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S04 vs. RBLSchalke 04 vs. RB Leipzig live: Timo Werner schießt Leipzig näher an Champions League: 1:1 bei Schalke

Leipzig - Timo Werner hat den Spießrutenlauf auf Schalke erfolgreich gemeistert und Bundesliga-Aufsteiger RB Leipzig ein Stück näher Richtung Champions League geschossen.

Von Ullrich Kroemer 23.04.2017, 20:16
Timo Werner freut sich über seinen Treffer zum 0:1 gegen Schalke.
Timo Werner freut sich über seinen Treffer zum 0:1 gegen Schalke. imago sportfotodienst

Gerechte Punkteteilung zwischen Schalke 04 und RB Leipzig. Beim 1:1 (0:1) war RBL in der ersten Hälfte das bessere Team gewesen, die willensstarken Schalker in Hälfte zwei. Mann des Tages aus Sicht der Gäste war Timo Werner, der trotz massiver Pfiffe des Schalker Publikums den Treffer zur 1:0-Führung für Rasenballsport erzielte. Klaas-Jan Huntelaar schockte Leipzig nur 47 Sekunden nach Wiederanpfiff mit seinem Kopfballtor zum Endstand (46.).

Ausgangslage

Gestresste Schalker gegen gut erholte Leipziger: Unterschiedlicher hätten die Verfassungen beider Teams im Saisonendspurt kaum sein können. Während RB entspannte Osterfeiertage verbracht hatte und am Mittwoch gut erholt ins Training eingestiegen war, hatte Schalke am Donnerstag im Europapokal 120 Minuten lang ums Überleben gekämpft – und war in der Verlängerung gescheitert. Trainer Markus Weinzierl gab vor der Partie zu, dass sein Team „auf dem Zahnfleisch” gehe. Manager Christian Heidel sagte: „Wir haben erfahrene Bundesligaspieler, die müssen mit Nackenschlägen mental umgehen können.”

Personalien

RB Leipzig konnte in der entscheidenden Saisonphase auf alle Spieler außer auf den langzeitverletzten Lukas Klostermann bauen. „Ein entscheidender Vorteil”, hatte Hasenhüttl unter der Woche gesagt. Lediglich Yussuf Poulsen und Dayot Upamecano hatten vor dem Spiel aus Gründen der Belastungssteuerung etwas kürzer im Training treten müssen, standen aber auf Schalke zur Verfügung. Hasenhüttl vertraute in dem hitzigen Auswärtsspiel seiner kompletten Stammelf inklusive der eingespielten Viererkette mit Bernardo, Willi Orban, Marvin Compper und Marcel Halstenberg. Der zuletzt überzeugende Dayot Upamecano saß zunächst nur auf der Bank, ebenso wie Defensivallrounder Stefan Ilsanker. Im defensiven Mittelfeld agierten Diego Demme und Naby Keita.

Schalke setzte auf Holger Badstuber in der Innenverteidigung, der Unglücksrabe Nastasic ersetzte, der im Europapokal gegen Ajax Amsterdam den entscheidenden Fehler gemacht hatte. Klaas-Jan Huntelaar lief im Sturm auf, Sead Kolasinac als Linksverteidiger. Leon Goretzka schaffte es nach Kieferverletzung und Gehirnerschütterung nicht in den Kader.

Fans

Knapp 2000 Fans aus Leipzig waren am Sonntagabend auf Schalke mit dabei. Bis auf die feindliche Atmosphäre gegen Timo Werner, der bereits beim Auslaufen und bei jedem Ballkontakt massiv ausgepfiffen wurde, blieb die Stimmung gegen RB im Rahmen. Die Schalker Ultras zeigten vereinzelte Anti-RB-Plakate und stimmten mehrfach „Scheiß-Red-Bull”-Wechselgesänge an. Vor Spielbeginn hatte es einige Becherwürfe aus dem Oberrang in den Gästeblock im Unterrang gegeben. Grundsätzlich blieb der Protest aber friedlich.

Spielverlauf und Analyse

Timo Werner hatte vor RB Leipzigs Gastspiel auf Schalke öffentlich lieber geschwiegen. Seine Schwalbe aus dem Hinspiel war noch immer derart präsent, dass der 21-Jährige besser den Mund hielt. Stattdessen gab Werner auf die Fragen der Journalisten und die gellenden Pfiffe der Schalker Fans, die ihm bereits beim Aufwärmen und bei jeder Aktion entgegenschlugen, lieber am Sonntagabend auf dem Platz die passende Antwort.

Bei Leipzigs 1:1 (0:1)-Remis gegen die „Königsblauen” war Werner wieder einmal der entscheidende Mann für die Gäste, indem er mit seinem 17. Saisontor die frühe Führung erzielte und den Punktgewinn für die Leipziger mit einer Einzelaktion sicherte.

Sein Treffer zeigte eindrucksvoll, wie viel Selbstvertrauen der Jung-Nationalspieler derzeit hat. Denn die erste gefährliche Szene der Leipziger war eigentlich bestenfalls eine Halbchance. Nach einem Einwurf flankte Bernardo von der rechten Seite in den Strafraum, wo sich Werner geschickt vor Weltmeister und Schalke-Spielführer Benedikt Höwedes positionierte und per Kopf traf (14.). Um mit seinem Jubel nicht zu provozieren und sich nur noch mehr Pfiffe einzuhandeln, verzichtete der Youngster auf zu euphorischen Jubel, presste seine Freude nur hervor, indem er sich umringt von seinen Kollegen wie ein Bodybuilder aufpumpte und die Fäuste ballte. Routinier Höwedes ärgerte sich parallel lautstark über sein anfängerhaftes Abwehrverhalten gegen den jüngeren Kollegen aus dem DFB-Team.

Zwar hatte Schalke nach dem deprimierenden Aus in der Europa League am Donnerstag nicht schlecht begonnen, durch Guido Burgstaller die erste Chance per Kopf gehabt (12.). Doch Dank des Tores aus dem Nichts beherrschte Rasenballsport das Spiel, verpasste es jedoch, ein Tor nachzulegen. Werner stand nach einem Konter einschussbereit, als Emil Forsberg aber lieber selbst deutlich neben das Tor abzog, als den freistehenden Nebenmann zu bedienen (19.).

Die Gäste aus Leipzig wechselten gekonnt zwischen eigenem Ballbesitzspiel und Kontersituationen, in denen der Tabellenzweite stets am gefährlichsten ist. Werner hatte durch ein Abseitstor (33.) und gegen den herauseilenden Schalker Keeper Ralf Fährmann (36.) weitere gefährliche Szenen. Bis zum Pausenpfiff ein beeindruckend souveräner Auswärtsauftritt des Tabellenzweiten. Co-Trainer Zsolt Löw zeigte sich nach der Halbzeitpause dementsprechend zufrieden, forderte aber: „Wir müssen die Situationen im Umschaltverhalten ruhiger und präziser ausspielen.”

Ehe die Leipziger Spieler jedoch diesen Hinweis umsetzen konnten, lag der Ball im eigenen Netz. Daniel Caligiuri konnte unbedrängt auf Huntelaar flanken, der nur 47 Sekunden nach Wiederanpfiff frei vor dem Tor zum 1:1 einköpfte (46.). Durchaus ein Schock für RB, das danach zehn Minuten brauchte, um selbst wieder etwas Gefahr im Angriff aufzubauen, während die „Scheiß-Red-Bull”-Wechselgesänge durchs Schalker Stadion hallten.

Timo Werner, der bei jeder Szene Aufregung auf den Rängen und auf dem Platz verursachte, suchte mehrfach mit Flanken Sturmpartner Yussuf Poulsen. In der gefährlichsten Szene dieser Phase klärte Holger Badstuber, der für Matija Nastasic ins Team gekommen war, vor Poulsen (62.).

Doch die Leipziger agierten keineswegs mehr so souverän wie in den ersten 45 Minuten. Schalke zeigte sich unbeeindruckt von der kräftezehrenden Begegnung drei Tage zuvor, gewann deutlich mehr Zweikämpfe als zu Beginn und setzte Leipzig mit zunehmender Spieldauer immer mehr unter Druck. Der eingewechselte Alessandro Schöpf hatte per Kopf eine Möglichkeit (66.), während RB kaum mehr gefährliche Szenen mehr kreieren konnte. Marcel Sabitzer hatte per Freistoß noch die gefährlichste (80.).

Dank einer starken ersten Hälfte von RB und den zweiten 45 Minuten, in denen die Schalker präsenter waren, war das Remis durchaus gerecht – ein Ergebnis, mit dem die Gäste besser leben können als elfplatzierten Gelsenkirchener.

Ausblick

Rasenballsport empfängt am kommenden Samstag im vorletzten Heimspiel der Saison Abstiegskandidat FC Ingolstadt (15.30 Uhr). zum Abschluss des Spieltags auf Schalke bestehen (17.30 Uhr). Schalke muss bereits am kommenden Freitag wieder ran, auswärts bei Bayer 04 Leverkusen (20.30 Uhr).

Statistik

FC Schalke 04 – RB Leipzig 1:1 (0:1)

FC Schalke 04: Fährmann – Coke, Höwedes, Badstuber, Kolasinac – Stambouli, Bentaleb – Burgstaller (74. di Santo), Meyer (82. Meyer), D. Caligiuri (50. Schöpf) – Huntelaar.

RB Leipzig: Gulacsi – Bernardo, Orban, Compper, Halstenberg – Keita, Demme – Sabitzer, Forsberg (76., Ilsanker) – Werner (83. Burke), Poulsen (90.+1 Selke).

Tore: 0:1 Werner (14., Bernardo), 1:1 Huntelaar (46., Caligiuri); Torchancen: 4:4; Eckenverhältnis: 5:5; Schiedsrichter: Günter Perl (Pullach); Gelbe Karten: Stambouli (29.), Coke (43.), Meyer (78.) / Halstenberg (40.), Keita (73.); Zuschauer: 60.916 Zuschauer in der Veltins-Arena auf Schalke. (mz)

Timo Werner in Aktion.
Timo Werner in Aktion.
dpa-Zentralbild