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Handball-Saison wird abgebrochen Handball-Saison wird abgebrochen: Grün-Weiß bleibt in der Oberliga

Von Michael Hübner 19.02.2021, 09:57
Der SV Grün-Weiß Wittenberg-Piesteritz zahlt gegen Freiberg im ersten Oberligaspiel Lehrgeld.
Der SV Grün-Weiß Wittenberg-Piesteritz zahlt gegen Freiberg im ersten Oberligaspiel Lehrgeld. Sven Wieder

Wittenberg - Der Mitteldeutsche Handballverband hat seine Entscheidung am Donnerstag um Punkt 10 Uhr auf seiner Homepage verkündet: Die Saison wird ohne Wertung abgebrochen. Damit bleiben die Männer vom SV Grün-Weiß Wittenberg-Piesteritz in der Oberliga. „Das ist die richtige Entscheidung. Trotz sinkender Corona-Zahlen ist an eine Hallenöffnung nicht zu denken“, sagt Patrick Pusch zum Abbruch.

„Wir haben jetzt die Chance, den Kader so umzustellen, dass wir in der nächsten Saison sportlich die Klasse halten können“, sagt der SV-Manager weiter. Voraussetzung sei aber, dass „die Sponsoren und die Fans“ dem Verein die Treue halten.

Faire Lösung geplant

Doch das ist Zukunftsmusik. Fällig wird jetzt die von den Spielern ausgehandelte Klassenerhaltsprämie. Die Handballer des Tabellenletzten, die als Aufsteiger Lehrgeld bezahlt und lediglich einen Zähler erkämpft haben, können jetzt einen Anspruch auf das Geld einfordern. „Wir werden eine kulante und faire Lösung finden“, betont Pusch. Erst dann kann ein Schlussstrich gezogen.

Viel Positives wird von den ersten Spielen in der Oberliga sowieso nicht im Gedächtnis haften bleiben. Selbst der Punktgewinn gegen Sonneberg ist eine gefühlte Niederlage. Torwart Christian Brandt wehrt den vermeintlich letzten Wurf ab. Und so haben 26 Sekunden vor dem Abpfiff die Grün-Weißen bei eigener Führung den Ball. Der Trainer entscheidet sich für eine Auszeit.

War das zu früh? Es gibt Übungsleiter, die in einer solch dramatischen Phase die Auszeit erst nehmen, wenn die Schiedsrichter Zeitspiel anzeigen. Der Arm der Referees geht sofort nach der Auszeit hoch. Es droht der Ballverlust wegen Zeitspiels. Die Grün-Weißen verlieren in der Hektik den Ball, und die Thüringer schaffen eine Sekunde vor dem Abpfiff den Ausgleich.

Und in der nächsten Heimpartie kommt es zum Eklat. Die Stadthalle ist nicht bespielbar. Das sagen die Schiedsrichter und pfeifen die Partie gegen Dresden nicht an. Am grünen Tisch erhalten die Gäste die Punkte. Durch die Annullierung verschwindet auch diese Episode aus den Handball-Geschichtsbüchern.

Die neue Saison könnte erneut mit den bisherigen 17 Teams beginnen. Sachsen-Anhalt und Sachsen verzichten auf ein mögliches Aufstiegsrecht. Allerdings würde Thüringen gern einen Aufsteiger stellen. Die Entscheidung dazu steht noch aus.

Das trifft ebenfalls auf einen möglichen Aufstieg in die dritte Liga zu. Theoretisch kann auch der SV Grün-Weiß - das darf jeder Oberligist - einen Antrag für die dritte Liga stellen. „Das werden wir nicht tun. Vielleicht in ein paar Jahren …“, so Pusch auf MZ-Anfrage.

Das ist offensichtlich auch bei der BSG Aktivist Gräfenhainichen vorerst kein Thema. Die BSG-Sieben liegt nach zwei Siegen gegen Spitzenteams verlustpunktfrei auf Rang zwei der Frauen-Oberliga. „Es geht nicht nur um sportliche, sondern auch um wirtschaftliche Fragen. Und die kann nur der Vereinsvorsitzende beantworten“, sagt BSG-Trainer Jens Bertuleit.

„Darüber haben wir noch nicht nachgedacht“, erklärt BSG-Chef Hans-Joachim Kramer, der zum Saisonabbruch sagt: „Es ist schade, aber macht Sinn.“ Trotzdem kommentiert der Trainer: „Das ist ein trauriger Augenblick.“

Auch Gräfenhainichens Bürgermeister Enrico Schilling (CDU) benutzt das Adjektiv „traurig“. „Man kann sich gar nicht mehr auf ein Punktspiel freuen“, sagt das Stadtoberhaupt, das oft in der Lindenallee anzutreffen ist. Er schätze „die Leidenschaft und die Action“.

Übrigens hat die BSG in der vorherigen Saison als Aufsteiger - ähnlich wie die Grün-Weißen Männer - nur durch den Abbruch die Klasse halten können. „Wir waren komplett überfordert“, so Bertuleit. Seine Sieben hatte sich lediglich drei Zähler erkämpft. „Wir haben uns danach mit zwei Spielerinnen verstärkt“, so der Coach, der die Neuen offensichtlich mit großem Erfolg in das Team integrieren konnte.

Frauen für Spielbetrieb

Und das könnte zumindest theoretisch auch noch in dieser Saison unter Beweis gestellt werden. „Sollte eine Öffnung der Spielhallen erfolgen, wird ein Spielbetrieb organisiert. Die Teilnahme der Mannschaften erfolgt freiwillig“, hat der Mitteldeutsche Handballverband beschlossen. Die BSG wäre auf jeden Fall dabei. „Die Frauen wollen spielen“, so Kramer.

Komplett-Absage

Auch der Handball-Landesverband hat die Spielzeit 2020/21 auf Grund der aktuellen Coronalage sowie der jüngsten Verordnungen der Bundesregierung annulliert. Eine erneute Aufnahme des Spielbetriebs in den kommenden Wochen scheint nicht realisierbar. Auf- und Absteiger wird es nicht geben.

Dies betrifft die Staffeln Anhaltklasse, Anhaltliga, Verbandsliga und Sachsen-Anhaltliga sowohl im Jugend als auch im Erwachsenenbereich. (mz)

Punkt gegen Sonneberg
Punkt gegen Sonneberg
Wieder