2:0-Auswärtssieg

„Weltklasse!” – Darmstadts Spieler schwärmen von RB Leipzig

Darmstadt - Nach dem 2:0-Sieg der Leipziger waren Darmstadts Spieler beeindruckt von RBL.

Von Ullrich Kroemer 30.10.2016, 09:33
Der Darmstädter Aytac Sulu (l.) im Zweikampf mit Emil Forsberg aus Leipzig.
Der Darmstädter Aytac Sulu (l.) im Zweikampf mit Emil Forsberg aus Leipzig. dpa

Die Mixed Zone, wo Journalisten direkt nach den Spielen in den Stadionkatakomben stehen und ein paar Minuten mit ausgewählten Kickern sprechen, ist im Darmstädter Stadion nicht besonders groß. Wie alles im kultig-maroden Stadion am Böllenfalltor. Während die Kicker beider Teams sonst mit einigen Metern Abstand ihre Statements abgeben, stehen die Akteure im engen Jonathan-Heimes-Stadion direkt nebeneinander.

Das hat auch Vorteile. Denn sonst hätte man unter Umständen verpasst, wie beeindruckt und respekt-, ja geradezu hochachtungsvoll sich Darmstadts Spieler nach dem 0:2 (0:0) gegen RBL über die Leipziger Kollegen äußerten. Während sich die RB-Spieler angesichts der unheimlichen Erfolgsserie von neun Spielen ohne Niederlage und nun bereits vier Siegen in Serie langsam schwer tun, immer neue Erklärungsansätze für den Triumphzug zu finden, war es durchaus erhellend, den vom RB-Spiel regelrecht euphorisierten Gegenspielern zuzuhören.

Darmstadts Spieler staunen über RB Leipzig: „hungrig, gierig, aggressiv, selbstbewusst”

Zunächst kam Abwehrspieler Florian Jungwirth, der einst bei Dynamo Dresden gespielt hatte, und bekannte: „Leipzig war klar besser als wir. Bei dem Gegenpressing, was sie spielen, ist es unglaublich schwer, nach vorn zu kommen.” Und: „Das war schon beeindruckend – das ist schon Weltklasse, was sie machen. Wir sind teilweise an unsere Grenzen gestoßen.”

Sein Sturmkollege Sven Schipplock äußerte sich ebenso verblüfft ob der Leipziger Stärke – ungewöhnlich im Bundesligageschäft: „Das war ein extrem starker Gegner. Es ist schwer, die schnellen Spieler über 90 Minuten im Griff zu haben”, sagte der Ex-Hoffenheimer und lieferte gleich noch mehrere weitere Argumente für die Gäste. „Mit dem Selbstvertrauen, das sie gerade haben, können sie sich im eins gegen eins immer wieder gut lösen. Die Leipziger sind einfach gut organisiert. Es sind immer zwei Gegner an dir dran, du hast gar keine Zeit aufzudrehen und das Spiel nach vorn zu machen, weil sie so aggressiv sind”, staunte der Angreifer. „Die Spieler sind alle hungrig und gierig, das merkt man auf dem Platz.”

Darmstadts Trainer Meier: „Gegen Leipzig kann man verlieren.”

Obwohl Darmstadt erschreckend destruktiv agierte, in der 55. Minute die erste Ballberührung im RB-Strafraum hatte und die erste Chance in der 84. Minute, lobte Darmstadts Trainer Norbert Meier sein Team. „Ich kann unserer Mannschaft heute nicht viel vorwerfen. Wir haben gerade defensiv sehr gut gestanden, ganz wenig zugelassen.” Und: „Gegen Leipzig kann man verlieren.”

Auch die Bremer Protagonisten hatten sich in der Vorwoche bereits ähnlich geäußert – wie nach einer einkalkulierten beziehungsweise nur durch höhere Mächte abzuwendenden Niederlage gegen ein Dickschiff der Liga. Es ist zweifelsfrei auch dieser Respekt, den sich der Aufsteiger bereits nach neun Spielen im Oberhaus erspielt hat, der zum Höhenflug beiträgt. Obwohl noch nicht einmal ein Drittel der Saison gespielt ist, genießen die Sachsen auf dem Rasen bereits einen Ruf– anders als auf den Rängen – als seien sie schon jahrelang angesehenes Mitglied des Fußball-Establishments.

Hasenhüttl über den RB-Flow: „Wir sind neugierig auf alles”

Neben den bekannten Erfolgsfaktoren von Automatismen im Spiel gegen den Ball über die ungeheure Qualität auf der Bank (Doppeltorschütze Sabitzer!) und die Akribie der Spielvorbereitung boten Leipzigs Erfolgsakteure auch psychologische Erklärungen für die Siegesserie. „Wenn man Tabellenzweiter ist, Woche für Woche punktet und dazu noch gut spielt, ist es leicht, die Konzentration und die Spielfreude hochzuhalten”, sagte Timo Werner. „Wir sind voll im Soll und deswegen spielen wir so locker auf.”

Und Ralph Hasenhüttl erklärt sich die Erfolgswelle, die Sportpsychologen Flow nennen, aus mentaler Sicht so: „Wir haben jede Woche neue Aufgaben, das macht die ganze Bundesliga so spannend”, sagte der Steirer. „Daher kommt vielleicht auch dieser Flow zustande, weil die Jungs neugierig sind auf alles. Wir haben noch nicht gegen jeden gespielt. Jeder Gegner ist eine neue Herausforderung für uns.” 

Schipplock über RBL: „Schön zuzuschauen, wenn die Bayern geärgert werden”

Der RB-Trainer ergänzte noch: „Diese Mentalität, dass die Mannschaft lernen möchte, müssen wir uns bewahren. Egal, wie schwer die Aufgabe ist, wollen wir unsere Topleistung abrufen und trotzdem mit beiden Beinen auf dem Boden bleiben.” Eine Ende der Erfolgswelle des Tabellenzweiten ist momentan nicht abzusehen. Auch nicht für Darmstadts Schipplock. „Wofür es am Ende langt, ist schwer zu sagen. Aber es ist doch schön zuzuschauen, wenn die Bayern ein bisschen geärgert werden.” (mz)

Die Leipziger Oliver Burke (r.) und Timo Werner (l.) freuen sich mit Marcel Sabitzer (M.) über sein Tor zum 2:0 gegen Darmstadt.
Die Leipziger Oliver Burke (r.) und Timo Werner (l.) freuen sich mit Marcel Sabitzer (M.) über sein Tor zum 2:0 gegen Darmstadt.
dpa