Stefan Ilsanker

RB Leipzig: Wie Stefan Ilsanker mit seiner Rolle als Einwechsler umgeht

Leipzig - Auch Stefan Ilsanker war nach dem 1:1 auf Schalke am Sonntag ein Thema. Wenn auch kein großes, er musste sich anstellen hinter den Fragen, wieso RB Leipzig nach der Führung vom eigentlich „toten Gegner“, wie es Trainer Ralph Hasenhüttl formulierte, noch an den Rand einer Niederlage getrieben worden war. Davon bewegte sich der Aufsteiger erst weg, als Ilsanker in der 77. Minute den Rasen betrat. Danach war weitgehend ...

Von Martin Henkel 26.04.2017, 05:00

Auch Stefan Ilsanker war nach dem 1:1 auf Schalke am Sonntag ein Thema. Wenn auch kein großes, er musste sich anstellen hinter den Fragen, wieso RB Leipzig nach der Führung vom eigentlich „toten Gegner“, wie es Trainer Ralph Hasenhüttl formulierte, noch an den Rand einer Niederlage getrieben worden war. Davon bewegte sich der Aufsteiger erst weg, als Ilsanker in der 77. Minute den Rasen betrat. Danach war weitgehend Ruhe.

Deshalb ist der 27 Jahre alte Österreicher ein Thema gewesen. Nicht, weil er die Partie so gut sediert hatte. Sondern weil er so spät erst ans Werk durfte.

Ilsanker ist eigentlich Stammkraft. In 30 Partien war er 29 Mal im Kader. 24 Mal hat er durchgespielt. Einmal hat er wegen einer Gelbsperre gefehlt. Ein Mal wurde er ausgewechselt – und vier Mal ein. Zuvor aber noch nie zwei Spiele hintereinander wie zuletzt. Wie gegen Freiburg und eben gegen Schalke.

Muss man sich sorgen? Im Wintertrainingslager hat Ilsanker verraten, dass er gern noch mal in England spielen würde. Ilsanker wird in drei Wochen 28. Schon jetzt liegt er vier Jahre über dem Einkaufsalter-Limit seines Vereins. Man darf sich also fragen, ob seine Vertragsverlängerung von 2018 auf 2020 nicht auch dazu diente, seinen Marktwert zu steigern. Möglich, aber nicht wahrscheinlich.

RB liebt Ilsanker nämlich. Und Ilsanker liebt RB. Er war schon da, als Salzburg 2005 gegründet wurde. Er hat dort in der Jugend und im Männerbereich gespielt, ehe er 2015 nach Leipzig wechselte. Und er trinkt drei Stunden vor jedem Spiel tatsächlich eine Dose vom Arbeitgeber. Ilsanker wurde mal gefragt, welches Tattoo er sich stechen lassen würde. Antwort: einen Bullen.

Am Cottaweg weiß man diese Loyalität zu schätzen. Ebenso Ilsankers kriegerisches Temperament bei Spielen. Das macht ihn wertvoll. Am meisten aber fallen seine fußballerischen Qualitäten ins Gewicht. Hasenhüttl hat nämlich schon mehrfach gestanden, dass ihm der Kopf schwer wird, wenn er für seine zwei Sechser-Positionen alle drei Kandidaten zur Verfügung hat: Diego Demme, Naby Keita und Ilsanker. Bislang ging es sich hervorragend aus, denn Ilsanker kann in der Defensive alles spielen. Hinten innen, dort hat er schon sechs Mal ausgeholfen, oder hinten außen, drei Mal lief er als Rechtsverteidiger auf. Und wenn es mal nicht für die Startelf reicht, dann ist er der Letzte, der sich darüber den Kopf zerbricht.

Bald beginnt die Zeit der Englischen Wochen mit Pokal, Liga und Europa. Und außerdem, auch auf der Bank ist Ilsanker in seinem Element. Er wurde mal gefragt, was seine Lieblingsfilme seien. Ilsanker hat geantwortet, zwei Football-Filme seien darunter „An jedem verdammten Sonntag“. Und: „Die Helden aus der zweiten Reihe“.

(mz)