Interview mit Ralph Hasenhüttl

RB Leipzig-Trainer Ralph Hasenhüttl über Mainz 05 und Defizite in Leipzig

Leipzig - Zwei Tage hat sich RB Leipzig nach dem 2:0 in Darmstadt frei genommen. Am Mittwoch stand der Aufsteiger wieder auf dem Trainingsplatz am Cottaweg. Sonntag kommt Mainz 05 vorbei.

Ralph Hasenhüttl will mit RBL gegen Mainz überzeugen.
Ralph Hasenhüttl will mit RBL gegen Mainz überzeugen. imago sportfotodienst

Zwei Tage hat sich RB Leipzig nach dem 2:0 in Darmstadt frei genommen. Am Mittwoch stand der Aufsteiger wieder auf dem Trainingsplatz am Cottaweg. Sonntag kommt Mainz 05 vorbei.

Kein Team, vor dem man Angst haben muss. Aber auch keine Mannschaft wie Darmstadt, die es strategisch den Leipzigern doch recht einfach gemacht hat. Trainer Ralph Hasenhüttl musste lediglich darüber nachdenken, wie man gegen eine Neun-Mann-Doppelmauer spielt.

Um gegen Mainz zu bestehen, wird er hingegen mehr Zeit am Reißbrett verbringen müssen. Auch, weil er eine Position neu besetzen muss. Und zwar keine unerhebliche: die des rechten Außenverteidigers.

Nachdem sich vor Wochen bereits Lukas Klostermann das Kreuzband riss, verletzte sich gegen Darmstadt nun auch noch sein Ersatz Bernardo am Meniskus und fällt bis auf Weiteres aus. Wen also mit der Rolle betrauen?

Herr Hasenhüttl, wie nötig hatten Sie und Ihre Mannschaft die zwei freien Tage.
Ralph Hasenhüttl: Es hat sich angeboten. Wir spielen erst am Sonntag und wir haben demnächst drei sehr schwere Spiele gegen Mainz am Sonntag, dann gegen Leverkusen und Freiburg, beide Male auswärts.

Dazwischen liegt eine Länderspielpause, in der Sie sich erholen können.
Hasenhüttl: Viele meiner Spieler sind bei Länderspielen. Und auch wir hier werden uns nicht ausruhen. Alle drei kommenden Teams werden uns sehr viel abverlangen. Darauf werden wir uns intensiv vorbereiten.

Wie oft haben Sie in den vergangenen zwei Tagen über die Besetzung der Rolle des rechten Außenverteidigers nachgedacht, wo ihr bereits zweiter Spieler auf dieser Position, Bernardo, langfristig ausfallen wird?
Hasenhüttl: Wir werden mit Stefan Ilsanker und mit Benno Schmitz versuchen, die beste Lösung zu finden und sie in dieser Woche beide zu schulen, gewisse Automatismen uns zu erarbeiten, um Sicherheit auf dieser Seite zu bekommen.

Stefan Ilsanker ist eigentlich zentraler Abwehrspieler, Benno Schmitz zwar nominell Außenverteidiger, aber weder erste noch zweite Wahl gewesen, als Lukas Klostermann sich das Kreuzband riss. Lieber haben Sie Bernardo, einen defensiven Mittelfeldspieler und Linksfuß, umgeschult.
Hasenhüttl: Das hat gut geklappt. Das war ja auch recht kurzfristig, und es hat funktioniert. Jetzt hoffen wir, dass wir wieder die beste Lösung finden, die sofort hinhaut.

Gibt es noch andere Spieler, die dafür infrage kämen? Kyriakos Papadopoulos?
Hasenhüttl: Benno und Ilse sind eigentlich die zwei letzten, die übrig geblieben sind. Papadopoulos, stimmt, wäre auch noch eine Option.

Was muss Ihr Kandidat mitbringen, damit Sie sagen, der kann das jetzt spielen?
Hasenhüttl: Eine ruhige, sachliche Defensivarbeit ist wichtig. Mit einem guten Zweikampfverhalten gegen den Ball. Die Seite muss einfach zu sein. Bernardo hat das wirklich sehr clever gemacht, war im Zweikampf sehr abgeklärt und hatte eine gute Kopfballpräsenz. Und ansonsten nach vorne: eine gute Passgenauigkeit. Mehr muss gar nicht sein, vor allem keine Wunderdinge, wir haben im Offensivspiel genug Qualität.

Wieso ist Benno Schmitz, Ihr letzter gelernter Außenverteidiger, nicht automatisch die erste Wahl?
Hasenhüttl: Ich habe heute in der Früh noch einmal ein Gespräch mit ihm gehabt und ihm gesagt, was seine Defizite sind. Daran muss er arbeiten. Fußballerisch hat er alle Grundlagen für die Position. Im Zweikampf ist das in den ersten Spielen ein bisschen unglücklich für ihn gelaufen, sagen wir es mal so. Er muss sich in dieser Woche anbieten und dann schauen wir mal, für wen ich mich entscheide.

Welche Defizite sind das?
Hasenhüttl: Na ja, er hat schon Champions League gespielt, das darf man nicht vergessen. Es ist bei ihm alles vorhanden. Deswegen haben wir ihn auch geholt. Aber er muss diese Fähigkeiten noch mehr auf den Platz bringen. Wenn er das tut, dann ist er eine Option. Er hat diese Woche die Chance, sich seinen Platz zu holen. So oft bekommt man eine solche Chance ja auch nicht. Schauen wir mal, was er anbietet.

Sein letztes Spiel von Beginn an war gegen Köln. Sie haben ihn in der 45. Minute vom Platz genommen. Für einen Verteidiger ist das nur schwer zu verdauen. Mussten Sie mit ihm reden?
Hasenhüttl: Klarerweise merkt man als Spieler selbst, dass das nicht das Gelbe vom Ei war. Und es gibt nichts Älteres als eine schlechte Leistung von gestern. Unsere Spieler wissen, dass sie jederzeit die Chance haben, wieder zu spielen. Sie kennen unsere Anforderungen und wenn sie daran arbeiten, dann ist man schnell wieder auf dem Platz.

Was prädestiniert Stefan Ilsanker zum Ersatz für Bernardo?
Hasenhüttl: Genau die Fähigkeiten, die ich angesprochen habe. Ilses Stärke ist seine physische Präsenz in den Zweikämpfen, da ist er sehr kompromisslos. Das hat er Benno voraus.  (mz)

(Das Gespräch wurde aufgezeichnet von Martin Henkel)