Vorsicht nach Corona-Erkankrung

Was ein Experte Freizeitsportlern rät

Nach überstandener Corona-Erkrankung sollte die Rückkehr zum Sport sehr vorsichtig angegangen werden. (Foto: imago/Mika Volkmann)

Frankfurt/Main - Reha-Experte und Sportwissenschaftler Ingo Froböse rat Hobby-Kickern und Freizeit-Läufern nach überstandener Corona-Erkrankung zur Vorsicht.

„Sie sollten auf jeden Fall Selbstdiagnostik betreiben, Atem- und Herzfrequenz und Regenerationsfähigkeit beobachten. Wenn jemand unsicher ist, sollte er sich in ein leistungsdiagnostisches Zentrum begeben: Zum Sportmediziner gehen und sagen: Check mich mal durch!“, sagte der Universitätsprofessor für Prävention und Rehabilitation an der Deutschen Sporthochschule Köln in einem dpa-Interview. „Gerade in den ersten vier bis sechs Wochen nach Corona sollte man unbedingt im sauerstoffreichen Bereich laufen, also erstmal wieder Grundlage aufbauen.“

Sport nach Corona-Erkrankung: Was zu beachten ist

Für Leistungssportler sieht der 64-Jährige die Verbände in der Pflicht, betroffenen Athleten zu helfen. „Wir brauchen dringend „Return to competition“-Programme. Wir brauchen unbedingt Maßnahmen, die ein ganz behutsames Vorgehen bei der Rückkehr in den Wettkampfsport betreffen“, sagte Froböse. Auf alte Trainingspläne könne man in so einem Fall nicht zurückgreifen.

Der Deutsche Olympische Sportbund (DOSB) hat bereits ein „Return to sport“-Programm aufgelegt. „Dem Sportler sollte so schnell wie möglich eine medizinische Diagnostik und Beratung angeboten werden - bereits auf Landesverbandsebene und unter Einbezug der Olympiastützpunkte“, erklärte Froböse. Man bräuchte auch zeitnah Symposien, die sich mit dem Thema Long Covid, den langfristigen Folgen einer Erkrankung, beschäftigen. „Wir brauchen einen wissenschaftlichen Austausch, am besten über die jeweiligen Sportarten. So wie die Task Force bei den Fußballern unter meinem Kollegen Tim Meyer Daten sammelt.“

Dabei sei auch das Bundesinnenministerium gefordert: „Wir brauchen Studien, die genau das begleiten: Return to sport - wie mache ich das überhaupt?“, so Froböse. Das Bundesinstitut für Sportwissenschaft in Bonn sei genau die richtige Institution dafür.

Corona-Fälle im Profifußball: Werden Symptome runtergespielt?

Zugleich hat Froböse dem Profifußball einen mitunter unehrlichen Umgang mit Corona-Fällen vorgeworfen. „Es geht ja um Marktwert, das muss man ganz klar sagen. Jeder Spieler hat einen Marktwert und der würde darunter leiden, wenn man von größeren und langwierigen Problemen spricht. Deswegen spielt man das gerne herunter“, kritisierte der Universitätsprofessor für Prävention und Rehabilitation im Sport an der Deutschen Sporthochschule Köln.

Da ist der Fußball leider kein gutes Vorbild, was Transparenz und Ehrlichkeit betrifft

Ingo Froböse

Nach Ansicht des 64-Jährigen wird die Öffentlichkeit bei Angaben über Symptome bei positiv Getesteten oft nicht richtig informiert und manchmal sogar bewusst fehl informiert. „Es kann nicht sein, dass Fußballer bei Corona symptomlos bleiben, wenn viele andere Sportler unter Symptomen leiden. Bei Einzelfällen zeigt sich, dass das nicht gestimmt hat“, sagte Froböse. „Da ist der Fußball leider kein gutes Vorbild, was Transparenz und Ehrlichkeit betrifft. Das kreide ich ihm nicht nur bei Covid-19 an, sondern auch bei Verletzungen.“

Chronische Verletzungen würden nur sehr selten öffentlich gemacht, bemängelte Froböse. „Warum nicht? Weil sie natürlich für die Spieler und damit für die Vereine eine absolute Degression, ein Verlust par excellence wären“, sagte er. In der 1. und 2. Bundesliga hat es seit dem vergangenen Jahr zahlreiche Fälle von Corona-Erkrankungen gegeben, zuletzt musste Hertha BSC deshalb in Quarantäne.

Die Deutsche Fußball Liga (DFL) hat, um das Infektionsrisiko und die Kontakte so gering als möglich zu halten, vor den nun folgenden letzten drei Spieltagen weitere Quarantäne-Maßnahmen beschlossen. Unter anderem müssen sich alle Beteiligten der 36 Proficlubs vom 12. Mai an in ein „Quarantäne-Trainingslager“ begeben. (dpa/mz)