Chance oder Risiko?

Umaro Embalo: RB Leipzig buhlt um einen 16-jährigen Portugiesen

Leipzig/mz - RB Leipzig: Transfers von Teenagern haben oft einen Beigeschmack. Doch es gibt durchaus auch positive Beispiele.

Von Martin Henkel 17.01.2018, 07:00

– Jetzt kann es schnell gehen. Das portugiesische Sportblatt „Record“ berichtete Anfang der Woche, dass in den kommenden Tagen eine Abordnung des U-19-Spielers Umaro Embalo von Benfica Lissabon in Leipzig eintreffen wird. Catio Balde soll darunter sein - er ist der Berater des 16 Jahre alten Mittelfeldspielers. Und Luis Filipe Vieira, was der Delegation Rang und Gewicht verleihen würde. Vieira ist Benficas Präsident.

Für den Wechsel eines Jugendlichen zu RB Leipzig wäre das zwar ungewöhnlich, doch der sich anbahnende Transfer fällt ohnehin aus dem Rahmen, also kann das auch Chefsache sein. Schließlich liegt ein Angebot auf dem Tisch, das sich noch in die Höhe verhandeln lässt. Wie aus dem Umfeld von RB zu hören ist, bietet der Verein zehn Millionen Euro. Benfica, schreibt Record, will aber 15 Millionen.

Ob die Summen stimmen – geschenkt. Selbst bei zehn Millionen Euro würde RB eine neue Marke setzen. Noch nie hat ein Bundesligist für einen Fußballer unter 17 Jahren derart viel

Geld ausgegeben. Wenngleich die Summe auf europäischem Level kein Spitzenwert wäre. Die Rangliste der teuersten Spunde wird angeführt vom Engländer Theo Walcott. Für dessen Wechsel des damals 16-Jährigen überwies der FC Arsenal 2006 immerhin 10,5 Millionen Euro an Southampton.

Viele Teenager schaffen es

Dass Walcott seinen Wert mittlerweile verdoppelt hat, nimmt Embalos möglichem Umzug für den Moment das Prädikat: Wahnsinn. Auch andere millionenschwere Wechsel 16 Jahre alter Profis haben sich in der Vergangenheit durchaus gerechnet. Etwa der von Philippe Coutinho. Der Brasilianer kostete 2009 bei seinem Transfer von Vasco da Gama zu Inter Mailand 3,8 Millionen Euro. Vorige Woche wechselte er für über 100 Millionen Euro vom FC Liverpool zum FC Barcelona. Ebenso taucht RB-Profi Dayot Upamecano in der Liste auf. Für seinen Wechsel 2016 von Valenciennes nach Salzburg bezahlte Red Bull 2,2 Millionen Euro. Mittlerweile ist er das Zehnfache wert.

Für Embalos Zukunft heißt das dennoch wenig bis nichts. Jungprofis im heiklen Entwicklungsalter zwischen 15 und 18 Jahren auf ihre Zukunftsfähigkeiten zu taxieren, ist wie Roulette spielen. Doch dass die Summe nicht auf jeden Fall ein Irrsinn sein muss, dafür sprechen auch die namhaften Konkurrenten, die RB bei einem Kauf ausstechen würde. Halb Europa ist angeblich hinter dem in Guinea-Bissau geborenen Angreifer her. Barcelona, Real Madrid, Manchester United – die üblichen Verdächtigen halt. Sie alle sollen Embalo kontaktiert haben. Im November schien ein Verkauf an United sogar schon fix zu sein. Der Mirror titelte: „Embalo – Uniteds neuer Star!“ Ein Wechsel scheiterte angeblich nur am Geld.

Vielleicht aber auch an den unklaren Auspizien. Zwar ist Embalo, der im Mai 17 wird, bereits Spieler von Benficas U 19, das heißt allerdings nicht, dass er das Level der Älteren bereits erreicht hat. Der Jungnationalspieler ist schnell, wendig und schussgewaltig, in den fünf Partien der Nachwuchs-Champions-League spielte er aber jeweils für nicht mehr als ein paar Minuten.

Negativbeispiel Ödegaard

RB wird freilich wissen, auf was man sich da einlässt. Mit der vorzüglichen Behausung von Jungspielern kennt sich der Verein jedenfalls aus. Mit Bruma fände Embalo einen Landsmann im Verein, die Akademie ist deluxe, das Betreuungsangebot first class. Und dass die Leipziger eine der Uefa-Ausnahmeregeln für den Transfer Minderjähriger innerhalb der EU erfüllen werden, ist vermutlich auch kein Problem. Die Eltern des Spielers, heißt es unter Absatz 2a des Artikels 19, „nehmen aus Gründen, die nichts mit dem Fußballsport zu tun haben, Wohnsitz im Land des neuen Vereins“.

Dennoch, das Risiko bleibt. Lang ist die Liste teurer Jungprofis, die es nicht in die Spitze des Profifußballs geschafft haben. Das vielleicht prominenteste Beispiel ist Martin Ödegaard. Vor drei Jahren tauchte der Norweger als neuer Lionel Messi auf der Wunschliste sämtlicher Topklubs in Europa auf. Auch die Bayern wollten den Mittelfeldspieler verpflichten. Real Madrid bekam den Zuschlag und zahlte 2,8 Millionen Euro an Strømsgodset IF.

Ödegaard, gerade 19 Jahre alt geworden, spielt mittlerweile auf Leihbasis - beim Neunten der niederländischen Eredivisie SC Heerenveen. (dpa)