Leipzigs Erfolgsserie

Leipzigs Erfolgsserie: Was kann RB Leipzig stoppen, Herr Rangnick?

Darmstadt - Ralf Rangnick: Leipzigs Sportdirektor über den Schlüssel des Erfolgs, Entwicklung und „No risk, no fun”.

31.10.2016, 06:00
Ralf Rangnick Sportdirektor von RB Leipzig
Ralf Rangnick Sportdirektor von RB Leipzig imago sportfotodienst

Ralf Rangnick war am Wochenende leicht verschnupft – aber keinesfalls im übertragenen Sinne. Leipzigs Sportdirektor hatte sich eine leichte Erkältung zugezogen, war nach dem 2:0-Auswärtserfolg in Darmstadt aber dennoch bester Dinge und spürbar stolz auf die Entwicklung seines Teams.

Herr Rangnick, sind Sie angesichts der Siegesserie selbst ein Stück verblüfft, auf welcher Erfolgswelle die Mannschaft unterwegs ist?

Ralf Rangnick: Verblüfft bin ich nicht. Genauso muss es sein. Die Mannschaft entwickelt sich Woche für Woche weiter. Der Trainer hat es gerade schon richtig gesagt. Dieses Spiel in so einer Atmosphäre gegen ein Gegner wie heute so cool herunterzuspielen, ist bemerkenswert. Es gab auch heute wieder keine nennenswerten Schüsse auf unser Tor. Wir haben jetzt in neun Spielen sechs Tore kassiert und die wenigsten Schüsse aller Teams in der Liga auf das eigene Tor zugelassen. Das ist der Schlüssel – wie die Mannschaft gegen den Ball arbeitet. Daraus ergeben sich dann Torchancen.

Was ist für Sie die maßgeblichste Weiterentwicklung, die die Mannschaft im Vergleich zur Vorsaison vollzogen hat?

Rangnick: Die Mannschaft hat sich in allen Bereichen entwickelt. Aber wir haben natürlich durch die sieben Neuen die gesamte Qualität der Mannschaft um einiges erhöht. Das ist in jedem Training zu sehen. Es war vom ersten Tag an, an dem das Team komplett war, deutlich zu spüren. Dadurch haben sich auch die, die schon da waren noch einmal verbessert.

Trainer Ralph Hasenhüttl kann gerade einwechseln wen er will, es ist kein Qualitätsunterschied zu sehen.

Rangnick: Es kommt schon auch noch darauf an, wie man wechselt. Beim Stand von 1:0 Oliver Burke für Bernardo zu bringen, war schon mutig gewechselt. Sich da für den offensiven Wechsel zu entscheiden, gefällt mir. Ich bin ja auch jemand, der nach dem Motto „No risk, no fun” wechselt. Das ist bei Ralph auch so, und deswegen finde ich es klasse, dass wir dafür belohnt werden. Wie „Bürki” (Oliver Burke, Anm.d.Red.) das Tor vorbereitet, das können nicht so viele.

So effektiv wie Marcel Sabitzer trifft auch nicht jeder Stürmer.

Rangnick: „Sabi” war heute wie eine Pistole im Anschlag. Er konnte es gar nicht erwarten, wieder zu spielen. Mich hätte es nicht gewundert, wenn er nach seiner Außenbandverletzung schon vergangene Woche wieder fit gewesen hätte. So war er heute heiß wie Frittenfett; es war kein Zufall, dass er zwei Tore gemacht hat.

Wird es die erste echte Bewährungsprobe für das Team, wenn die Mannschaft mal verliert?

Rangnick: Ich wüsste nicht warum. Das hat Ralph Hasenhüttl schon richtig gesagt: Für uns gibt es keine Niederlagen. Es gibt entweder Spiele, die wir gewinnen, oder Spiele aus denen wir lernen. Besonders schön ist es, wenn wir sowohl gewinnen als auch lernen. Wenn wir mal ein Spiel verlieren sollten, gilt es, die richtigen Schlüsse daraus zu ziehen. Zum Sport gehören auch Niederlagen. Bisher haben wir in der Liga noch keine erlebt. Niemand hat etwas dagegen, wenn es noch ein wenig dauert, bis das eintritt.

RB steht auf Rang zwei, ist die Mannschaft ihrer Entwicklung schon voraus?

Rangnick: Wieso sollte sie voraus sein? Sie entwickelt sich rasant weiter, das ist sicht- und spürbar. Und ich sehe noch lange kein Ende der Entwicklung. Wir haben die jüngste Mannschaft der Liga, es gibt keinen Grund, weshalb die Entwicklung plötzlich stagnieren sollte. Das Team wird sich weiter verbessern.

Wer oder was kann die Mannschaft denn aktuell stoppen?

Rangnick: Ich verstehe die Frage nicht. Wir machen uns nicht darüber Gedanken, was uns stoppen kann, sondern darüber, wie wir unsere Spiele gewinnen. Ich mag diese negative Denke nicht. Warum sollten wir darüber nachdenken, was passiert, wenn mal was schief geht, sondern wie es positiv weitergeht.

Kann sich das Team gerade nur selbst schlagen?

Rangnick: Jeder Gegner kann uns stoppen, wenn wir es schlecht machen. Aber es ist ja unser Job, dass wir es nicht schlecht machen.

Haben die Planer der DFL Weitsicht bewiesen, im letzten Spiel des Jahres die Partie Bayern München gegen RB Leipzig anzusetzen?

Rangnick: Das ist nicht wichtig für uns. Es geht darum, in der nächsten Woche gegen Mainz ein gutes Spiel zu machen und wenn möglich mit drei Punkten vom Platz zu gehen. Nach der Länderspielpause haben wir dann zwei schwere Auswärtsspiele in Leverkusen und Freiburg. Das Spiel gegen Bayern interessiert bei uns momentan noch keinen. (mz)

Aufgezeichnet nach der Pressekonferenz in Darmstadt von Ullrich Kroemer.