Olympische Winterspiele Nach Schummelvorwurf: Kanadas Curler kritisiert Weltverband
Schummelvorwürfe, Beleidigungen auf dem Eis und jetzt ein Regel-Chaos: Der Curling-Weltverband nimmt eine spontan eingeführte Überwachung schon wieder zurück - und sorgt so für neuen Wirbel.

Cortina d'Ampezzo - Mit seiner angeblichen Schummelei begann der Wirbel: Nach dem Ärger im olympischen Curling-Turnier hat Kanadas Spieler Marc Kennedy die jüngsten spontan angekündigten Überwachungen kritisiert. Wegen gleich in mehreren Spielen vorgeworfener irregulärer Doppelberührungen hatte der Curling-Weltverband am Samstag angekündigt, künftig zwei Offizielle abzustellen, die die Steinabgaben der Curler stärker beobachten sollen. „Es ist unglücklich, dass Athletinnen und Athleten mitten während eines olympischen Wettbewerbs ihre Abgabe ändern müssen. Dieselbe Abgabe, an der sie seit acht oder zehn Jahren arbeiten“, sagte der 44-Jährige.
Kanadas Trainer Paul Webster sah den Nachholbedarf im Regelwerk, störte sich aber ebenfalls am Zeitpunkt. Man versuche jetzt, während Olympia schnell etwas zu reparieren. „Ich halte das für den falschen Weg.“ In den ersten Partien seit der Anpassung kam es häufig zu Diskussionen und auch zu Sanktionen.
So ging der Curling-Zoff los
Was war passiert? Beim Spiel zwischen Kanada und Schweden am vergangenen Freitag war Kennedy mit dem Schweden Oskar Eriksson aneinandergeraten, weil der ihm eine irreguläre mehrfache Berührung des Steins vorgeworfen hatte. „Wer macht das? Wer? Ich hab' das kein einziges Mal gemacht. Verpiss dich“, giftete der Kanadier sichtlich verärgert zurück.
Die besagte Szene ging in sozialen Medien mit vermeintlichen Foto- und Videobeweisen viral, die die Schummelei zeigen sollten. Kanadas Curling-Chef Nolan Thiessen erklärte, auch Kennedys Ehefrau sei dort beleidigt worden. „Das ist einfach Mist. Diese Leute sind Menschen und ihre Familien sollten da rausgehalten werden.“
Curling-Weltverband mit Rolle rückwärts bei Überwachungsregel
Der Curling-Weltverband sprach nach dem Vorfall eine „mündliche Verwarnung wegen der Wortwahl“ gegen den Kanadier aus. Außerdem verwies der Verband auf sein Regelwerk - und kündigte zunächst genauere Prüfungen der Abgaben an. Schon am Sonntag schwächte der Weltverband seine neue Überwachungsregel schon wieder ab: Die beiden Schiedsrichter, die zuvor die Abgaben aktiv überwacht hatten, sollten nun nur noch auf Antrag der beteiligten Teams die Abgaben kontrollieren.
Die Regeln zur Steinabgabe sind klar formuliert, wurden in der Praxis bislang aber nur punktuell und selten konsequent überwacht.
Webster: Wir sind hier nicht in Saskatchewan, sondern bei Olympia
Die spontan eingeführte stärkere Überwachung der Abgaben kritisierte Webster scharf. „Keiner der Offiziellen hier hat das je in einem Lehrgang durchgenommen“, sagte er. „Wir sind hier nicht bei irgendeinem Curling-Turnier in Saskatchewan (kanadische Provinz) und probieren etwas aus. Wir sind bei Olympischen Spielen.“