Busblockade & platte Reifen

RB Leipzig: 1. FC-Köln-Ultras blockieren Leipziger Mannschaftsbus

Köln - Erst wurde der RB-Bus auf dem Weg zum RheinEnergiestadion blockiert, dann wurden Leipzig-Fans die Autoreifen zerstochen.

Von Ullrich Kroemer
Leipzig-Boss Mintzlaff. imago sportfotodienst

Dass RB Leipzig bei vielen aktiven Fans des 1. FC Köln nicht zu den beliebtesten Klubs zählt, war bereits vor Anpfiff klar. Zahlreiche Protestbanner hatten bereits den Anreiseweg geschmückt. Und auch im Stadion machten die „Effzeh”-Anhänger ihrem Unmut gegen den Bundesliga-Neuling mittels zahlreicher Plakate Luft.

In Kölscher Mundart stand vor dem Fanblock geschrieben: „För die eine bes Du en Investition met Aussich op Gewinn – Für die anderen bes Du das Levve met Sorge, Glöck un Ping!” Ping bedeutet übrigens Pein. Und neben dem Gästeblock hing mit Verweis auf die knapp 1000 mitgereisten RB-Anhänger: „Brauche mer nit, wulle mer net, fott domet!”

„Die üblichen Pöbeleien”

Und natürlich sprachen die Kölner Anhänger den RB-Fans auch das religiöse Verhältnis zu ihrem Klub ab. „Am 8. Tag schuf Gott den 1. FC Köln ... und Euch schuf an einem Scheißtag ein neureicher Dosenfabrikant”, plakatierten die Fans im Block. Angesichts der Halbzeit-Reklame, in der der Konkurrenz-Energy-Drink des Kölner Hauptsponsors angepriesen wurde, ist all das freilich auch ordentlich lächerlich.

Zwar war die Stimmung im Stadion generell eher euphorisch als aggressiv. Als nach dem Ausgleichstreffer „Kölle, Allaaaf” erklang, hielt es keinen mehr auf den Sitzen. Besser kann die Stimmung an Karneval auch nicht sein. Doch es gab unter den Bannern auch welche, die das zulässige Maß an Kritik deutlich überschritten:

Und nicht nur das. Mehrere RB-Fans, die mit dem Auto angereist waren, twitterten, dass sie ihre Wagen nach dem Spiel mit platten Reifen vorfanden:

Auf dem Weg zum Stadion konnten die RB-Anhänger den berüchtigten Marsch vom Parkplatz in den Gästebereich in Polizeibegleitung zwar weitgehend sicher absolvieren. „Es war generell okay, es gab die üblichen Pöbeleien”, sagte einer der RB-Fans. Auf dem Rückweg sollen Augenzeugen aber auch antisemitische Hetze erlebt haben:

RB Leipzig bat um späteren Anpfiff

Übers Ziel hinaus schossen auch mehr als 50 Ultras des 1. FC Köln, die sich vor der Buseinfahrt im Stadion postiert hatten und dem Leipziger Mannschaftsbus die Einfahrt verwehrte. Da die Gäste so auf einen anderen Eingang ausweichen mussten und zu spät ins Stadion kamen, baten sie erfolgreich um einen späteren Anpfiff.

„Es ist schade für alle, die warten mussten, dass es später anfangen musste”, sagte RB-Trainer Ralph Hasenhüttl. „Wir sind sehr spät in die Kabine gekommen. Ohne eine Verschiebung wäre eine professionelle Vorbereitung nicht möglich gewesen. Aber die spätere Einfahrt hat uns nicht daran gehindert, ein gutes Spiel zu machen. Das ist für ich das einzige, was zählt.”

RB-Boss: „Lassen uns von 50 Hardcore-Fans nicht verrückt machen”

Auch Kölns Trainer Peter Stöger fand die Aktion nicht eben förderlich für seine Mannschaft: „Wir waren 15 Minuten zu lange und zu früh da, haben aber trotzdem ein ordentliches Spiel gemacht.”

RB-Klubboss Oliver Mintzlaff war nach Abpfiff gut gelaunt, ordnete die Aktion als „sinnlos”, aber nicht gewalttätig ein. „Wir gehen weiter unbeirrt unseren Weg, lassen uns von 50 Hardcorefans nicht verrückt machen, die nichts Besseres zu tun haben, als sich auf die Straße zu setzen”, sagte der Multifunktionär. „Das bereitet uns keine Kopfschmerzen, war keine bedrohliche Situation.” (mz)