Wasserspringen Wasserspringen: Silber-Salti der Wasserspringer Wels und Schellenberg

Athen/dpa. - Vor dem letzten Durchgang waren die WM-Dritten nur Sechste - dannüberschlugen sich nicht nur die Ereignisse: Völlig desorientiert kamWang Kenan ins Trudeln und leistete sich einen «Jahrhundert-Patzer»:Ein Schock, null Punkte, das greifbar nahe Gold glitt den Chinesenaus den Händen. «Dass der so eine Arschbombe ins Wasser haut, das hatmich doch ein wenig gewundert. Aber die Chinesen zahlen auch ihrenTribut für immer neue Höchstschwierigkeiten», meinte der 29 Jahrealte Wels.
Als dann noch der Russe Dimitri Sautin, seit Jahren Weltklasse,mit dem Fuß das Brett touchierte und das US-Duo ins Wasser plumpste,konnte der Deutsche Schwimmverband seine erste Medaille feiern.Endlich. 90 Minuten vor dem 3-m-Krimi durften sich Annett Gamm undNora Subschinski (Dresden/Berlin) über einen achtbaren sechsten Platzim Synchronspringen vom Turm freuen.
Das erste Gold für Griechenland kam nicht nur überraschend, es warauch etwas glücklich: Nikolaos Siranidis («Das tolle Publikum warunser Doping») und Thomas Bimis waren erst durch den Gastgeber-Quotenbonus ins Finale gerutscht und wurden von der Jury nach Ansichtvon Experten recht wohlwollend bedacht.
Zwei Minuten nach dem Silber-Coup, die glücklichen Gold-Griechentanzten schon Sirtaki, klingelte bei Tobias Schellenberg das Handy.«Das war der erste Anruf von zu Hause. Meine Freundin Olivia»,verriet der 25-jährige Student. Der Leipziger hat Silber gewonnen -und wird einen Weisheitszahn verlieren: «Der tut mir schon die ganzenTage weh. Heute habe ich ihn überhaupt nicht gespürt, aber der wirdauf jeden Fall hier in Athen noch rausgezogen.»
Rausgezogen wurde am Montagabend ein ganz anderer Störenfried: Ein«Flitzer» mit Miniröckchen und Clown-Schuhen war vom benachbartenBrett ins Wasser gehopst, als sich Wels/Schellenberg gerade auf ihrenvierten Sprung konzentrierten. Nach zwei Minuten wurde der kanadischeZuschauer aus dem Pool gezogen und mit sanfter Gewalt aus der Halleeskortiert. Er konnte sich nicht beruhigen, musste die Nacht bei derPolizei verbringen und wurde am Dienstag dem Staatsanwalt vorgeführt.Das deutsche Duo fiel mit dem schwächsten Sprung von Platz zwei aufRang sechs zurück, doch Bundestrainer Lutz Buschkow lobte seineSchützlinge: «Da haben sie Nervenstärke bewiesen und mit dem letztenSprung allen gezeigt: Da hängt der Hammer!»
Schellenberg, Student der Sozialpädagogik, setzt nach Olympia seinUni-Praktikum im Verein «Elternhilfe für krebskranke Kinder» fort.«Das ist eine ganz schlimme Erfahrung für mich, ich habe ganz vielüber mich gelernt.» Zum Beispiel? «Niemals aufzugeben.»