Sechs Monate nach Genickbruch Sechs Monate nach Genickbruch: Tim Don wird in Boston zum Marathon-Helden

Bosten - Tim Don war völlig erschöpft, durchgefroren, nass bis auf die Knochen - und einfach nur selig. Don nahm seine Frau Kelly in den Arm und präsentierte stolz seine Teilnehmer-Medaille vom Boston-Marathon, Rang 543 bedeutete ihm alles. Er sei so „glücklich, die Arbeit erledigt zu haben“, schrieb der Ironman in den sozialen Netzwerken nach seinen 2:49:42 Stunden Kampf gegen Eiseskälte, stürmischen Wind und vor allem sich selbst.
Sechs Monate und fünf Tage vor dem Lauf schwebte Don zwischen Leben und Tod, im Training vor dem Ironman auf Hawaii wurde er auf dem Fahrrad von einem Transporter erfasst, er stürzte und bricht sich das Genick. „Tim hatte Glück, dass er nicht gestorben ist“, sagte sein Arzt. Doch aufgeben ist für den Triathleten keine Option. „Sport ist mein Leben“, sagte er: „Ich kenne keine andere Art zu leben.“
„Es ist wie ein mittelalterliches Folterinstrument“
Vor dem folgenschweren Unfall befand sich Don in der Form seines Lebens, im Mai 2017 verbesserte der Brite den Weltrekord über die Ironman-Distanz auf 7:40:23 Stunden. Als seine Karriere fast beendet ist, steht Don vor seinem 40. Geburtstag, er hat keine Zeit zu verlieren. Also entscheidet sich Don, der wegen eines Verstoßes gegen die Anti-Doping-Regeln bereits einmal drei Monate gesperrt war, für die qualvollste aller Methoden zur Behandlung seines Genickbruchs - den sogenannten Heiligenschein.
„Es ist wie ein mittelalterliches Folterinstrument“, sagte sein Arzt. Dons Kopf wird mit vier Titanschrauben, die direkt auf der Schädeldecke sitzen, an einem Gestell fixiert. Kleinste Bewegungen hätten dramatische Folgen, die Schmerzen sind gewaltig und halten ihn wach. Drei Wochen lang kann er nur aufrecht im Wohnzimmer sitzen, höchstens 90 Minuten am Stück schlafen. Kleinigkeiten wie Nase putzen werden für den Ironman fast zur Unmöglichkeit. „Ohne meine Frau und ohne unsere Kinder hätte ich das nicht geschafft“, sagte Don.
Noch mit dem „Halo“ am Kopf beginnt er mit Beintraining, seit dem 4. Januar ist er das Gestell los. Bei seinem Weltrekord lief Don den abschließenden Marathon in 2:45 Stunden, für Boston waren 2:50 Stunden sein Ziel. Trotz widrigster Bedingungen war er sogar schneller. „Es war recht kühl und nur ein bisschen nass mit Gegenwind, ehrlich“, schrieb Don bei Twitter, setzte dahinter einen zwinkernden Smiley und gab schon das nächste Ziel aus - den Ironman auf Hawaii im Oktober: „Ich bin so glücklich, dass der Weg nach Kona begonnen hat.“
(sid)