Heimsieg gegen Frankfurt

RB Leipzig mit Heimsieg gegen Frankfurt: Am Ende muss RBL zittern

Leipzig - Was mache ich nur? Als der Pfiff von Schiedsrichter Benjamin Brand das 2:1 (1:0) von RB Leipzig über Eintracht Frankfurt beendete, wusste Trainer Ralph Hasenhüttl nicht wohin. Zu den Fans? Zu seinen Spielern? Ging kurz nach rechts, dann wieder links, schließlich machte er kehrt und lief auf Eintracht-Coach Niko Kovac zu. Hasenhüttl umarmte seinen Kollegen – und blies jede Menge Luft durch seinen ...

Von Martin Henkel und Ullrich Kroemer 23.09.2017, 18:10
Leipzigs Matchwinner gegen Eintracht Frankfurt: Timo Werner umarmt Stumpartner Jean-Kevin Augustin.
Leipzigs Matchwinner gegen Eintracht Frankfurt: Timo Werner umarmt Stumpartner Jean-Kevin Augustin. imago sportfotodienst

Was mache ich nur? Als der Pfiff von Schiedsrichter Benjamin Brand das 2:1 (1:0) von RB Leipzig über Eintracht Frankfurt beendete, wusste Trainer Ralph Hasenhüttl nicht wohin. Zu den Fans? Zu seinen Spielern? Ging kurz nach rechts, dann wieder links, schließlich machte er kehrt und lief auf Eintracht-Coach Niko Kovac zu. Hasenhüttl umarmte seinen Kollegen – und blies jede Menge Luft durch seinen Backen.

Geschafft, RB Leipzig gewann sein drittes Saisonspiel nach zuletzt zwei Remis und einer Niederlage in Liga und Champions League. Aber wie! 13 Minuten vor Spielende fingen sich die Sachsen – wieder einmal - ein Gegentor, das die eigentlich gewonnen geglaubte Partie erneut für die Option eines Unentschiedens öffnete.

RB Leipzig muss am Ende noch zittern

Jéan-Kevin Augustin hatte RB in Führung geschossen (28.), Timo Werner hatte auf 2:0 erhöht (68.), Ante Rebic verkürzte das Ergebnis und sorgte bei Hasenhüttl für jede Menge Sauerstoffstau im Körper. Der Österreicher, ganz in Marineblau mit weißem Hemd und weißen Sneakern schick gekleidet, für entspannt ein- und ausatmen war das jedenfalls keine Partie mehr danach.

Seine Spieler bekommen gerade nicht hin, mal ohne Gegentreffer aus einem Spiel zu gehen. Immerhin aber fiel das Tor weder früh noch vor einem eigenen Tor, weshalb zumindest der Wunsch des Trainers aufging, mal nicht einem Rückstand hinterher laufen zu müssen wie in vier der vorangegangenen fünf Ligaspiele.

RB Leipzig: Keine Experimente in Sachen Rotation

Entsprechend hatte Hasenhüttl seine Formation gewählt. Sie enthielt die Botschaft an sich selbst: Schluss mit Englische-Wochen-Experimente und Rotationen! Er schickte ohne den gesperrten Naby Keita, der mit rotem Hut und gleichfarbiger Jacke auf der Tribüne saß, und den verletzten Kevin Kampl seine derzeit beste Elf auf den Platz. Und wies sie an, kein Harakiri zu spielen.

Das Ergebnis konnte sich sehen lassen. In der Spitze der ersten Hälfte hatte RB 83 Prozent Ballbesitz und spielte ruhig und besonnen durch die Eintracht-Reihen. Spät kamen so die ersten Chancen zustande. Aber sie kamen. Werner hatte die Führung auf dem Fuß, als er in der 22. Minute über einen Lupfer von Fosberg säbelte. Sechs Minuten später drückte Augustin einen Abpraller von Keeper Lukas Hradecky über die Linie, Werner hatte geschossen.

Eintracht Frankfurt wirkte müde und zaghaft gegen RB Leipzig

Frankfurt wirkte schon vor dem Treffer müde und zaghaft, und wurde auch danach nicht wach. Kein einziger Schuss forderte RB-Keeper Peter Gulacsi heraus. Doch dann kam Rebic in der 56. Minute, weil doch noch was ging für die Eintracht. RB machte nämlich die Partie nicht zu. Erst hatte Werner das 2:0 vor Augen, er schoss aus Nahdistanz Hradecky an die Fäuste (49.), zwei Minuten später traf Forsberg nur den Außenpfosten.

RB wollte das Spiel beenden, bevor Frankfurt auf die Idee kommen könnte, sich an seine sieben Auswärtspunkte zu erinnern, die der Eintracht zuvor einen nachbarlichen Tabellenplatz zu den Sachsen eingebracht hatten. Und es wären ihnen fast gelungen, als Werner einen Abpraller ins lange Eck wuchtete (68.).

RB Leipzig lässt zu viele Chancen liegen

Aber Rebic sorgte für große Unruhe in der Leipziger Hintermannschaft, und verkürzte mit fast schon zwingender Konsequenz, weil Frankfurt nun immer stärker aufkam. Er schob einen Strafraum-Pass von Marius Wolf über die Linie.

Jetzt waren beide Hälften offen. Hin und her wogte die Partie, immer wieder segelten hohe Bälle in RBs Strafraum. Das schuf Unruhe, gab aber auch Platz für Konter. RB hatte Chancen für mindestens zwei weitere Tore. Forsberg drehte einen Schuss knapp am langen Pfosten vorbei, Poulsen, für Augustin ins Spiel gekommen, schlenzte einen Hereingabe vor Forsbergs Füße, doch der rutschte vorbei.

RB Leipzig: Großes Glück beim Kopfball von Falette

Auf der anderen Seite lief das aber kaum anders zu. Die größte Frankfurter Chance kullerte von Gulacsis Rücken ins Toraus, nachdem der Ball dem Ungarn vom Pfosten ins Kreuz gesprungen war, Simon Falette hatte geköpft (87.).

Hasenhüttl verdrehte es die Augen, wie aufgezogen lief er in seiner Zone auf und ab, die ihm vorgekommen sein muss wie ein Käfig. Das macht niemand ohne sinnliche Verluste. Wohin also mit der ganzen Unruhe, als es endlich vorbei war und der Schlusspfiff ihn erlöste. Dann eben zum Kollegen, der versteht nämlich am Besten, was Hasenhüttl zu leiden hatte. 

Statistik: RB Leipzig – Eintracht Frankfurt 2:1 (1:0)

RB Leipzig: Gulacsi – Klostermann (83. Bernardo), Orban, Upamecano, Halstenberg – Ilsanker, Demme – Sabitzer, Forsberg – Werner (90.+2 Kaiser), Augustin (73. Poulsen).

Eintracht Frankfurt: Hradecky – Abraham, Hasebe, Falette – Chandler, Willems – Fernandes (27. Boateng) – Kamada (56. Rebic), de Guzman – Haller (62. Jovic), Wolf.

Tor(e): 1:0 Augustin (28. Werner), 2:0 Werner (68. Augustin), 2:1 Rebic (77. Wolf); Torchancen: 10:5; Ecken: 2:4; Schiedsrichter: Brand (Unterspiesheim/Unterfranken); Gelbe Karten: Upamecano (1) / Boateng (1), Rebic (1); Zuschauer: 40.606 in der Red-Bull-Arena Leipzig.

(mz)