Pleite gegen Blomberg-Lippe Niederlage gegen blomberg-Lippe: Union Halle-Neustadt vor Abstieg

Halle (Saale) - Die eisige Miene der heißblütigen Trainerin sagte alles. Auch ohne Worte. Sofort drehte Tanja Logvin ab in Richtung Katakomben der Erdgas Arena. Und ihre Spielerinnen trotteten hinterher mit hochrotem Kopf und vor Enttäuschung feuchten Augen. Auch Nadine Smit war an diesem Sonntagabend nicht gleich ansprechbar. „Wir müssen erstmal alle in die Kabine“, sagte die für klare Worte bekannte Kapitänin - und verschwand.
„Dort wird jetzt ganz sicher Tacheles geredet“, sagte Bodo Meerheim. Der Vereinspräsident der halleschen Erstliga-Handballerinnen hatte gemeinsam mit 527 Zuschauern den für den Klassenerhalt so wichtigen Schlagabtausch verfolgt, der in der Schlussviertelstunde zum Trauerspiel mutierte und mit einer bitterbösen 19:27-Pleite gegen Blomberg-Lippe endete.
Knackpunkt bei 17:17 - Team fällt auseinander
Ausgangspunkt war ausgerechnet Halles bis dahin treffsicherste Spielerin Mariana Lopes. Beim Stand von 17:17 klappte ein Zuspiel mit der ebenfalls aufs Torewerfen fixierten Sophie Lütke nicht. Im Gegenzug fiel das 17:18. Statt zu kontern, verwarf Lopes, um sich anschließend bei der Abwehrarbeit in den Wurfarm einer Gegenspielerin zu hängen. Den Siebenmeter nutzte der Tabellensiebte zur Zwei-Tore-Führung und durfte danach auch noch zwei Minuten in Überzahl spielen, weil Lopes auf der Strafbank schmorte.
Obwohl Anica Gudelj im Union-Tor mit starken Paraden glänzte, brach die Mannschaft nun zunehmend auseinander. Selbst die bis dahin sattelfeste Abwehr leistete nur noch bedingt Widerstand - die Luft war raus. „Nun wird es für uns ganz schwer“, sagte Meerheim.
Drei Punkte fehlen seiner Mannschaft zu Neckarsulm auf dem ersten Nichtabstiegsplatz. Das ist Halles nächster Gegner. Während gegen Spitzenreiter Bietigheim wohl nur schwer etwas zu holen sein wird, bleibt am Schlusstag dann noch Borussia Dortmund, dem im Hinspiel in eigener Halle immerhin ein Remis abgerungen werden konnte. Wenn Halle dann wie zuletzt gegen Blomberg-Lippe spielt, wird da aber nichts zu holen sein.
Zu viele Totalausfälle - Union am Ende chancenlos
Und es wäre auch ganz sicher falsch, die Niederlage allein an Lopes’ Fehler festzumachen. Die Portugiesin steuerte immerhin acht Treffer bei. Ganz klar kam diesmal von den Außenpositionen zu wenig. Insbesondere Ekaterina Fanina erwies sich als Totalausfall - vorn wie hinten. Und auch Halles Kreisspiel offenbart noch Reserven.
Zwar wuselte Nadine Smit unermüdlich durch die gegnerischen Reihen und schaffte so die eine oder andere Lücke. Und doch ist die relativ kleine Spielerin keine etatmäßige Kreisläuferin, sondern spielt nur Feuerwehrfrau. Ihre vier Treffer markierte sie allesamt vom Siebenmeterpunkt. Das sind zu viele Baustellen für das Oberhaus. (mz)