Viel zu hohe Fehlerquote

Handball-Drittligist Anhalt Bernburg unterliegt den keineswegs überragenden Hildesheimern

Warum manch einer gerne mal Mäuschen spielen würde.

Von Detlef Liedmann 04.10.2021, 12:20
Gleich drei Hildesheimer kümmern sich in dieser Situation um Bernburgs Ante Simic.
Gleich drei Hildesheimer kümmern sich in dieser Situation um Bernburgs Ante Simic. Sven Brückner

Bernburg/MZ - „Das heutige Ergebnis spiegelt die Leistungsunterschiede wider“, sagt Martin Ostermann nach dem 26:32 des SV Anhalt Bernburg im Drittligaspiel gegen Eintracht Hildesheim. Und dann ergänzte der Handballtrainer: „Wir haben uns ein paar Fehler zu viel erlaubt.“ Wie wahr.

Zehn Fehlwürfe in der ersten Halbzeit, genauso viel in der Zweite. Dazu eine Reihe Bälle, die nicht beim Mitspieler ankamen und Lücken in der Abwehr. „Mitte zu, macht die Mitte zu.“ Es klang schon fast verzweifelt, wie Ostermann seine Schützlinge zur taktischen Ordnung rufen musste.

„Bernburg hat es uns in einigen Phasen schwer gemacht und vor allem nie aufgegeben“

Dabei präsentierte sich Hildesheim, selbst ernannter Aufstiegskandidat in die 2. Bundesliga, keineswegs als Übermannschaft. „Bernburg hat es uns in einigen Phasen schwer gemacht und vor allem nie aufgegeben“, so Gästetrainer Jürgen Bärtje, der mit Nikolaos Tzoufras einen Wühler am Kreis hat, den man in Bernburg momentan vergeblich sucht. Einen, der fast jeden Ball behauptet und ordentliche Lücken reißt. Niklas Friedrich ist derzeit der einzige echte Kreisspieler in Bernburgs Reihen und hat so nur wenig Verschnaufpausen.

Wer hätte nicht gern in der 41. Minute Mäuschen gespielt als sich Friedrich, der neue Kapitän, und Nico Richter, der alte, was zu sagen hatten? Aber auch hier galt, was Clemens Grafenhorst seinen Mitspieler von außen immer wieder zurief: „Männer, ihr seid zu leise.“ Wobei das Gespräch zwischen Friedrich und Richter freilich auch nicht für die Öffentlichkeit bestimmt war.

Zu dem Zeitpunkt lag Anhalt schon mit 16:24 im Hintertreffen. Im Handball bei noch 20 zu spielenden Minuten kein Ding, aber an diesem Samstag bereits eine Vorentscheidung vor 255 Zuschauern. Dabei hatte es gut angefangen in der Bruno-Hinz-Halle.

Dauerhafte Steigerung hat am Ende gefehlt

Balleroberung durch Ivan Kolak, langes Zuspiel auf Julian Schulze und Bernburg führte 1:0. Bis zum 6:6 hielt Anhalt gut mit (13.). Doch dann häuften sich die Fehler. Schon nach 15 Minuten nahm Ostermann die erste Auszeit, vier Minuten später die zweite. Das sagt eigentlich schon alles über diese Phase aus, in der Anhalt mit sechs Treffern (6:12) in Rückstand geraten war. Es wurde zwar temporär besser, doch es hätte einer dauerhaften Steigerung aller bedurft, um am Ende etwas reißen zu können.

Und ein Blick aufs Endergebnis verrät, dass Anhalt eben jene sechs Tore Rückstand bis zum Schluss an den Händen klebte. Zudem bekam Dominik Balin im Tor in der ersten Halbzeit nur vier Würfe zu fassen, Florian Link nach seiner Einwechslung immerhin acht. Macht zusammen zwölf gehaltene Bälle und konnte die 20 Fehlwürfe nicht aufwiegen. Zwischenzeitlich waren die Bernburger in der ersten Halbzeit noch einmal auf vier Treffer herangekommen, lagen beim Wechsel 11:16 hinten. Im zweiten Abschnitt wuchs der Rückstand teilweise auf acht Treffer an ( 18:26, 44., 20:28, 47.). Die Schlussphase gehört noch einmal den Hausherren, die zwischen der 54. und 57. Minute durch Ante Simic, Clemens Grafenhorst und Mislav Grgic von 23:31 auf 26:31 verkürzen, bevor Juan Antonio Sario Viciano das 26:32 markierte.

„Wir müssen unsere Punkte gegen andere Mannschaften holen“, sagte dann auch Ostermann und meint damit auch den Aufsteiger SV Plauen-Oberlosa, der am kommenden Samstag Gastgeber für Anhalt Bernburg ist. Aber leichte Aufgaben gibt es in dieser Saison sowieso nicht, egal wie der Gegner in der 3. Liga auch heißt.

Bernburg: Balin, Link - Simic (5), Friedrich (2), Klimaschewski, Schulze (2), Grafenhorst (4), Kolak (3), Krömke, Grgic (3), Makowiejew, Richter (7/1), Kuhl