Absage für Olympia

RB Leipzig: Yussuf Poulsen von RBL erklärt Absage für Olympia

Grassau - Yussuf Poulsen hat gerade eine anstrengende Krafteinheit hinter sich. Doch der Stürmer von RB Leipzig erscheint wie gewohnt entspannt, sympathisch und reflektiert zum Interview auf der Terrasse vor der Lobby des Teamhotels im bayerischen Grassau, wo sich RBL auf die neue Saison vorbereitet. Vor dem Abendessen nimmt sich der 22-Jährige Zeit für ein ausführliches Gespräch über seinen geplatzten Olympia-Traum, die Ziele in der Bundesliga und den neuen Trainer Ralph Hasenhüttl.

Von Ullrich Kroemer
Yussuf Poulsen im RB-Trainingslager in Grassau
Yussuf Poulsen im RB-Trainingslager in Grassau dpa

Yussuf Poulsen hat gerade eine anstrengende Krafteinheit hinter sich. Doch der Stürmer von RB Leipzig erscheint wie gewohnt entspannt, sympathisch und reflektiert zum Interview auf der Terrasse vor der Lobby des Teamhotels im bayerischen Grassau, wo sich RBL auf die neue Saison vorbereitet. Vor dem Abendessen nimmt sich der 22-Jährige Zeit für ein ausführliches Gespräch über seinen geplatzten Olympia-Traum, die Ziele in der Bundesliga und den neuen Trainer Ralph Hasenhüttl.

Herr Poulsen, Sie absolvieren das Trainingslager in diesem Jahr ohne Ihren Kumpel Davie Selke, der an den Olympischen Spielen in Brasilien teilnimmt. Wie sehr fehlt Ihnen Ihr Zimmernachbar?

Poulsen: Ich vermisse ihn schon. Wir haben schließlich immer viele Stunden auf und abseits des Platzes zusammen verbracht. Klar, würde ich mir wünschen, dass er da wäre, aber er ist jetzt bei Olympia und er will dort etwas mit Deutschland reißen. Das gönne ich ihm. Und in Timo Werner habe ich einen super Ersatz  bekommen. Das ist auch ein richtig guter und netter Typ.

Timo Werner ist seit Saisonbeginn in Leipzig. Wie haben Sie ihn als Typ kennengelernt?

Poulsen: Ich mag ihn sehr. Er ist ja Schwabe, wie einige andere bei uns. Ich habe bis 2015 zwei Jahre mit Joshua Kimmich in einer WG gewohnt, der ja ebenfalls Schwabe ist. Sie sind sich vom Typ her durchaus ähnlich. Sieht so aus, als könnten Dänen und Schwaben ganz gut miteinander (lacht).

Timo Werner muss Davie Selke nicht nur als Zimmernachbar ersetzen, sondern zumindest zu Saisonbeginn auch seinen Platz auf dem Spielfeld einnehmen. Wie gut harmonieren Sie schon?

Poulsen: Wir haben schon ein paar ordentliche Spiele zusammen im Sturm gemacht, die Kombination funktioniert schon ganz gut. Mit manchen Spielern harmoniert man eben einfach besser, weiß genau, was der andere in bestimmten Situationen macht. Das ist zum Beispiel auch mit Emil Forsberg so. Timo ist zwar ein anderer Spielertyp als Emil, geht mehr in die Tiefe und sucht den Torabschluss. Aber der Beginn der Vorbereitung war bislang sehr vielversprechend.

Yussuf Poulsen über Olympia-Absage

Ist es die Stärke von RB Leipzig in der Offensive, dass jeder Stürmer andere Stärken und Qualitäten einbringen?

Poulsen: Das wird in dieser Saison sehr wichtig werden. Noch wissen wir ja nicht ganz genau, was uns erwartet. Viele haben noch nie in der Bundesliga gespielt. Deswegen brauchen wir viele Spielertypen, um für alle Situationen und Anforderungen gerüstet zu sein.

Sie haben sich dazu entscheiden müssen, Olympia sausen zu lassen. Sind Sie noch traurig darüber, dass an diesem Donnerstag das olympische Fußballturnier ohne Sie startet oder sind Sie eher froh darüber, sich für die ersten Spiele in der Bundesliga optimal vorbereiten zu können?

Poulsen: Ich habe da gemischte Gefühle. Klar, wäre ich gern dabei. Aber manchmal kann man nicht alles gleichzeitig machen und muss ggf. etwas absagen, das man liebend gern gemacht hätte, aber nicht unbedingt das Beste für einen gewesen wäre – das ist leider ab und zu so im Leben. Und genauso  ist das bei mir mit Olympia. Ich werde das Turnier trotzdem verfolgen und hoffe, dass die Deutschen und Dänen Erfolg in Rio haben.

Wie lange dauerte der Prozess, bis Ihnen klar geworden ist, dass Sie absagen müssen?

Poulsen: Das hat sehr lange gedauert, aber manchmal muss man auch schwere Entscheidungen treffen. Am Anfang war es klar für mich, dass ich mitfahre. Wir haben uns schließlich bei der U21-EM qualifiziert. Als ich dann zurück im Verein war, habe ich gemerkt, wie wichtig es ist, hier bei der Mannschaft zu sein. Im vergangenen Jahr ist mir die erste Hälfte der Saison schließlich nicht so gut gelungen, auch weil ich die U21-EM gespielt habe und dann nur acht Tage Pause hatte. Das hatte ich natürlich im Hinterkopf. Und schließlich wird das meine erste Bundesligasaison, in der ich möglichst schnell und gut ankommen möchte. Es gab viele kleine Argumente, die letztlich zu meinem Entschluss geführt haben.

Also war der Traum von einer starken Bundesligasaison letztlich größer als der Olympia-Traum?

Poulsen: Beide Träume sind eigentlich gleich  groß. Aber Olympia war ein eher kurzfristiges Ziel. Die Bundesliga hatte ich im Fokus, seitdem ich vor drei Jahren bei RB Leipzig begonnen habe. Es war immer mein Traum, dass ich mit RB in der Bundesliga ankomme. Jetzt will ich auch den bestmöglichen Start hinlegen. Ich bin jetzt zufrieden mit der Entscheidung und froh, dass die Frage nicht mehr in meinem Kopf herumschwirrt.

Das hat Sie schon belastet, oder?

Poulsen: Es hat mich schon etwas bewegt, ja. Ich musste schließlich meinen alten Trainer kontaktieren und ihm absagen, obwohl ich ursprünglich zugesagt hatte. Das war ein schwerer Anruf. Aber meine Familie und Freunde haben mich unterstützt. Ich habe mich mit vielen Leuten darüber unterhalten und sie gefragt, wie sie diese Frage betrachten. Das hat mir bei der Entscheidungsfindung geholfen. Kritik von Fans oder Journalisten kann ich nicht beeinflussen, damit muss man ggf. umgehen können.

Worauf sich Yussuf Poulsen in der Bundesliga freut

Worauf freuen Sie sich am meisten in der Bundesliga?

Poulsen: Auf alles! Schon bevor die Bundesliga anfängt, haben wir ein Riesen-Spiel gegen Dresden. Das wird schon etwas ganz Besonderes. Danach freue ich mich auf die ersten Minuten in Hoffenheim und auf das erste Heimspiel gegen Dortmund. Das wird insgesamt eine besondere Saison, nicht nur für mich, sondern die gesamte Mannschaft.

Sind Sie stolz auf Ihren Weg bei RBL?

Poulsen: Ralf Rangnick hat 2013 am Rande der U19-EM-Qualifikation mit mir gesprochen und mir den Weg mit RB Leipzig in die Bundesliga aufgezeigt. Jetzt ist alles genauso eingetreten, wie er es damals beschrieben hat. Da kann ich schon ein bisschen stolz sein. Ich kam damals als junger Spieler aus der zweiten dänischen Liga. Seitdem habe ich mich sehr gut entwickelt, stehe vor meiner ersten Bundesligasaison und habe schon elf Länderspiele gemacht. Das hätten mir noch vor ein paar Jahren nicht viele zugetraut.

Welche Ziele haben Sie sich für die Premiere in der ersten Liga gesteckt?

Poulsen: Wenn man nicht genau weiß, was einen erwartet, ist es schwer, sich ganz klare persönliche Ziele zu setzen. Ich will mich einfach so konstant weiterentwickeln, wie ich das schon in den vergangenen drei Jahren geschafft habe. Ich glaube daran, dass ich die Qualität dazu habe.

Haben Sie auch Respekt davor, gegen einige der weltbesten Verteidiger und Torhüter an Ihre Grenzen zu stoßen?

Poulsen: Vielleicht werde ich in der Bundesliga auch mal an meine absolute Leistungsgrenze kommen, vielleicht aber auch nicht. Ich bin ja schon mit der Nationalmannschaft gegen Weltklassespieler angetreten, wo ich auch gute Partien abgeliefert haben. Ich weiß, dass ich das kann. Wenn ich mein Topniveau bringe, kann ich gegen die Besten der Welt bestehen. Nur künftig muss ich das jede Woche beweisen.

RBL hat das Ziel ausgegeben, sich zunächst in der Bundesliga etablieren zu wollen. Glauben Sie nicht insgeheim, dass Ihr Team das Zeug zur Überraschungsmannschaft in der Bundesliga hat?

Poulsen: Das Zeug zum Überraschungsteam haben wir bestimmt. Wir sind alle jung und haben das Potenzial dazu, gute Bundesligaspieler zu werden. Wenn wir unsere beste Leistung zeigen, können wir auch gegen die Besten richtig gut sein. Aber es gibt eben auch viele Spieler bei uns, die noch nie in dieser Liga gespielt haben.

Yussuf Poulsen spricht über die Zusammenarbeit mit dem neuen Trainer Hasenhüttl

Ihr neuer Trainer Ralph Hasenhüttl war früher auch Stürmer. Wie kann er Sie besser machen?

Poulsen: Ich mag ihn als Typ sehr. Er spricht viel mit uns, sagt dem einzelnen genau, was er sehen will und was er erwartet. Das gefällt mir. Als wir z.B. heute im Training eins gegen eins gespielt haben, hat er mich ganz genau darauf hingewiesen, welche Laufwege ich nehmen soll. Er achtet auf viele kleine Dinge, die man als Spieler noch nicht selbst auf dem Schirm hat.

Welcher Typ Trainer ist er? Er wirkt auf dem Platz oft wie ein Lehrer, der die ganze Klasse begeistern kann.

Poulsen: Das kann man so sagen. Er ist wirklich ein wenig wie ein Lehrer – im positiven Sinne. Er mag es zu erklären und kann seine Wünsche hervorragend ausdrücken. Das macht es uns leichter, und das werden wir auch auf dem Platz sehen, die Automatismen werden sehr gut ineinander greifen.

Wie zufrieden sind Sie jetzt schon mit Ihrer Form?

Poulsen: Wir haben noch drei Wochen bis zum ersten Pflichtspiel. Aber ich bin schon jetzt in einer wirklich guten Verfassung. Ich  habe mich sehr gut erholt,  und habe auch anders als in anderen Jahren keine Wehwehchen am Rücken oder am Oberschenkel. Ich merke den Unterschied zum vergangenen Sommer, als ich quasi durchgespielt habe, deutlich. Auch meine leistungsrelevanten Werte sind allesamt besser als vor einem Jahr. Mein Körper und mein Kopf fühlen sich stärker an.

Stichwort Kopf: Müssen Sie sich auch mental auf die Bundesliga vorbereiten?

Poulsen: Vielleicht arbeiten manche Spieler mit dem Mentalcoach. Ich brauche das derzeit nicht. Ich habe in der jetzigen Phase so viel Selbstvertrauen in mir, dass ich weiß, dass wir es bestimmt gut machen werden in der Bundesliga.

(mz)