Saale Bulls

Wie die Fans die Pandemie-Zeit erleben

Beste Stimmung im Sparkassen Eisdom - hier 2016 bei einem Heimspiel der Saale Bulls. Holger John

Halle (Saale) - Natürlich ist das mit dem Sport an sich schon ziemlich großer Mist. So sehr Torsten „Locke“ Thielemann und Stephan Reimann aber das Eishockey auch lieben, noch mehr vermissen die Fanbeauftragten der Saale Bulls etwas anderes: Das Seit an Seit stehen mit Freunden im Sparkassen Eisdom, die Gespräche beim Bier rund um eine Partie der Eishockey-Oberliga. „Die Gemeinschaft“, sind sie sich einig, fehlt in Corona-Zeiten am meisten.

Thielemann und Reimann sind zwei von Millionen Fans, die gerade nicht Fans sein können, weil die Hallen für sie geschlossen bleiben. Eine ganze Saison ging das schon so. Die Spiele der Bulls konnten die Fans nur via Stream verfolgen. „Das wurde super angenommen“, sagt Thielemann zwar. „Aber den Flair eines Livespiels kann das nicht ersetzen.“

Saale Bulls: Fanbeauftragte Thielemann und Reimann sind Ansprechpartner

Seit 2005 ist Thielemann Fanbeauftragter bei den Bulls, Reimann kam 2014 dazu. Das Duo bildet das Bindeglied zwischen Fans und Verein. „Wir bringen die Anliegen dem Vorstand vor“, erklärt Thielemann. „Dazu sind wir aber auch Ansprechpartner, wenn etwa Choreos geplant werden.“ All das ist weggefallen. Nur kleine Farbtupfer konnten die Fans setzen, indem sie etwa ihre Banner im Dom aufhängten.

Torsten Thielemann (l.) und Stephan Reimann vor der Heimspiel-Halle der Saale Bulls.
Foto: Fabian Wölfling

Eine quälende Zeit, die im Fall der Bulls eine besondere Bitternote hat. Das Team spielte eine der stärksten Saisons seit Jahren, gewann 29 von 42 Spielen. „Da waren Erfolge dabei, etwa gegen Tilburg, wo die Halle gebebt hätte. Es ist sehr bitter, dass wir das nicht miterleben konnten“, klagt Thielemann. Als negative Krönung kam das Verpassen der Playoffs hinzu, wegen Coronafällen im Team. „Sche***“, für Mannschaft, Verein und Fans sei das. „Es tut mir aber vor allem leid für die Spieler, weil die sich echt den Hintern aufgerissen haben“, sagt Thielemann.

Saale Bulls sind sicher: Fans kommen nach Corona-Pandemie zurück in die Halle

Bei all dem Frust bleibt nur die Hoffnung auf bessere Zeiten. Aber auch der Blick in die Zukunft ist nicht ohne Sorgen. In Erfurt etwa droht gerade die Sanierung der Eishalle wegen eines zu spät eingereichten Förderantrags zu platzen. Die Fans der Bulls hatten 2020 gemeinsam mit den Erfurtern für die Maßnahme protestiert. Zunächst erfolgreich. Jetzt bangen sie aber mit den Rivalen. „Da sind wir Fans in der Sache alle vereint“, sagt Reimann.

Zuversichtlich sind sie dagegen, wenn es um die Wirkung der Pandemie auf die eigene Fanszene geht. „Ich glaube, die große Masse bleibt den Bulls treu und kommt in besseren Zeiten zurück“, sagt Thielemann. Es geht ja schließlich um die Gemeinschaft. (mz/Fabian Wölfling)