Herz ans Dorf verloren

Dessau-Roßlau würdigt 18 Jahre ehrenamtliches Engagement von Dietmar Böhme in Mühlstedt

Von Silvia Bürkmann
Oberbürgermeister Peter Kuras  (l.)  ehrt Dietmar Böhme aus Mühlstedt mit der Ehrenmedaille der Stadt.
Oberbürgermeister Peter Kuras (l.) ehrt Dietmar Böhme aus Mühlstedt mit der Ehrenmedaille der Stadt. (Foto: Oliver Müller-Lorey)

Dessau/Mühlstedt - Es ist ein Leben vom Kind bis zur Volljährigkeit - 18 Jahre. Unterm Strich so lange war Dietmar Böhme Bürgermeister in Mühlstedt: Zuerst von 2001 bis ’03 in der eigenständigen Gemeinde der Verwaltungsgemeinschaft Rosseltal, dann nach Eingemeindung im Roßlauer Ortsteil und ab 2007 nach Städtefusion Dessau-Roßlau in der Ortschaft am Rosselufer.

Für sein langjähriges Ehrenamt in Gesellschaft und Nachbarschaft ist der 62-Jährige am Mittwoch vor dem Stadtrat mit der Ehrenmedaille der Stadt Dessau-Roßlau gewürdigt worden. „Herr Böhme war stets Ansprechpartner für alle Bürger. Als letzter Bürgermeister der eigenständigen Gemeinde Mühlstedt war er bei der Eingemeindung von Mühlstedt nach Roßlau ein verlässlicher Partner“, sagte Oberbürgermeister Peter Kuras.

Den Schlüssel zur „Bürgermeisterei“ hat Böhme nach der Kommunalwahl 2019 in die Hände von Jan Düben gelegt

Den (symbolisch-gedanklichen) Schlüssel zur „Bürgermeisterei“ hat Böhme nach der Kommunalwahl 2019 in die Hände von Jan Düben gelegt. Im Ortschaftsrat jedoch steht der „alte Haudegen“ dem Jüngeren als Stellvertreter weiter zur Seite. „Jan war ja hier aufgewachsen und vor zehn Jahren wieder zurückgekehrt, um sich und seiner Familie im Heimatdorf ein Haus zu bauen.“ Auch „der Neue“ also hängt im Herzen an Mühlstedt.

Wie Dietmar Böhme, der 1958 in Roßlau geboren wurde und bis zur 10. Klasse in Meinsdorf zur Schule ging. Auch die Lehre zum Baufacharbeiter im Bau- und Montagekombinat (BMK) Chemie in Bitterfeld konnte ihn nicht lange abwerben von Dorf, Wald und Landschaft. Sein Arbeitsleben fand dann über viele Jahr in der Forstwirtschaft statt. Nach der Wende arbeitete Böhme dann 15 Jahre lang beim Tief- und Wasserbau im benachbarten Thießen. Aktuell ist er tätig im Lager bei Wagner Tuning in Rodleben/Tornau.

Aktuell erwacht auch Mühlstedt ganz langsam aus dem Corona-Koma. Die Mitglieder des Sportvereins treffen sich gerade wieder zum gemeinsamen Training im Rosselstadion, ganz vorsichtig in kleinen Gruppen. Die ehrenamtliche Arbeit für Mühlstedt macht Dietmar Böhme bis heute gern, hat in der Vergangenheit gemeinsam mit Ortschaftsrat, Kulturgruppen und Feuerwehr viele Dorffeste auf die Beine gestellt.

Als schönste Erinnerung an 18 Jahre auf dem Bürgermeisterstuhl nennt er die Zusammenarbeit mit den Ortschaftsräten

„Das Schönste? Das Schwerste?“ Böhme, ein bedachtsam-bescheidener Mann, reibt sich grübelnd das Kinn. Als schönste Erinnerung an 18 Jahre auf dem Bürgermeisterstuhl nennt er die Zusammenarbeit mit den Ortschaftsräten. „Allein erreichst du gar nichts. Aber unsere Leute haben immer zusammengehalten.“ Schwer im Magen liegen die ewigen Querelen um ein neues Feuerwehrgerätehaus. „Jetzt soll ein neuer Versuch starten, wir drücken die Daumen.“

„Klein, aber oho“ - auf diese Redewendung kommt Dietmar Böhme, wenn er sein Dorf kurz beschreiben soll:. Ja, von 25 Stadtbezirken in Dessau-Roßlau war Mühlstedt zur Fusion im Juli 2007 mit 188 Menschen die kleinste Ortschaft. Große Ausreißer nach oben oder unten gab es nicht. Aktuell haben 193 Menschen hier ihren Hauptwohnsitz. Die „rote Laterne“ der Statistik hat derzeit Sollnitz mit 191 Einwohnern inne.

Aber ein Alleinstellungsmerkmal verteidigt Mühlstedt: Sein Neujahrsanbaden der Rossel. Einzig die dritte Corona-Welle vermochte es 2021 zu stoppen. (mz)