RBL-Coach zieht Bilanz

RBL-Coach Ralph Hasenhüttl zieht eine Saison-Bilanz

Leipzig - Der Trainer von RB Leipzig erklärt, wie er in Leipzig zu einem wesentlich besseren Trainer geworden ist.

Von Ullrich Kroemer 19.05.2017, 09:45
RBL-Trainer Ralph Hasenhüttl zieht eine Saison-Bilanz.
RBL-Trainer Ralph Hasenhüttl zieht eine Saison-Bilanz. dpa-Zentralbild

Ralph Hasenhüttl wirkte am Donnerstag grüblerischer als gewohnt. War es der Blues nach dem Niederschlag in letzter Minute gegen den FC Bayern, der den RB-Leipzig-Trainer vor dem letzten Saisonspiel an diesem Samstag bei Eintracht Frankfurt beschäftigte?

„Ich bin nicht nachdenklicher als sonst“, antwortete Hasenhüttl, „und ich habe auch nicht das Gefühl, dass ich hätte irgendetwas anders machen müssen.“ Vielmehr bezeichnete er die Partie auch mit einer Woche Abstand als „das Highlight der Saison“.

Vielleicht war es auch einfach schon der Abschiedsschmerz von dieser außergewöhnlichen Saison, der RB Leipzigs Erfolgstrainer umtrieb. Denn Hasenhüttl nutzte seine letzte Pressekonferenz der Spielzeit in Leipzig, um das, was in dieser Aufstiegssaison bei RBL geschehen ist, einzuordnen.

Man hatte das Gefühl, dass auch der Coach selbst gerade dabei ist, innezuhalten und die 34 Pflichtspiele - inklusive Pokal - Revue passieren zu lassen. Dazu soll er sich in dieser Woche auch Freunde und Familie aus Österreich in seine Wohnung ins Leipziger Waldstraßenviertel eingeladen haben.

Hasenhüttl über Erfolg von RB Leipzig: „Ist eigentlich kaum erklärbar“

Dass die Mannschaft tatsächlich Zweiter geworden ist und in der kommenden Saison die Champions-League-Hymne im Leipziger Stadion zu hören sein wird, verfestigt sich wohl auch so langsam in Hasenhüttls Kopf. Noch immer ob der Leistung und Platzierung seines eigenen Teams erstaunt, sagte der Chefcoach: „Es ist eigentlich kaum erklärbar, dass uns das tatsächlich gelungen ist. Wenn man die Entwicklung der Mannschaft anhand des Bayern-Spiels betrachtet, war es beeindruckend zu sehen, was wir in diesem Jahr gelernt haben. Mit ,wir’ meine ich uns alle.“

Also auch sich selbst. Und genau darauf ging er dann auch konkreter ein. „Hier bekommt man auf eine Art und Weise mit Innovation zu tun, die für mich neu war“, sagte der Fußballlehrer. Das Klima im Klub sei „so innovativ, so forschungswillig, immer wieder bereit, neue Wege zu gehen, dass wir jeden Tag alle lernen“.

Hasenhüttl ist bei RB Leipzig zu einem besseren Trainer geworden

Der ständige Austausch mit dem ehrgeizigen Expertenstab bei RBL ist nicht nur der Hintergrund des Erfolges bei RB, sondern auch der Faktor, den der Vater des Leipziger Erfolgs am meisten schätzt. „Ich kann heute sagen, dass ich ein wesentlich besserer Trainer bin, als ich es noch vor einem Jahr war. Dafür kann ich mich nur bedanken.“

Bevor sich die Spieler am Sonntag in alle Himmelsrichtungen verteilen, kündigte Hasenhüttl als Dank und Überraschung an, das Team mit „ein paar Inputs für das, was nächstes Jahr kommt“ auf die neue Saison vorbereiten zu wollen.

RB Leipzig: Rotation im Spiel bei Eintracht Frankfurt?

Details wollte er noch nicht verraten. Doch den Blick bereits voraus gerichtet, plant Hasenhüttl, in Frankfurt bevorzugt jene Spieler einzusetzen, die auch in der kommenden Saison in Leipzig dabei sind, „auch um neue Konstellationen zu testen“.

Ein solcher Test in einem Pflichtspiel sei eine „Luxussituation, die wir gegenüber der Konkurrenz ausnutzen können“. So könnte Bernardo als Innenverteidiger auflaufen, Oliver Burke als Sturmpartner von Yussuf Poulsen. Gut möglich, dass die für die Nationalelf nominierten Spieler Timo Werner und Diego Demme geschont werden.

Zwar hat auch Hasenhüttl in dieser letzten Trainingswoche einen „kleinen Spannungsabfall“ bei seinem Team bemerkt. Doch trotz aller Saisonabschieds-Wehmut will der 49-Jährige diese märchenhaft erfolgreiche Saison auch aus motivationalen Gründen mit einem Sieg beenden.

RB Leipzig jagt weiter den Aufsteiger-Rekord

Zweites Ziel ist, mit einem Sieg den Aufsteiger-Rekord des 1. FC Kaiserslautern aus der Saison 1997/98 (68 Punkte) zu knacken. Doch Hasenhüttl gibt zu bedenken: „Man muss in der Phase, in der alles entschieden ist, auch aufpassen, dass man sich nicht lächerlich macht, indem man künstlich Druck aufbaut.“

Das sei auch gar nicht nötig, glaubt der Österreicher. „Ich befürchte, dass es einen ähnlich intensiven Schlagabtausch wie am vergangenen Wochenende geben wird.“

Ein Spektakel als würdiger Abschluss dieser Spielzeit, die sie bei RB Leipzig nie vergessen werden. Da darf man als Hauptverantwortlicher durchaus auch mal wehmütig sein.

(mz)