„Alles kann, nix muss”

RB Leipzig mit Swinger-Klub-Motto gegen den BVB

Leipzig - Der RB-Trainer über Personal, Ausgangssituation, Klasse des BVB und den besonderen Leitspruch für das Spiel.

Von Ullrich Kroemer 03.02.2017, 05:00
RB-Trainer Ralph Hasenhüttl
RB-Trainer Ralph Hasenhüttl imago sportfotodienst

Ralph Hasenhüttl hatte die bisherige Woche das Bett hüten müssen. Weil der Leipziger Chefcoach keine Impfung besaß, streckte den 49-Jährigen eine heftige Grippe nieder. An diesem Donnerstagnachmittag saß er mit noch fiebrig-glasigen Augen auf dem Podium des Medienraums bei RB Leipzig, demonstrierte aber bei der Pressekonferenz bereits wieder Selbstbewusstsein und Vorfreude auf die Herausforderung bei Borussia Dortmund (Sa., 18.30 Uhr). 

Ralph Hasenhüttl über ...

 ... seinen Gesundheitszustand: „Mir geht’s wieder ganz gut. Nach unangenehmen 48 Stunden mit kontinuierlich Fieber ist das jetzt wieder weg. Ich habe das Schlimmste überstanden.”

 ... die Personalsituation im Team: „Timo Werner hat es leider auch erwischt, ich habe gerade mit ihm telefoniert. Es geht im auch schon besser, er hatte auch nicht so viel Fieber wie ich es hatte. Es macht trotzdem keinen Sinn fürs Wochenende. Er wird ausfallen. Bei den anderen Spielern sind alle kleineren Blessuren ausgestanden. Auch Oliver Burke ist als Option für die Bank wieder dabei und fürs Dortmund-Spiel im Kader.”

 ... den Ersatz von Timo Werner: „Eins zu eins ersetzen können wir ihn nicht, weil wir keinen anderen Spieler im Kader haben, der so schnell wie er ist und so viel Tiefgang hat. Gerade gegen den nächsten Gegner würde uns die Qualität von Timo brutal helfen. Deswegen ist es sehr bitter, dass er ausfällt. Deswegen müssen wir das Spiel etwas anders auslegen. Es gibt ein paar Optionen: Davie Selke oder Oliver Burke vorn drin. Dann gibt es auch die Möglichkeit, Marcel Sabitzers als hängende Spitze in die Mitte zu ziehen und dafür Dominik Kaiser auf der Zehn zu bringen.”

... die Mentalität der Leipziger: „Wir sind auf weiter Flur die einzigen, die noch da vorn an den Bayern dran sind. Wenn es uns nicht gäbe, wäre die Bundesliga so wie in den vergangenen vier Jahren bereits im März entschieden. Das ist auf unsere Mentalität zurückzuführen. Wir jammern nicht, sondern versuchen die Probleme zu lösen. So wird es auch am Wochenende in Dortmund sein. Wir haben nicht die Topformation auf dem Platz, aber das hindert uns nicht daran, Top-Leistungen zu bringen.”

 ... die Drucksituation für RB Leipzig in Dortmund: „Wir sind nicht unter Druck. Wir müssen nicht gewinnen, wir wollen gewinnen. Alles kann, nix muss. Das ist der große Unterschied zu unserem Gegner, der schon elf Punkte hinter uns ist. Wenn uns die Dortmunder noch einholen wollen, müssen sie zuhause fast gegen uns gewinnen. Sie werden genauso heiß sein, wie es der FC Bayern gegen uns war, weil sie den Aufsteiger in die Schranken weisen wollen. Aber alle sind heiß auf dieses Spiel vor dieser Kulisse. Wir freuen uns auf eine Riesen-Herausforderung. Schon ein Punkt wäre für uns ein Riesenerfolg dort.”

 ... die Klasse von Borussia Dortmund: „Man kann die Klasse von BVB und FC Bayern absolut miteinander vergleichen. Der Unterschied ist, dass sie in dieser Saison nicht immer gewonnen haben, wenn sie mal einen schlechteren Tag haben und deswegen nicht dort stehen, wo sie gern stehen würden. Aber das sind marginale Unterschiede. Gegen Dortmund brauchen wir vor allem das Spiel gegen den Ball. Das muss perfekt funktionieren. Wir werden derzeit für viele Attribute gelobt, für die früher der BVB gelobt wurde. Das macht uns sehr stolz, weil wir uns das hart erarbeitet haben. Aber dass das dazu geführt hat, dass wir jetzt elf Punkte vor dem BVB stehen, ist Wahnsinn.”

... den Umgang mit der Kulisse vor 80.000 Zuschauer: „Das ist schon eine beeindruckende Kulisse, aber das hindert einen nicht daran, dort sehr mutig und selbstbewusst aufzutreten. Ich weiß, dass ich eine Mannschaft habe, auf die ich mich absolut verlassen kann und die heiß ist auf solche Spiele. Die Mannschaft ist bereit, sich zu stellen. Grundsätzlich ist unser Ansatz, uns von nichts beeindrucken lassen, so wird es auch in Dortmund sein. Eine Kulisse entscheidet keine Spiele. Je lauter es ist und je größer die Kulisse, umso konzentrierter sind wir eigentlich. Um weitere Entwicklungsschritte zu gehen, brauche ich solche Spiele für meine Mannschaft.” (mz)