Timo Werner

RB Leipzig: Wieso Timo Werner bei den Roten Bullen nur auf der Bank sitzt

Leipzig - Während Davie Selke in Brasilien um die Gold-Medaille kämpft, werden für Timo Werner die langfristigen Aussichten auf die RB-Startelf immer schlechter. Trotz seiner 103 Bundesligaspiele für den VfB, der Rekorde, und der zehn Millionen Euro Ablöse.

Von Martin Henkel
Timo Werner spielte seit seinem sechsten Lebensjahr für den VfB - bis er sich für einen Wechsel nach Leipzig entschied. imago sportfotodienst

Timo Werner hat schon bessere Tage als Fußballer erlebt. Auf jeden Fall in Stuttgart, der Heimatstadt, beim VfB, bei dem er groß wurde und mit 17 in der Bundesliga debütierte. Werner ist noch immer der jüngste Spieler mit 50 Partien und einem Doppelpack in der Geschichte der Bundesliga. Oder beim DFB, mit dem Werner jetzt eigentlich in Brasilien sein könnte. Normalerweise.

Wäre der 20-Jährige im Sommer nicht zu RB gewechselt, womit eine Vereinbarung zwischen DFB und Vereinen griff, die bestimmte, dass wechselnde Spieler nicht mit zu Olympia reisen. Und jetzt schwitzt Werner am Cottaweg für die neue Saison und die alten Kollegen spielen weit weg um eine Medaille. Am Mittwochabend geht es gegen Nigeria um den Einzug ins Finale.

Werner: "Ich hoffe, es wird mehr als Bronze"

Nach dem Test gegen Betis Sevilla (1:1) vergangenen Sonntag wirkte Werner gefasst, als er nach dem Olympischen Turnier gefragt wurde. „Natürlich wäre ich gern dabei“, sagte er. Trotzdem: „Ich freue mich für die Jungs. Ich hoffe, es wird mehr als Bronze.“

Dafür müssen die Nigerianer aus dem Weg. Ein Spaziergang wird das aber nicht. Nicht wie gegen die Portugiesen, Endstand: 4:0. Eingeleitet mit einem Tor durch Serge Gnabry vom FC Arsenal, an dem unbestätigten Gerüchten zufolge RB interessiert sein soll. Und zwischenzeitlich erhöht auf 3:0 durch: RB-Stürmer Davie Selke.

Selke und Werner kennen sich schon eine Ewigkeit aus den Nachwuchsmannschaften des DFB, jetzt sind sie auch Kollegen in Leipzig. Man schätzt sich, und eigentlich ist die neue Konstellation perfekt. Werner ist der Abschied von daheim nicht leicht gefallen - Familie, Freunde, der ewige VfB. „Schön, dass hier schon einige sind, die ich kenne“, hatte Werner bei seiner Vorstellung gesagt, das mache vieles leichter. In der Vorstellung jedenfalls. Fünf Wochen später ist es doch schwerer als gedacht.

Werner: „Ich habe kein Problem mit der Bank"

Selke ist nicht nur der Kollege vom DFB, sondern für Werner auch einer der Konkurrenten im Sturm seines neuen Vereins. Und während Selke in Brasilien immer besser spielt, werden für Werner die langfristigen Aussichten auf die RB-Startelf immer schlechter. Trotz seiner 103 Bundesligaspiele für den VfB, der Rekorde, und der zehn Millionen Euro Ablöse.

Als Wechsel und Summe im Juni bekannt wurden, durfte man davon ausgehen, dass RB keine zehn Millionen Euro für einen Reservisten ausgibt. Doch die letzten Wochen haben das Gegenteil bestätigt. Wie schon in den Tests zuvor bekam Werner auch gegen Betis nur knapp eine halbe Stunde Spielzeit, danach hat Hasenhüttl erklärt, dass der zweitteuerste Zugang der Vereinsgeschichte nach Naby Keita, der für 15 Millionen Euro aus Salzburg kam, sich wird anstellen müssen hinter Selke, hinter Yussuf Poulsen, hinter Marcel Sabitzer. „Die Formation mit Yussuf und Marcel ist etwas eingespielter. Das merkt man in den Abläufen und Automatismen, die ein wenig harmonischer und flüssiger funktionieren. Das ist gerade ein bisschen schwer für den Timo. Aber er hat andere Fähigkeiten, wie ich finde.“

Welche das für den Trainer sind, hat Hasenhüttl in Grassau aufgezählt. Es ist genau eine: Schnelligkeit. „Timo gehört bei uns zu den Spielern, mit deren Tempo wir vorne eine sehr hohe Dynamik in unsere Angriffe bekommen.“

Werner: "Dafür brauche ich noch die nötige Fitness"

Werner hat zweifelsohne mehr als das zu bieten, aber er passt einfach nicht ins System. Nicht ins Schwarmpressing und in die Überfallkonter. Denn dafür braucht es blindes Verständnis für die Bewegungsabläufe der Mitspieler und es braucht die Lungen und Beine von Langstreckenläufern. Über beides verfügt er gerade nicht. „Meine Kollegen spielen das System jetzt schon zwei Jahre, ich muss es erst einmal in Fleisch und Blut übergehen lassen. Dafür brauche ich noch die nötige Fitness, um es 90 Minuten spielen zu können.“ Soll aber kommen, irgendwann – und dann: Stammplatz.

Aber wann? Werner hätte guten Grund ungeduldig zu sein, unruhig, aufgeregt. Seinen Start hätte er sich zwar anders gewünscht. Aber er ist nicht ungeduldig. Oder er zeigt es nicht. Zuletzt gab er sich gelassen („Ich habe kein Problem mit der Bank“), demütig („Andere haben so lange für die Bundesliga gekämpft, die haben sich ihre Einsätze verdient“) und: noch nicht erschüttert. Startelf also, irgendwann: „Ich wäre ja nicht hier, wenn das nicht mein Ziel wäre“, sagt er.