1. MZ.de
  2. >
  3. Sport
  4. >
  5. Sportmix
  6. >
  7. American Football: Letztes Spiel? NFL-Profi Johnson hofft auf Playoff-Einsatz

American Football Letztes Spiel? NFL-Profi Johnson hofft auf Playoff-Einsatz

Die NFL-Karriere von Jakob Johnson ist unerwartet - und dauert jetzt schon länger als die vieler Kollegen. Nun hat er die Chance auf ein zweites Playoff-Spiel. Es könnte zugleich der Abschied sein.

Von Maximilian Haupt, dpa 09.01.2026, 09:42
Seit mehr als 20 Jahren ist American Football Lebensinhalt für Jakob Johnson.
Seit mehr als 20 Jahren ist American Football Lebensinhalt für Jakob Johnson. Michael Conroy/AP/dpa

Pittsburgh - Vielleicht Schnee, dazu Temperaturen um den Gefrierpunkt und ein feindseliges Stadion - für den deutschen Football-Profi Jakob Johnson könnte sein womöglich letztes NFL-Spiel gar keinen besseren Rahmen haben. „Anders würdest du es nicht wollen. Wenn du ein Wettkämpfer in der NFL bist, dann willst du montagabends in Pittsburgh in einer rauen Atmosphäre dein Playoff-Spiel machen“, sagte der 31 Jahre alte Stuttgarter der Deutschen Presse-Agentur. „Zu kalt gibt es nicht. Nur zu wenig Schichten.“

Erst Volksfest-Kellner, dann NFL-Profi

Ob Johnson in der deutschen Nacht zu Dienstag (2.00 Uhr MEZ) im Kader steht und mit den Houston Texans gegen die Pittsburgh Steelers um den Einzug in die Divisional-Round der Playoffs spielt, ist offen. Ebenso, ob eine Niederlage gleichbedeutend mit seinem Karriereende in der NFL wäre. 

Dass der Schwabe in der National Football League aber bereits alle Prognosen übertroffen hat, ist sicher. Die durchschnittliche Karriere eines NFL-Profis dauert 3,3 Spielzeiten - Johnson ist trotz aller Hürden und Hindernisse in seiner siebten Saison aktiv. Er hatte kurz nach der Fußball-WM 2006 bei den Stuttgart Scorpions American Football für sich entdeckt und sein Leben zwischenzeitlich als Kellner auf Volksfesten finanziert.

„Gute Arbeit, gewisse deutsche Tugenden, dass du ein guter Teammate bist, einen positiven Einfluss hast, egal in welchem Raum du bist, das kann dazu führen, dass du mehr Gelegenheiten bekommst“, erklärte der Vater einer kleinen Tochter. „Ich habe mir viel guten Willen erarbeitet über die Jahre, mit der Art und Weise, wie ich an die ganze Sache herangehe. Was du aus diesen Gelegenheiten dann machst, das ist dann deine Sache.“ 

Denn - so erklärt er sein langes Überleben in der NFL: „Die Leistung auf dem Platz, ist das Einzige, was zählt in der NFL.“ Für eine Karriere aber seien eben auch „Arbeitseinstellung, Zuverlässigkeit und das Vertrauen der Coaches“ wesentliche Faktoren. 

Johnson zählt zu einer aussterbenden Sorte Spieler

Johnson zählt als Fullback zu einer wenig nachgefragten Sorte Spieler in der Liga, wie einst der Libero im Fußball verschwindet die Position zunehmend aus den Systemen vieler Teams. Aufgabe ist es meist, für andere Spieler den Weg freizublocken oder bei eher kurzen Läufen den Ball auch mal selber zu tragen. 

Die New York Giants, für die er vergangene Saison spielte, verpflichteten ihn binnen sechs Wochen sage und schreibe fünfmal - weil er zwischendurch immer wieder entlassen worden war. Football ist ein hartes Geschäft, die Teams dürfen während der Saison nur 53 Spieler im Kader haben. 

Auch bei den Texans ist er nur auf den hinteren Plätzen oder im Trainings-Kader, in dieser Saison ist Johnson bereits zweimal entlassen und dann wieder eingestellt worden. Ob er am Spieltag im aktiven Kader steht, erfahren die Fans meistens erst Stunden vor Beginn einer Partie. 

Es überhaupt an diese Schwelle geschafft zu haben, ist bereits mehr, als ihm viele zugetraut haben. Aus Stuttgart ging er an eine High School in die USA und spielte am College in Tennessee, verletzte sich aber und hatte mit Football bereits abgeschlossen. 

Weil ihn die Kumpels aus Scorpions-Zeiten wieder dabei haben wollten, zog er für das Stuttgarter Team den Helm nochmal auf und schaffte es schließlich in ein Förderprogramm der NFL für internationale Spieler. Von dort ging es zu den New England Patriots mit Tom Brady als Quarterback, es folgten Stationen bei den Las Vegas Raiders, den Giants und nun den Texans. „Meine Karriere war sowieso unkonventionell“, sagte Johnson. „Da sind einfach ein paar Kurven und Schnitte dabei.“ 

Karriereende? Johnson spricht über den Zeitpunkt 

Auf der Gegenseite steht bei den Steelers Quarterback Aaron Rodgers als Altstar, der bereits seine 21. Saison in der NFL spielt. Der 42 Jahre alte Super-Bowl-Champion von 2011 kokettiert sogar damit, seine Laufbahn fortzusetzen, wenn er nach dieser Saison ohne Vertrag ist. „Das eröffnet mir viele Möglichkeiten, falls ich weiterspielen möchte“, sagte er zuletzt. 

Die Entscheidung, ob er sich ein weiteres Mal durch eine Saisonvorbereitung quält, will Johnson „mit etwas Abstand“ im Frühjahr treffen. Er weiß also selbst nicht, ob die Partie in Pittsburgh seine letzte ist - falls er in den Playoffs zum Einsatz kommt. „Das wäre natürlich nochmal ein cooler Moment. Aber ich weiß, wie es ist. Auch wenn es mit der Aktivierung nicht klappt, bin ich deswegen nicht entmutigt, sondern mache mein Ding unter der Woche und trage damit mein kleines Protzentchen dazu bei, dass die anderen Jungs im Spiel bereit sind“, sagte Johnson. „Und falls ich die Gelegenheit bekomme, zu spielen: Das wäre natürlich schon cool.“