EM-Vorbereitung Stuttgart: Löw trotz fehlender Stammspieler gegen Spanien optimistisch

Stuttgart - Joachim Löw hatte sich den Start in die EM-Saison mit dem Nations-League-Kracher gegen Spanien ganz anders vorgestellt. Über 50.000 Fans in Stuttgart beim Giganten-Duell der früheren Weltmeister, ein richtiger „Härtetest“ für seine EURO-Wunschelf mit Kapitän Manuel Neuer und den Münchner Triple-Helden. Doch beim ersten Geisterspiel der deutschen Länderspielgeschichte am Donnerstag (20.45 Uhr/ZDF) fehlen dem Bundestrainer gleich neun Stars um Neuer und die Unterstützung der Anhänger. „Wir haben eine Situation, die es so noch nie gegeben hat“, sagte Löw - doch er ist wild entschlossen, das Beste aus dem Kaltstart zu machen.
„Wir sind sehr optimistisch und gehen die Sache voller Vorfreude an“, sagte Löw. Auch ohne unumstrittene Stammspieler wie Neuer, Joshua Kimmich und Serge Gnabry oder Leon Goretzka und die Leipziger Marcel Halstenberg und Lukas Klostermann habe seine verjüngte Auswahl genügend „Potenzial, um Paroli bieten zu können“. Zumal die Langzeitverletzten Leroy Sane und Niklas Süle zurückkehren und Löw mit Robin Gosens eine neue Alternative auf der linken Seite hat. Der Senkrechtstarter aus Bergamo wird vermutlich in der Startelf stehen.
Besonderes Spiel, besondere Umstände
Es ist ein besonderes Spiel unter besonderen Umständen. Mit fast zehn Monaten liegt die längste Länderspielpause seit 70 Jahren hinter Löw. „Das muss man sich mal vorstellen!“, sagte DFB-Präsident Fritz Keller. Der Wunsch des Deutschen Fußball-Bundes, beim Re-Start wenigstens 500 Zuschauer „aus systemrelevanten Berufsgruppen“ zuzulassen, wurde von der UEFA kühl abgelehnt. „Ein traditionsreiches Duell zweier großer Fußballnationen vor leeren Rängen - das schmerzt“, sagte Keller, der von einem „schwierigen Start“ spricht.
Löw steht beim Länderspiel-Doppelpack gegen Spanien und drei Tage später in Basel gegen die Schweiz vor einem kniffligen Personal-Puzzle. Weil neben Neuer auch dessen etatmäßiger Stellvertreter Marc-Andre ter Stegen wegen einer Knie-OP fehlt, bekommt im Tor Kevin Trapp oder Bernd Leno eine Bewährungschance. Linksfuß Gosens ergänzt die Defensive um die Rückkehrer Süle und Antonio Rüdiger, Ilkay Gündogan könnte neben Ersatzkapitän Toni Kroos den geschonten Kimmich ersetzen. In der Offensive sucht Löw weiter nach der idealen Position für Ausnahmetalent Kai Havertz, dessen Transfer zum FC Chelsea täglich erwartet wird. Weil auch Gnabry eine Pause bekommt, wäre im Dreiersturm neben Timo Werner und Sane ein Platz frei.
Bei der Besetzung seiner Startformation muss Löw angesichts des eng getakteten Kalenders mit noch acht Länderspielen bis November auch die Belastungssteuerung im Auge behalten. „Ich spüre ein sehr, sehr extremes Verantwortungsgefühl für die Spieler“, sagte er. Wie komplex die Aufgabe ist, verdeutlichte Kroos: „Einige sind schon einen Monat in der Vorbereitung, einige kommen locker flockig aus dem Urlaub, da bin ich einer von. Das ist ein bisschen zusammengewürfelt.“
Löw: „Wir haben Großes vor!“
Keller erwartet trotz der widrigen Lage einen echten „Härtetest“. Die Spanier mit Kapitän Sergio Ramos und Zauberfuß Thiago werden Löw zeigen, „wie weit diese Mannschaft mit vielen talentierten und hoffnungsvollen Spielern in ihrer Entwicklung ist“. Der Bundestrainer sieht den personellen Umbruch als vollzogen an, er verfüge schon ein Dreivierteljahr vor Turnierstart (11. Juni bis 11. Juli) über „eine junge, gut funktionierende und hochmotivierte Mannschaft“, betonte Löw: „Wir haben Großes vor!“
Nicht zwingend in der Nations League, in der die DFB-Auswahl wegen der Aufstockung der Liga A trotz des sportlichen Abstiegs erstklassig blieb. Löw nannte sie zwar einen „sehr guten Wettbewerb gegen Mannschaften auf sehr hohem Niveau, das macht diese Spiele wertvoll“. Außerdem werden wertvolle Punkte für die Setzliste bei der WM-Qualifikation vergeben. Doch Löw betonte: „Über allem steht die Europameisterschaft im nächsten Jahr.“
Die voraussichtliche Mannschaftsaufstellung:
Trapp - Rüdiger, Süle, Ginter - Kehrer, Gosens - Kroos, Gündogan - Havertz (Brandt) - Werner, Sane. - Trainer: Löw
(SID)