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Handball  Handball : Saison bleibt bis Jahresende ausgesetzt

Von Torsten Kühl 11.11.2020, 15:31
Blickt in eine ungewisse Zukunft: HCB-Trainer Steffen Baumgart (r.), hier mit Marcel Popa.
Blickt in eine ungewisse Zukunft: HCB-Trainer Steffen Baumgart (r.), hier mit Marcel Popa. Torsten Biel

Naumburg - Zumindest in einer Hinsicht haben die Drittliga-Handballer des HC Burgenland jetzt Klarheit: In diesem Kalenderjahr werden sie keine Punktspiele mehr bestreiten. Auf einer Videokonferenz beschlossen nämlich Präsidium und Vorstand des Deutschen Handballbundes (DHB) am Mittwoch, den Spielbetrieb der 3. Liga und der Jugend-Bundesliga coronabedingt bis Ende 2020 auszusetzen. Bislang hatte der DHB den Spielbetrieb zunächst bis zum 15. November gestoppt (Tageblatt/MZ berichtete). Wie der nationale Verband mitteilt, sei „eine Wiederaufnahme derzeit zum Wochenende 9./10. Januar beabsichtigt, sofern dies die weitere Entwicklung der Corona-Pandemie zulässt“ und sofern im Monat Dezember trainiert werden darf.

Auf einem virtuellen Staffeltag hatte die 3. Liga am Dienstagabend die zuvor per E-Mail abgefragte Situation in den Vereinen (72 Clubs bei den Männern, 59 bei den Frauen) ausgewertet und seine Vorstellungen vom weiteren Saisonverlauf erörtert. Bei dieser Videokonferenz wurde deutlich: Etwa ein Drittel dieser insgesamt 131 Mannschaften besitzt derzeit keine Erlaubnis, weiter zu trainieren. „Das heißt, über 60 Prozent der Mannschaften und damit auch ein Großteil unser Konkurrenz in der Nord-Ost-Staffel trainiert zurzeit einfach weiter. Wir dagegen dürfen das nicht, weil im Burgenlandkreis die Hallen gesperrt sind und für uns bisher keine Ausnahme gemacht wurde“, sagt Uwe Gering, Präsident des HC Burgenland, dessen erste Männermannschaft vor dieser Saison in die 3. Liga aufgestiegen ist. Gering fordert nun von der Kreisverwaltung eine schnelle Entscheidung hinsichtlich der Hallenfreigabe im gesamten Burgenlandkreis.

Wie der Deutsche Handballbund in seiner gestern veröffentlichten Pressemitteilung betonte, hätten die Wiederaufnahme und Fortführung des Trainings Priorität. Nach der Videokonferenz am Dienstagabend ließ der DHB über den Vorstandsvorsitzenden Mark Schober verlauten: „Wir verstehen die Nöte vor Ort. Es ist jetzt unsere gemeinsame Aufgabe, Wege zu finden, wie der Handball in der 3. Liga aktiv bleibt und welche Formen des Spielbetriebs möglich und sinnvoll sind.“

Nach der Diskussion mit den Vereinen gibt es mehrere Möglichkeiten, wie die aktuelle Saison trotz der Unterbrechung im November und Dezember zu Ende gespielt werden könnte. Erstes Ziel sei es, die Hinrunde abzuschließen. Alle im Januar geplanten Spieltage bleiben demnach, wie sie geplant waren. Die im November und Dezember ausgefallenen Partien sollen an die Hinserie angehängt werden. Bis Ende April soll die Hinrunde möglichst abgeschlossen werden.

Für die Rückserie gibt es nach jetzigem Stand drei (abgespeckte) Varianten: Sollte aufgrund der fortgeschrittenen Zeit - weil die Hinrunde zum Beispiel bis Mitte Mai läuft - keine Rückrunde mehr möglich sein, ergeben sich die Aufsteiger zur 2. Bundesliga aus den Entscheidungsspielen der Ersten jeder Staffel, und absteigen würden - wie vorgesehen - die letzten vier Teams jeder Staffel.

Variante zwei beinhaltet eine verkürzte Rückrunde mit drei Gruppen: Die Plätze eins bis sechs spielen um den Aufstieg und die Teilnahme am DHB-Pokal, die Ränge sieben bis zwölf nur um die Platzierungen und die Plätze 13 bis 18 um den Klassenerhalt. Dabei werden die Ergebnisse der direkt beteiligten Mannschaften aus der Hinrunde mitgenommen; in den Rückspielen haben die Mannschaften Heimrecht, die in der Hinrunde auswärts gespielt haben. Die Plätze 15 bis 18 jeder Staffel steigen ab. Und bei der dritten Variante spielen in einer verkürzten Rückrunde die Teams auf den Plätzen elf bis 18 um den Klassenverbleib. Auf jeden Fall will der DHB auch weiter die Meinungen der Vereine zu diesem Thema einholen. Mögliche Nachholpartien unter der Woche, wie sie vom DHB ins Spiel gebracht wurden, lehnt der HC Burgenland kategorisch ab. „Das können wir gar nicht leisten, denn unsere Spieler gehen arbeiten“, erklärt Clubchef Gering.

Bleiben noch die Knackpunkte Geisterspiele und Corona-Tests. Etwa die Hälfte der Drittligisten dürfte aktuell den Spielbetrieb auch ohne Zuschauer nicht aufnehmen. Insgesamt ergebe sich damit laut DHB für diese Spielklasse „ein heterogenes Bild - auch, was die Einordnung als Amateur- oder Profisport betrifft“. Dies wird auch beim Thema Corona-Tests deutlich. Zwar sind 90 Prozent der befragten Drittliga-Vereine, die sich auch geäußert haben, bereit, sich regelmäßig testen zu lassen. Aber auch 90 Prozent davon können dies auf Dauer finanziell nicht leisten. So auch der HCB. „Wie soll das denn auch funktionieren?“, fragt Uwe Gering. „Die Spieler dürften ja nach einem Test vor einem Spiel nicht mehr zur Arbeit gehen und müssten sich in Isolation begeben.“