe es finanzielle Anreize für Schulleiter, die ihren Eintritt in den Ruhestand hinausschieben.

Die Anreize seien jedoch zu gering, findet Gerth: „Das Schulamt bietet auch nicht von vorne herein einen gewissen Anreiz an, sondern es sagt erstmal, wir versetzen dich dahin. Man muss also um diese Anreize auch noch kämpfen“, sagt sie. Auch die nachträgliche Verbeamtung werde in vielen Fällen potenzielle Schulleiter nicht ansprechen, da die Altersgrenze dafür nur bis zum 45. Lebensjahr reiche.

Die GEW fordert stattdessen eine höhere Bezahlung von Grundschulleiterinnen und -leitern und mehr Zeit für die Tätigkeit. Konkret sollten mehr Anrechnungsstunden zur Verfügung gestellt werden, die es für die Ausübung einer besonderen Tätigkeit anstelle des Unterrichts gibt. Gerth befürwortet auch den bereits vom Land zugesagten Einsatz von Schulverwaltungsassistenten, die die Schulleiter entlasten sollen. Ein weiterer Vorschlag sei außerdem das sogenannte Job-Sharing, bei dem sich beispielsweise zwei Schulleiter die Arbeit teilen.