Naby Keita

Naby Keita: RB Leipzigs Torschütze gegen Werder Bremen ist in der Bundesliga angekommen

Leipzig - Naby Keita war der herausragende Spieler beim RB-Sieg gegen Bremen. Dabei verlief seine Karriereweg bis in die Bundesliga nicht immer ganz geradlinig.

Von Ullrich Kroemer

Als Naby Keita am Montagmittag aus der Akademie von RB Leipzig am Cottaweg trat, reckten sich ihm zahlreiche Mikrofone entgegen. Nach seinem überragenden Auftritt beim 3:1 gegen Werder Bremen samt zweier Treffer wollten die Journalisten mehr über den ebenso stillen wie genialen Fußballer erfahren.

Keita pustete einmal tief durch und antwortete mit ernster Miene auf Französisch auf die Fragen. Sein riesiges Potenzial auch auszuschöpfen, das spürt man, ist für den Nationalspieler aus Guinea eine große Mission.

Naby Keitas schwieriger Weg raus aus Guinea

Schließlich hat der 21-Jährige bereits eine weite Reise hinter sich. Entdeckt wurde sein außergewöhnliches Talent bereits als Kind. Naby Deco Keita – sein Vater schwärmte für den portugiesischen Nationalspieler Deco – wuchs in Guineas 1,6-Millionen-Einwohner-Hauptstadt Conakry auf. Sein Mentor Kébé Malick, einflussreicher Förderer junger Talente in Afrika, ebnete ihm den Weg zu seinem Heimatklub Santoba FC. „Er hat mir geholfen, weiter an meinen Träumen festzuhalten und zu arbeiten, auch wenn ich mal auf der Bank saß“, sagt Keita.

Weil seine Familie sich die Fahrt zum Training nicht leisten konnte, unterstützte Malick seinen Schützling finanziell. Sicher nicht ganz uneigennützig. Denn bereits 2013 – mit gerade 18 Jahren – zog das Juwel weiter in die zweite französische Liga zum FC Istres. Von dort aus gelangte Keita 2014 über die Spielerberateragentur Arena11, für die unter anderem Ex-RB-Präsident Andreas Sadlo arbeitet, zu Red Bull Salzburg. Im Sommer dann lotste Ralf Rangnick den 15 Millionen teuren Edeltechniker zu RB Leipzig.

Naby Keita ist das Gegenteil eines Egozentrikers

Es war ein langer Weg in die Bundesliga“, sagt Keita. „Es war nicht so einfach, bis hierher zu kommen. Das war jedes Mal ein großer Schritt, um weiter in der Entwicklung zu kommen.“ Nun sagt er: „Jetzt muss ich mich konzentrieren, um hier den nächsten Schritt zu machen.“

Keita spielte zwar zum Saisonstart nicht immer von Anfang an, doch es käme dem schüchternen Spieler nie in den Sinn, mehr Spielzeit einzufordern. „Wenn einer auf der Bank sitzt, ist er nicht wütend oder sauer“, sagt er. „Man hofft und drückt die Daumen für denjenigen, der gerade spielt. Es geht darum, dass wir zusammen gewinnen.“ Überhaupt betont Keita bei jeder Gelegenheit, wie wichtig ihm die Mannschaft sei.

Der Westafrikaner ist das Gegenteil eines Egozentrikers; eher einer, der um keinen Preis auffallen will. Dabei rückt er durch sein fußballerisches Ausnahmetalent früher oder später zwangsläufig in den Mittelpunkt. Gegen Bremen agierte er gleichermaßen elegant wie strategisch im Spielaufbau und stieß in den richtigen Momenten unwiderstehlich in die Spitze. Sein Tor zum 1:0 nach einem 30-Meter-Solo sei der schönste seiner bislang drei Treffer in der Bundesliga gewesen, sagt Keita bescheiden.

 „Wenn er mal den Ball am Fuß hat, ist er eine Waffe"

Größere Vergleiche will er nicht anstellen. Dabei lobte selbst sein Trainer Ralph Hasenhüttl ungewöhnlich euphorisch: „Es ist normalerweise nicht mein Ding, einzelne Spieler herauszuheben. Aber was er am Sonntag gespielt hat, war herausragend.“ Der Fußballlehrer staunte: „Wenn er mal den Ball am Fuß hat, ist er eine Waffe. Wahnsinn, was er macht.“

Dabei betonte Hasenhüttl ausdrücklich nicht nur die Tore, sondern auch Keitas Defensivleistung. „Naby merkt immer mehr, was wir wollen und dass es andere wichtige Dinge gibt, als gut am Ball zu sein“, lobte der Fußballlehrer. „Gegen Bremen hat er unglaublich viele wichtige Bälle gewonnen. Das geht fast ein bisschen unter, aber er war auch gegen den Ball immer präsent, sehr positionstreu, hat sich nie herauslocken lassen.“

Was noch alles in Keita steckt, kann man derzeit nur erahnen. Einige seiner Mitspieler halten den Musterschüler für einen künftigen, internationalen Topspieler. Sein brasilianischer Kollege Bernardo sagte der Leipziger Volkszeitung: „Er hat ein unfassbares Potenzial. Und er ist klar im Kopf. Naby kann ein Weltklassespieler werden.“ Er selbst sagt: „Ich bin noch nicht bei 100 Prozent. Da kommt noch was.“

Keitas Wunschverein ist der FC Barcelona, sein Vorbild Andrés Iniesta

Sein großer Wunsch ist es, vielleicht eines Tages wie sein Vorbild Andrés Iniesta bei seinem Lieblingsklub FC Barcelona zu kicken. „In so einem großen Verein wie Barcelona zu spielen, ist natürlich ein Traum“, gibt Keita zu. „Aber jetzt bin ich hier, jetzt spiele ich bei RB Leipzig - und wir können uns auch zu einem großen Verein entwickeln.“

Natürlich ist auch er vom Höhenflug der Leipziger überrascht. Doch Sportdirektor Ralf Rangnick und dessen hohe Ziele hätten ihn von Beginn an überzeugt. „Wenn einem jemand wie Ralf Rangnick seine Pläne vorstellt, glaubt und versteht man das, weil er sehr viel Ahnung von Fußball hat und das sehr gut erklären kann“, sagt Keita. „Wir haben von Anfang an gewusst, dass wir etwas Großes vorhaben.“

Übrigens: Seinen freien Tag an diesem Dienstag verbringt das Talent mit seiner Mutter und seinen Geschwistern, die gerade für 14 Tage in Leipzig sind. „Das ist eine wunderschöne Stadt, und die Menschen sind super freundlich, das möchte ich ihnen gern zeigen“, sagt Naby Keita.  (mz)