Leihspieler im Check

Leihspieler von RB Leipzig: Die Mehrheit der geborgten Kicker bei neuen Vereinen nur zweite Wahl

Leipzig - Viele Profis von Rasenballsport Leipzig sind gerade auf dem Weg zu ihren Nationalteams. Doch manche sind schon seit einiger Zeit nicht in Leipzig, da verliehen. Und präsentieren sich bei ihren neuen Vereinen unterschiedlich.

Von Martin Henkel
Leider ein seltenes Bild: Omer Damari verletzungsfrei auf dem Rasen.
Leider ein seltenes Bild: Omer Damari verletzungsfrei auf dem Rasen. imago sportfotodienst

Es ist kaum jemand vor Ort am Cottaweg, elf Spieler von RB Leipzig sind auf Länderspielreise. Ein guter Zeitpunkt, um sich in Erinnerung zu rufen, dass da auch Spieler nicht vor Ort sind, nicht weil sie mit ihren Nationalmannschaften um die Tickets für die WM 2018 in Russland spielen, sondern weil sie verliehen sind.

Nils Quaschner ist einer davon, ein anderer Omer Damari, der Dritte im Bund der RB-Leihgaben ist Massimo Bruno, ein Vierter Atinc Nukan und der Fünfte Anthony Young. Eine Übersicht über ihr Berufsleben außerhalb der RB-Familie.

Omer Damari bei Red Bull New York

Am weitesten weg vom Trainingsleistungszentrum ist der Israeli Omer Damari. Er wurde Anfang August an den US-amerikanischen Schwesterklub Red Bull New York verliehen, nachdem Leipzigs Sportdirektor Ralf Rangnick ein Einsehen hatte, dass das mit dem 27-Jährigen, für den er Januar 2015 mal ca. fünf Millionen Euro an Rapid Wien überwiesen hatte, irgendwie nichts mehr wird.

Dort setzt der Offensivspieler seine Form- und Verletzungsgeschichte fort. Damari stand fünf Spiele hintereinander im Kader des aktuellen Tabellenführers der Eastern Conference der Major League Soccer, allerdings nie in der Startelf. Er kam vier Mal als Reservespieler – und schoss sein erstes (und einziges) Tor in San Salvador beim Concacaf-Champions-League-Spiel gegen den FC Alianza aus Honduras (Endstand 1:1).

Dann verletzte er sich wieder, fiel drei Spiele aus – und ist nun alles andere als Kader-gesetzt für die bald anstehenden Playoffs in der MLS. Für die braucht es fitte, stabile Spieler.

Immerhin aber platzierte ihn Trainer Ali Curtis nach seiner Rückkehr aus dem Krankenstand vergangenes Wochenende auf die Bank. Das ist schon mal was für einen, der in etwa so viel spielt, wie er Verletzungen auskuriert. Aber Stammspieler – das war einmal. Und eine Rückkehr nach Leipzig im Winter, wenn die Leihe endet? Formal ja, aber inhaltlich: ausgeschlossen.

Massimo Bruno beim RSC Anderlecht

Ähnlich wie Damari ist auch Massimo Bruno ein Transfer, der in der Geschichte der Einkäufe von Ralf Rangnick allerhöchst vermutlich unter der Rubrik „Flops“ vermerkt werden wird.

Eine Rückkehr als Stammspieler jedenfalls scheint genauso wahrscheinlich wie ein Abstieg von RB in dieser Saison. Bruno, für den Rangnick Juni 2014 fünf Millionen Euro bezahlte, ist zu seinem Heimatklub RSC Anderlecht zurückgekehrt. Aber auch beim Europa-League-Teilnehmer hat man wohl erkannt, dass der feinfüßige Mittelfeldspieler nicht die Physis für Fußball auf Topniveau mitbringt.

Dabei hatte Bruno gehofft, dass genau das bei seinem Leihklub keine so große Rolle spielen würde. In einem Interview mit der belgischen Tageszeitung La Derniére Heure beklagte er sich über seine Zeit bei RB und erklärte, der laufintensive Fußball dort habe seiner Entwicklung nicht gut getan.

Bruno hat bis dato drei Mal für den RSC gespielt, drei Mal von der Bank aus. Ein Tor hat er nicht geschossen, aber im Pokal durfte er mal 90 Minuten ran – gegen den Zweitligisten OH Leuven. Anderlecht gewann 1:0.

Nils Quaschner beim VfL Bochum

Der Mecklenburger Quaschner hat sein Heil ebenfalls in der Leihe gesucht, was nicht unverständlich gewesen ist bei dem Angebot in der RB-Offenisve. Zumal mit Timo Werner vom VfB Stuttgart ein Hochkaräter zum Kader stieß, der Quaschners Aussichten auf Einsatzzeiten rapide sinken ließ.

Der VfL Bochum hatte Interesse – und Quaschner sagte zu. Ohne jedoch ahnen zu können, dass auch beim Zweitligisten einer sich ihm in den Weg stellen würde: Simon Terodde. Der Vorjahresstürmer ist zwar mittlerweile nach Stuttgart abgewandert, aber dessen 25 Tore aus der vergangenen Saison haben Quaschner zu Beginn das Leben schwer gemacht.

Der 22-Jährige teilt sich im 4-2-3-1 des niederländischen Trainer Geertjan Verbeeck die eine freie Stelle im Sturm mit Peniel Mlapa – und weil beide anfangs nicht trafen, brüllten die Bochumer Ränge Teroddes Namen.

Erst beim 5:4 gegen Nürnberg am fünften Spieltag trafen beide. Danach war es ruhiger und einfacher. Insgesamt stand Quaschner fünf Mal im Kader, wurde drei Mal eingewechselt, spielte zwei Mal von Beginn an, schoss ein Tor, bereitete eines vor. Und war auf gutem Weg, bis er kürzlich am Darm operiert wurde. Er fällt deshalb auf unbestimmte Zeit aus.

Atinc Nukan bei Besiktas Istanbul

Ralf Rangnick hat viele Talente - und eines eher nicht: Mit Zielgenauigkeit Spieler zu verpflichten, die seinen Vereinen weiterhelfen können. Auch beim Türken Nukan hat der Sportdirektor mehr gesehen, als der Verteidiger dann offenbarte.

Deshalb ist der 23-Jährige vor Ende der Transferperiode auf Leihbasis zu seinem Jugendverein Besiktas Istanbul zurückgekehrt. Formal sah das sogar aus wie ein Aufstieg, Besiktas spielt in der Champions League und ist aktueller Meister sowie momentan Tabellenzweiter.

Vielleicht aber sind genau diese Umstände eine Nummer zu groß für Nukan, denn er kommt bei seinen Landsleuten so oft zum Zug wie zuletzt bei RB: nämlich gar nicht. Vier Meisterschaftsspiele und zwei in der Königsklasse ist für die Leipziger Leihgabe die Saison in der Heimat schon alt – und in keiner dieser Partien kam Nukan zum Zug. Er war nicht einmal im Kader.

Anthony Jung beim FC Ingolstadt

Drei Jahre hielt der Außenverteidiger seinen stämmigen Körper für RB in der 3. und 2. Liga hin, ehe ihm die Einsicht kam, dass es zwar reichen dürfte für den Aufstiegskader, aber wohl eher nicht für die Stammelf. Verleiht mich – war deshalb Jungs Ruf nach mehr Einsatzzeit, was RB erhörte. Sie boten den 24-Jährigen aufgrund der geknüpften Kontakte dem FC Ingolstadt an, dem RB gerade Trainer Ralph Hasenhüttl abgeworben hatte.

Die Telefonleitungen waren noch nicht kalt, und weil der Transfer bei den Ingolstädtern nur bedingt auf Wohlwollen stieß, ist Jung auch eine Art Ausgleichsgeschäft gewesen. Sie durften den Defensivmann leihen, müssen ihn aber kaufen, sofern sie die Klasse halten.

Eine Rückkehr Jungs nach Leipzig kommenden Sommer ist deshalb nicht ausgeschlossen. Denn der SCI ist mit einem Remis aus sechs Spielen Vorletzter. Am Zugang aus Leipzig liegt die miserable Schwarzserie allerdings nur bedingt.

Jung saß die ersten fünf Spiele jeweils 90 Minuten auf der Bank. Im sechsten Spiel, dem gegen Hoffenheim vorige Woche, hat Trainer Markus Kauzcinski Jung nun zum ersten Mal über die volle Zeit eingesetzt – wohl auch, um dem Negativtrend mit neuem Personal entgegen zu wirken. Doch auch diese Partie ging 1:2 verloren. (mz)