Europa-League-Hinspiel

Europa-League-Hinspiel: RB Leipzig legt einen knappen Sieg vor

Leipzig - Der Donnerstagabend im Leipziger Stadion hatte etwas vom Charme der Drittliga- und frühen Zweitliga-Tage von RB. Nicht, was das gutklassige Fußballspiel anging, das Rasenballsport im Europa-League-Achtelfinale gegen Zenit St. Petersburg mit 2:1 (0:0) gewann und sich somit eine passable Ausgangsposition für das Rückspiel in einer Woche und den Einzug ins Viertelfinale ...

Von Ullrich Kroemer 08.03.2018, 21:59
Leipzigs Keeper Peter Gulacsi ist beim Freistoß zum 1:2 machtlos.
Leipzigs Keeper Peter Gulacsi ist beim Freistoß zum 1:2 machtlos. imago sportfotodienst

Der Donnerstagabend im Leipziger Stadion hatte etwas vom Charme der Drittliga- und frühen Zweitliga-Tage von RB. Nicht, was das gutklassige Fußballspiel anging, das Rasenballsport im Europa-League-Achtelfinale gegen Zenit St. Petersburg mit 2:1 (0:0) gewann und sich somit eine passable Ausgangsposition für das Rückspiel in einer Woche und den Einzug ins Viertelfinale schuf.

Doch die Umstände erinnerten eher an vergangene Tage: Auf dem Weg zum Stadion herrschte kein Stau; sogar einige der raren Fahrradständer waren noch verfügbar und auf den sonst überfüllten Stadionfluren vor den Bratwurstständen verloren sich nur vereinzelte Fans.

Zwar war die Kulisse von nur 19.877 Anhängern eines Europapokalspiels unwürdig – noch dazu in der Premierensaison von RB in Europa. Weniger waren zuletzt 2015 gegen den FSV Frankfurt gekommen. Doch die Anhänger, die da waren, feierten sich und das Spiel, sodass es akustisch kaum auffiel, dass viele Plätze leer waren. So entwickelte sich trotz des halbleeren Runds eine verschworene Atmosphäre auf den Rängen, weil viele Fans eben auch schon in der Regionalliga und 3. Liga dabei waren.

RB Leipzig hat Problem mit Zenits Abwehr

Dass Trainer Ralph Hasenhüttl und die Mannschaft den Wettbewerb ernster nehmen als einige Anhänger bewies bereits die Aufstellung. Bis auf Marcel Sabitzer, der nach fünf Spielen über 90 Minuten geschont wurde und für den Diego Demme in die Startelf rückte, ging RB mit der derzeit stärksten Elf ins Spiel.

Zwar hatten die Hausherren von Beginn an viel Ballbesitz – 65 Prozent in der ersten Hälfte; doch die Leipziger taten sich anfangs schwer gegen die massierte Abwehr des russischen Ligavierten. Ein abgefälschter Querschläger von Bruma (10.), Timo Werner, der eine Ecke direkt nahm (11.) sowie unbedrängt über das Tor schoss (24.) hatten Möglichkeiten. Doch ganz große Torgefahr entwickelte einzig Emil Forsberg, dessen direkter Freistoß an den Innenpfosten und von dort zurück ins Feld sprang (36.).

Gulacsis Unsicherheit bleibt ohne Folgen

Zwar zeigten die Hausherren gefälliges Kurzpassspiel, doch Staffelung, Positionierung und Laufwege im Offensivspiel waren noch nicht stimmig. Die Zehner Forsberg, der viel im Zentrum agierte, und Bruma harmonierten noch nicht wirklich, sodass häufig rechts oder links Lücken entstanden und somit zu wenig Tiefgang.

Die von Trainer Roberto Mancini trainierten Gäste hatten kaum Offensivaktionen, beschränkten sich weitgehend aufs Verteidigen. Allein eine Unsicherheit von Torhüter Peter Gulacsi, der den Ball beinahe vor Zenit-Stürmer Anton Zabolotny vertändelt hätte, sorgte für eine Schrecksekunde (13.). Davon, dass der Gazprom-Klub – Firmen-Boss Alexey Miller war sogar im Stadion – mit 20 Toren der bislang treffsicherste Verein der Euro League ist, war nichts zu sehen.

In die zweite Hälfte startete RB mit mehr Wucht und Zug zum Tor. Forsbergs Schuss konnte FCZ-Keeper Andrej Lunev noch halten (48.) und Augustins erster nennenswerter Versuch streifte nur das Außennetz (51.). Doch kurz darauf hielten die Russen dem Druck nicht mehr Stand. Einen Angriff über die linke Seite veredelten Bruma und Timo Werner, der per Hacke Doppelpass mit dem Portugiesen spielte, sodass Bruma mit einem Schuss ins lange Eck seinen insgesamt fünften Treffer für RB erzielte (56.).

Erst trifft Bruma, dann erhöht Werner für RBL

Wenig später hätte der allein auf das Tor zueilende Werner das 2:0 erzielen können, schoss den Ball jedoch in die Arme von Torhüter Lunev (59.). Besser machte es der Nationalstürmer nach einem feinen Pass von Naby Keita in die Nahtstelle der Viererkette, den Werner per sehenswertem Lupfer zum 2:0 verwandelte (77.). In der Bundesliga ist der 21-Jährige seit sechs Partien ohne Tor, in der Europa League traf er nun im dritten Spiel zum dritten Mal.

Dass Zenit kurz vor Schluss per sehenswertem direktem Freistoßtreffer durch Kapitän Domenico Criscito (86.) den Anschlusstreffer erzielte, war für RB der Wermutstropfen in einer starken zweiten Hälfte. Die Fans, die da waren und für die sich der Besuch gelohnt hatte, feierten trotzdem den „Europapokaaal”.

Statistik: RB Leipzig – FC Zenit St. Petersburg 2:1 (0:0)

RB Leipzig: Gulacsi – Laimer (46. Bernardo), Orban (C), Upamecano, Klostermann – Demme, Keita – Forsberg, Bruma (75. Sabitzer) – Augustin (80. Poulsen), Werner.

Zenit St. Petersburg: Lunev – Ivanovic, Mammana, Criscito (C), Mevlja – Erokhin, Kuzyaev, Kranevitter – Zabalotny (57. Driussi), Rigoni (80. Poloz), Kokorin.

Tor(e): 1:0 Bruma (56., Werner), 2:0 Werner (77., Keita), 2:1 Criscito (86., diekter Freistoß); Torchancen: 8:2; Ecken: 8:5; Schiedsrichter: Hategan (Rumänien); Gelbe Karten: Upamecano (1) / –; Zuschauer: 19.877 in der Red-Bull-Arena. (mz)

(mz)