Olympische Winterspiele Weggeblockt: Skicrosser um Medaillenchance gebracht
Ryan Regez entschuldigt sich nach einem Regelverstoß im Olympia-Rennen bei Tim Hronek und dessen Anhang. Wie der deutsche Skicrosser darauf reagiert.

Livigno - Niedergeschlagen und mit wässrigen Augen entschuldigte sich Ryan Regez nach seiner unsportlichen Aktion gegen Tim Hronek. Der ausgefahrene Arm des Schweizers kostete den 30-jährigen Deutschen im olympischen Halbfinale die Chance auf eine Medaille im Ski Cross. „Es tut mir mega leid für ihn“, sagte Regez. „Ich bin darauf nicht stolz und wenn ich es rückgängig machen könnte, würde ich es tun.“
Die Abbitte half Hronek nicht, er verlor wegen des ausgefahrenen Arms von Regez, durch den er behindert wurde, für einen Moment Geschwindigkeit und Kontrolle. Dadurch schob sich der Japaner Satoshi Furuno als Unbeteiligter der heftig diskutierten Szene vorbei und zog ins Finale ein. „Er hat sich entschuldigt, aber ich habe ihm dann auch gesagt: Ryan, schön und gut. Aber davon kann ich mir halt gar nichts kaufen am Ende des Tages“, sagte Hronek.
Gold ging indes an den Italiener Simone Deromedis. Dahinter komplettierten sein Landsmann Federico Tomasoni sowie Alex Fiva aus der Schweiz das Podest.
„Ich war sehr aufgeladen“
Hronek nahm sich nach dem kleinen Finale, in dem er vor der spürbar enttäuschten deutschen Medaillen-Hoffnung Florian Wilmsmann als Lauf-Zweiter und somit Gesamt-Sechster abschloss, einen Moment Zeit. „Ich war schon sehr aufgeladen, das muss ich schon sagen. Aber was soll ich machen, warum soll ich da jetzt noch unnötig Energie reinstecken“, erklärte der Bayer.
Chancenlos im Kampf um die Medaillen waren die weiteren Deutschen Cornel Renn und Florian Fischer. Das Duo schied im Viertelfinale aus.
Der aktuell verletzte Skicrosser Tobias Müller polterte als ARD-Experte zu der Aktion von Regez: „Das war einfach unsportlich und kostet den Timi den Finaleinzug oder die mögliche Medaille. Was soll man da jetzt noch sagen, so etwas habe ich noch nie erlebt.“
Strafe für Konkurrenten hilft wenig
Regez wurde bestraft und als Letzter der Halbfinals gewertet. Der 33-jährige Weltmeister und Olympiasieger von 2022 zeigte sich nach der Sanktion einsichtig. „Das war sicher keine gute Werbung für den Sport, weil es einfach schmerzhaft zum Anschauen ist“, sagte er.
Nachdem Regez alle Fragen beantwortet hatte, suchte er den Weg zu den Angehörigen von Tim Hronek und entschuldigte sich auch bei ihnen. Doch auch diese Worte dürften angesichts des bitteren Ausgangs nur ein schwacher Trost sein.
Es dauerte jedoch nicht lange, ehe Hronek wieder in den Angriffsmodus wechselte. „Es geht weiter, so etwas macht mich nur stärker“, sagte er. „Ich weiß, der hat Angst vor mir. Das ist im Ski Cross das Beste, was du haben kannst, wenn du bei den anderen im Kopf drin bist und die nächsten Rennen kommen.“
Einen Tag nach dem umjubelten Olympiasieg von Daniela Maier verpasste die deutsche Delegation trotz großer Hoffnungen einen glänzenden Abschluss in Livigno. Neben zahlreicher Dämpfer gibt es aber auch Hoffnungsschimmer: Hronek und Wilmsmann gehören genauso wie Maier zur Weltspitze.
Snowboardcross-Fahrer Leon Ulbricht machte auf sich aufmerksam und auch Annika Morgan zeigte im Slopestyle-Parcours, dass in Zukunft mit ihr zu rechnen sein dürfte. Am Ende steht im Livigno Snow Park allerdings auch nur Maiers Gold-Medaille zu Buche.