Jetzt erst enthüllt Russin trug Ukraine-Schild bei Olympia-Eröffnung
Eine Russin führt die Ukraine bei der Olympia-Eröffnung ins Mailänder Stadion – und kämpft dabei mit Tränen hinter ihrer schwarzen Brille. Jetzt sorgt sie sich um ihre Bekannten in Russland.

Mailand - Ausgerechnet eine in Mailand lebende Russin hat bei der Eröffnungsfeier der Olympischen Winterspiele die ukrainische Auswahl ins San-Siro-Stadion geführt. Die Architektin Anastasia Kutscherowa trug bei der Nationenparade während der Zeremonie in der legendären Fußball-Arena das Plakat mit dem Ländernamen Ukraine, wie die Nachrichtenagentur AP berichtete. Hinter der Russin liefen die ukrainische Fahnenträgerin Jelysaweta Sydorko und einige ihrer Teamgefährten ins Stadion.
Kutscherowa trug wie die anderen Plakatträger einen langen silbernen Mantel mit Kapuze und eine große schwarze Brille, war daher praktisch nicht zu erkennen. Erst mehr als eine Woche nach dem Geschehen offenbarte sie sich. „Ich habe mich umgedreht, ich wusste nicht, was ich zu ihnen sagen soll. Ich habe dann gesagt, dass ihnen das gesamte Stadion stehende Ovationen geben wird“, sagte Kutscherowa laut AP.
Die Ukraine wehrt sich seit knapp vier Jahren gegen eine russische Invasion. Kutscherowa, die seit 14 Jahren in Mailand lebt, hatte sich als Freiwillige für die Winterspiele gemeldet. Als der Choreograf der Eröffnungsfeier fragte, ob einer der Plakatträger eine der Nationen besonders gern begleiten wolle, wählte Kutscherowa nach eigenen Angaben die Ukraine - und erhielt den Zuschlag.
Tränen hinter der schwarzen Brille
Bei der Zeremonie hätten die ukrainischen Sportlerinnen und Sportler sie sofort als Russin erkannt und mit ihr auf Russisch gesprochen. „Wenn man Seite an Seite mit diesen Menschen geht, dann erkennt man, dass sie jedes Recht haben, Hass gegenüber jedem Russen zu fühlen“, sagte Kutscherowa. Es sei ihr daher wichtig gewesen zu zeigen, dass nicht alle so denken würden.
Beim großen Applaus für die ukrainische Delegation habe sie hinter ihrer schwarzen Brille einige Tränen vergossen. Sie habe nun Bedenken, dass ihr Auftritt und ihre öffentlichen Aussagen ihren Bekannten in Russland schaden könnten. „Aber wenn ich in einem demokratischen Land lebe und alle Freiheiten genieße und dann Angst habe, dann heißt das, dass das Regime gewonnen hat“, sagte Kutscherowa.
Kutscherowa trug bei der Eröffnungsfeier auch das Plakat der dänischen Delegation. Auch diese erhielt vor dem Hintergrund des politischen Streits mit der US-Regierung um Grönland viel Beifall.