Mit HFC-Idol Dariusz Wosz

Fußballschule des VfL Bochum macht Station in Eisleben

Die Fußballschule des ehemaligen Bundesliga- und Nationalspielers Dariusz Wosz macht im Sommer in Eisleben Station. Anmeldungen sind ab sofort möglich.

Von Ralf Kandel
Axel Dammann und Dariusz Wosz (rechts) bereiten die Fußballschule in Eisleben vor. (Foto: Ralf Kandel)

Eisleben

Insekten flattern über den Platz, über ihnen ziehen Vögel ihre Bahn. Die Ruhe auf dem Sportplatz des MSV Eisleben ist fast greifbar, unterbrochen nur von den Geräuschen, die von den fleißigen Helfern bei der derzeit trotz Corona weiterlaufenden Umgestaltung der Sportanlage laufen. Die Hoffnung, dass auf dem Areal bald wieder Betriebsamkeit herrscht, ist bei den Spielerinnen, Spielern, Trainern und den Machern im Verein natürlich riesengroß. Viel zu lange schon müssen sie darauf warten, dass der Ball wieder rollt.

MSV Eisleben freut sich auf die Fußballschule

Darauf, dass zwischen dem 16. und 20. August auf dem städtischen Sportplatz in Eisleben Bewegung ist, hofft jetzt schon Axel Dammann. Er ist sportlicher Leiter und Chef der Geschäftsstelle in Personalunion. Für die fünf Tage im August hat der MSV Großes vor. Und sich prominente Verstärkung ins Boot geholt. Im genannten Zeitraum macht die Fußballschule des VfL Bochum Station in der Lutherstadt, prominentester Gast ist dann Ex-Nationalspieler Dariusz Wosz, der auf Grund seiner Spielweise und seiner Körpergröße (1.70 Meter) oft als „Zaubermaus“ bezeichnet wurde.

„Schon im letzten Jahr war unsere Fußballschule ein voller Erfolg. Damals war Steffen Karl bei uns, die 30 Kinder hatten einen Riesenspaß. Klar, dass wir daran anknüpfen wollen. Wir möchten den Kindern gerade in der jetzigen Situation etwas bieten“, sagt dann auch Axel Dammann. 300 Mädchen und Jungen sind derzeit in den Nachwuchs-Teams des MSV Eisleben aktiv. „Aber wer an der Fußballschule teilnehmen möchte, der muss nicht unbedingt bei uns im Verein sein,“, fügt er hinzu.

Kein Verständnis für den Trainingsstopp in der Corona-Pandemie

In Dariusz Wosz haben die Macher des MSV einen perfekten Partner für ihr Projekt gefunden. Der ehemalige Nationalspieler ist, nicht zuletzt durch seine Zeit beim HFC, hierzulande ebenso bekannt, wie beliebt. Dazu kommen als dritte Säule seine herausragenden fußballerischen Fähigkeiten. Wosz freut sich schon auf die Fußballschule in der Lutherstadt. „Ich war letztes Jahr mit Steffen Karl schon mal hier. Wir wollen die hervorragende Struktur des Vereins nutzen und professionelles Training anbieten. Vor allem aber kommt es darauf an, Kinder in Zeiten der Pandemie zu bewegen. Die Folgen von dem, was jetzt passiert, erleben wir erst in fünf, sechs Jahren.“ Einmal in Schwung, legt der 51-Jährige nach: „Die Kinder dürfen in der Schule in geschlossenen Räumen sitzen, aber draußen nicht Fußball spielen. Ich behaupte ganz einfach, bei einem Training im Freien passiert gar nichts. Seit dem Jahr 2000 betreue ich Kinder, ich habe selbst zwei Jungs. Aber so etwas wie jetzt, nein, das geht nicht. Mir steht das Ganze bis zur Oberlippe. Wir können, nein, wir müssen etwas für die Kinder tun.“

Rund 180 Euro kostet ein Platz in der Fußballschule in Eisleben. Dafür bekommen die Mädchen und Jungen Trikot, Hose, Stutzen, einen Ball und eine Urkunde. Wosz sagt: „Wichtig ist der Ball, damit sie endlich wieder merken, was ein Fußball ist. Man muss die Kinder, vor allem bis zehn Jahre, mit dem Ball machen lassen, was sie wollen. So wie bei uns damals in Halle. Sie sollen Spaß am Training haben, einfach spielen, wenig laufen. Niemals den Ball totstoppen, sondern ihn streicheln“, erklärt er das Konzept seiner Fußballschule, in Eisleben, die für Mädchen und Jungen von fünf bis 15 Jahren angedacht ist. Wobei Axel Dammann hinzufügt: „Wenn sich genügend melden, können auch A-Jugendspieler mitmachen.“

Harte Worte für Traditionsvereine in der Fußball-Bundesliga

Eines ist natürlich auch klar, Dariusz Wosz wird nicht nur mit den Kindern trainieren, sondern ihnen auch viel zu erzählen haben. Einmal in Fahrt gekommen, ist er fast ebenso schwer zu stoppen, wie in seiner aktiven Zeit auf dem Platz. Das ist schon beim Gespräch mit dem MZ-Sportreporter beim Lokaltermin beim MSV Eisleben zu spüren. Wosz blüht da regelrecht auf, wenn er von seinen Erlebnissen berichtet. „Wir waren zu DDR-Zeiten sehr gut ausgebildet, nur leider total übertrainiert“, sagt er zum Beispiel.

Und spricht von seinen Erfahrungen mit Trainern. „Geyer war der Härteste. Im Trainingslager dachte ich, der bringt mich um. Aber er war eben auch erfolgreich.“ Dann fügt er hinzu: „Man muss bei der Saisonvorbereitung auch mal richtig kotzen. Da muss man an die Grenzen und darüber hinaus gehen. In England spielen 20 Mannschaften und es gibt gefühlt fünf Pokale. Da beschwert sich niemand, die spielen seit Jahren durch und beklagen sich nicht. Hier jammern alle jetzt rum.“

Natürlich hat Dariusz Wosz derzeit nicht nur die 1. Bundesliga im Blick, sondern auch seinen VfL Bochum, Tabellenführer der 2. Bundesliga. Der bevorstehenden Rückkehr in die erste Liga sehnt er entgegen. Mit zwei anderen Traditionsvereinen geht der Ex-Nationalspieler hart ins Gericht. „Ich glaube nicht, dass der HSV aufsteigt“, sagt er. Und über Schalke 04: „Es ist ein Armutszeugnis, wie der Verein so viel Geld verbrannt hat. Die Traditionsmannschaft würde besser spielen.“ Persönlich blick Dariusz Wosz gelassen in die Zukunft. „Nein, Cheftrainer möchte ich nicht mehr werden. Da habe ich keine Ambitionen. Höchstens Co-Trainer in Bochum. Mir reicht die Fußballschule.“

›› Nähere Informationen zu der im August geplanten Fußballschule von Dariusz Wosz gibt es telefonisch beim MSV Eisleben unter der Nummer: 03475/683350 (mz)